Darja Varfolomeev ist „Sportlerin des Monats“ Mai 

Mit drei Goldmedaillen bei den Europameisterschaften in Warna, Bulgarien, hat Darja Varfolomeev einmal mehr ihre Ausnahmestellung in der Rhythmischen Sportgymnastik unter Beweis gestellt. Nach ihrem Titelgewinn im Mehrkampf sicherte sich die Olympiasiegerin von Paris zusätzlich die Goldmedaillen mit dem Ball und dem Band. Für diese herausragenden Leistungen wählten die Sporthilfe-geförderten Athletinnen und Athleten Darja Varfolomeev mit 54 Prozent zur „Sportlerin des Monats“ Mai. 

Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen entscheiden bei der Wahl zur Sportlerin bzw. zum Sportler des Monats ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und -athleten. Dadurch erhält die Auszeichnung ihre besondere sportliche Wertigkeit. Zu Beginn eines jeden Monats stellt die Sporthilfe den rund 4.000 geförderten Athletinnen und Athleten Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl, die sich im Vormonat durch herausragende Leistungen empfohlen haben. Die Stimmabgabe erfolgt per Online-Voting. 

Hinter Darja Varfolomeev sichert sich Sportschützin Nele Stark (26,2 %) Rang zwei bei der Sporthilfe-Wahl. Die 20-Jährige überzeugte bei der Kleinkaliber-Europameisterschaft in Kroatien mit einem Weltrekord und Gold im Kleinkaliber-Dreistellungskampf. Gemeinsam mit Lisa Grub und Anna Janßen gewann sie zudem Mannschaftsgold. Den dritten Platz bei der Wahl belegt das deