Saisonvorschau: Die neue eingleisige Bundesliga im Spannungsfeld von Vereinen und DRB

Die mannschaftliche Geschlossenheit war in den vergangenen Jahren stets die Grundlage des Erfolgs - daran soll sich auch zukünftig nichts ändern.

- 31.08.2026, 09:00
- Von: Roman Hölzl
Die neue Bundesliga-Saison im Ringen steht vor der Tür und verspricht erneut Spitzensport, Spannung und große Emotionen. Nach einer ereignisreichen Vorsaison richtet sich der Blick nun auf die kommenden Herausforderungen und die Favoriten im Kampf um die Meisterschaft. Als amtierender Titelträger geht der SV Wacker Burghausen in die neue Mannschaftsrunde, der sich in der vergangenen Saison bereits zum sechsten Mal zum Deutschen Mannschaftsmeister krönte und auch in der neuen Saison seine Erfolgsgeschichte fortschreiben möchte. Für die Fans dürfen somit wieder packende Duelle und hochklassiger Ringsport erwartet werden.
Am 05. September startet der SV Wacker Burghausen mit einem Auswärtskampf beim ASV Schorndorf in die neue Saison, die für Fans und Verantwortliche tiefgehende Neuerungen mit sich bringt. Denn mit der Saison 2026/27 beginnt für die deutsche Ringer-Bundesliga eine neue Ära – ob im positiven oder negativen Sinne wird die Zeit zeigen. Der Deutsche Ringer-Bund (DRB) hat die größte Strukturreform seit vielen Jahren beschlossen und damit einen grundlegenden Wandel im Ligabetrieb eingeleitet. Neue Wettbewerbsformen, eine komplett veränderte Ligastruktur und die Abschaffung des bisherigen Punktelimits sorgen dafür, dass Vereine, Trainer, Athleten und Fans umdenken müssen. Vor allem die Abschaffung des Punktesystems rief eine Welle der Entrüstung bei den Vereinen und beim Liga-Ausschuss hervor. Der DRB konterte mit Schweigen und Gleichgültigkeit.
Die Bundesliga wird eingleisig, das Punktesystem abgeschafft
Der wichtigste Schritt der Reform ist die Einführung einer eingleisigen Bundesliga mit 20 Mannschaften. Die bisherigen regionalen Staffeln gehören der Vergangenheit an. Alle Teams werden künftig in einer gemeinsamen Liga geführt und in einer Gesamttabelle gewertet. Ziel des DRB ist es, die Liga attraktiver, transparenter und sportlich vergleichbarer zu gestalten. Statt regional geprägter Gruppen treffen nun Vereine aus allen Teilen Deutschlands regelmäßig aufeinander, was für zahlreiche neue und bislang seltene Duelle sorgt. Auch der Saisonablauf wurde grundlegend verändert. In der Hauptrunde absolviert jede Mannschaft zwölf Kämpfe gegen zwölf verschiedene Gegner. Anders als bisher gibt es keine Hin- und Rückkämpfe mehr. Jedes Duell findet nur einmal statt und fließt direkt in die Gesamttabelle ein. Der Modus erinnert dabei eher an Formate aus internationalen Wettbewerben als an klassische nationale Ligen. Für die Zuschauer bedeutet dies deutlich mehr Abwechslung. Auf Grund der Vermischung der ersten und zweiten Bundesliga ist allerdings davon auszugehen, dass die erhofften spannenden Mattengefechte auf Augenhöhe nur bei den direkten Vergleichen der Erst- bzw. ehemaligen Zweitligisten gegeben sein dürfte - zu sehr geht die Schere im Bereich der individuellen Stärken der verfügbaren Ringer der Teams auseinander.
Die wohl meistdiskutierte Neuerung betrifft die Kaderplanung, denn das seit Jahren etablierte Punktesystem wurde in der Bundesliga vollständig abgeschafft. Bislang mussten Vereine bei der Aufstellung komplizierte Berechnungen hinsichtlich der Wertigkeit ihrer Athleten berücksichtigen. Diese Regel entfällt nun komplett. Zusätzlich wurde die Zahl der Ausländerlizenzen pro Verein deutlich begrenzt. Jeder Bundesligist darf künftig maximal acht ausländische Athleten im gesamten Kader führen. Damit möchte der Verband die Bedeutung deutscher Sportler stärken, ohne auf internationale Spitzenringer verzichten zu müssen. Der Verband begründet diesen Schritt mit mehr Transparenz, weniger Bürokratie und einer stärkeren Fokussierung auf den Sport selbst. Doch bei aller Aufbruchsstimmung gibt es zahlreiche kritische Stimmen. Denn die Abschaffung des Punktesystems birgt erhebliche Risiken für die sportliche Ausgeglichenheit der Liga.
Auch bei den Burghauser Verantwortlichen hält sich die Begeisterung hierüber in Grenzen: „Nahezu alle Vereine haben sich für den Erhalt des Punktesystems ausgesprochen, um die Förderung des Nachwuchses besser vorantreiben zu können. Dass der DRB sich hier aktiv gegen die Vereine und den Bundesliga-Ausschuss stellt, ist für uns noch immer nicht nachvollziehbar. Wir befürchten, dass durch die hohen finanziellen Aufwände zukünftig die sportliche Kluft innerhalb der Bundesliga noch weiter auseinandergehen wird, als es jetzt schon der Fall ist. Dies ist am Ende weder nachhaltig noch der Entwicklung der deutschen Ringer förderlich.“
Ansonsten gibt es heuer im Regelwerk nur geringe Anpassungen, konkret setzt die Bundesliga die im letzten Jahr auf internationaler Ebene getesteten und für gut befundenen Änderungen im griechisch-römischen Stil um. Während bisher bei einem 1:1 Unentschieden die zuletzt erzielte Wertung als Kriterium für den Sieg galt, wird zukünftig die zuerst erzielte Wertung den Sieg bringen. Diese Regelung trifft nur im griechisch-römischen Stil und auch nur beim Stand von 1:1 zu. Bei allen anderen Unentschieden bleibt es bei der alten Regelung, bei der zuerst die höchste Punktewertung bzw. die zuletzt erzielte Wertung den Ausschlag zum Sieg gab.
Personeller Umbruch: Burghausen setzt auf internationale Klasse und eigene Talente
Nach dem sechsten Deutschen Mannschaftsmeistertitel der Vereinsgeschichte stellt der SV Wacker Burghausen früh die Weichen für die Zukunft. Die Verantwortlichen der Ringerabteilung mussten im Frühjahr mehrere schmerzhafte Abgänge verkraften, präsentierten in den vergangenen Monaten jedoch eine Reihe ambitionierter Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen.
Besonders schwer wiegen die Abschiede von Erik Thiele, Roland Schwarz und Christopher Kraemer. Die drei deutschen Spitzenringer gehörten über Jahre hinweg zu den prägenden Gesichtern der erfolgreichsten Phase der Burghauser Vereinsgeschichte. Mannschaftskapitän Erik Thiele war seit der Saison 2017/18 Teil des Teams und stand bei allen sechs Meistertiteln auf der Matte. Roland Schwarz und Christopher Kraemer zählten ebenfalls über viele Jahre zu den absoluten Leistungsträgern und Garantien für wichtige Mannschaftspunkte. Bereits im Rahmen des Finalrückkampfes hatte zudem Fabian Schmitt sein Karriereende bekanntgegeben. Der ehemalige EM-Dritte beendete seine erfolgreiche Laufbahn unmittelbar nach dem erneuten Titelgewinn und hinterlässt damit ebenfalls eine große Lücke im Burghauser Kader. Zudem verließ der Freistilspezialist Mohammad Mottaghinia das Burghauser Team und heuerte beim Aufsteiger FC Erzgebirge Aue an.
Den Abgängen begegnete der Deutsche Meister allerdings mit einem beeindruckenden Transferprogramm. Für besonderes Aufsehen sorgte die Verpflichtung des ehemaligen aserbaidschanischen Freistil-Europameisters Aliabbas Rzazade, der künftig für den SVW auf die Matte gehen wird. Im Burghauser Bundesliga-Kader wird er die Gewichtsklassen bis 61 und bis 66kg abdecken. Ebenso neu im Burghauser Aufgebot ist Akhsarbek Gulaev, der insbesondere die Gewichtsklasse bis 80kg verstärken soll – er tritt damit in die Fußstapfen des amtierenden Vize-Europameisters Zelimkhan Khadjiev. Mit Amangali Bekbolatov gelang den Verantwortlichen ein weiterer namhafter Neuzugang – der Kasache wird als Nachfolger von Fabian Schmitt im griechisch-römischen Stil die Gewichtsklasse bis 61kg besetzen. Darüber hinaus konnten die Burghauser Verantwortlichen den Wunsch der Tatarinov-Zwillinge erfüllen, künftig gemeinsam für den SV Wacker Burghausen anzutreten. Die Verpflichtung von Artur Tatarinov, der für die Klasse bis 75kg im griechisch-römischen Stil eingeplant ist, gilt als weiterer wichtiger Baustein der langfristigen Kaderplanung. Einen echten Transfercoup landete Burghausen Ende Juni mit der Verpflichtung von Batyrbek Tsakulov. Der Vize-Europameister der 97kg-Klasse zählt international zur erweiterten Weltspitze und soll dem Team zusätzliche Qualität für die Titelverteidigung verleihen.
Neben den Neuzugängen konnte der Verein wichtige Leistungsträger binden: Publikumslieblinge und Identifikationsfiguren wie Witalis Lazovski, Idris Ibaev und Eduard Tatarinov bleiben ebenso an der Salzach wie die beiden deutschen Spitzenringer Magomed und Baschir Kartojev. Diese Verlängerungen gelten als wichtiger Bestandteil des sportlichen Konzepts, das trotz der personellen Veränderungen weiterhin auf ein Höchstmaß an Kontinuität setzt. Zudem setzt Burghausen verstärkt auf den eigenen Nachwuchs. Künftig sollen die Eigengewächse Alexander Kreimer und Valentino Prelic die Rollen im Schwer- und Halbschwergewicht übernehmen und damit den eingeschlagenen Weg der nachhaltigen Talentförderung fortsetzen.
Unter dem Strich steht beim SV Wacker Burghausen einer der größten Kaderumbrüche der vergangenen Jahre. Die kommende Saison umreißt Abteilungsleiter Jürgen Löblein wie folgt: „Wir haben im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten auch heuer wieder einen schlagkräftigen Kader beisammen, werden aber auch weiterhin verstärkt auf unseren starken Nachwuchs setzen und diesen regelmäßig zum Einsatz bringen. Die Qualifikation zur Endrunde sollte auch heuer wieder machbar sein, soweit wir von Verletzungen verschont bleiben. Die Favoritenrolle auf den Meistertitel nehmen meiner Meinung nach heuer Weingarten, Kleinostheim und Schorndorf ein. Unser ganzes Team freut sich, wenn es im September endlich wieder losgeht.“
Neue Eintrittspreise sollen den Ringsport für Jugendliche attraktiver machen
Die Burghauser Ringer passen zur kommenden Saison ihre Eintrittspreise in einem moderaten Umfang an. Ziel der Neuregelung ist es, insbesondere Jugendlichen und jungen Sportbegeisterten den Zugang zu hochklassigem Ringsport weiterhin möglichst einfach zu machen. Während die Preise für Mitglieder und Nicht-Mitglieder nur behutsam erhöht werden, profitieren vor allem Jugendliche von attraktiven und familienfreundlichen Konditionen. Damit unterstreicht der Verein seinen Anspruch, den Nachwuchs nachhaltig für den Sport zu begeistern und jungen Menschen den Besuch von Kampfabenden auf Spitzenniveau in Burghausen zu erleichtern.
„Wir möchten unseren Fans auch in der kommenden Saison in der Burghauser Sportparkhalle ein hochklassiges Sporterlebnis bieten. Besonders wichtig war uns dabei, Jugendliche und Familien zu entlasten und ihnen weiterhin den Zugang zu hochklassigem Ringsport so einfach wie möglich zu machen. Trotz der moderaten Preisanpassungen zählen die Eintrittspreise in Burghausen seit jeher zu den günstigsten in der ganzen Bundesliga – daran wird sich auch weiterhin nichts ändern“, erklärt die Abteilungsleitung der Burghauser Ringer.
Mit der Anpassung setzen die Burghauser Ringer auf einen ausgewogenen Weg zwischen wirtschaftlicher Verantwortung und sozialer Zugänglichkeit. Der Verein hofft, damit auch künftig viele junge Zuschauer in der Sporthalle begrüßen zu können und die Begeisterung für den Ringsport weiter ausbauen zu können.



















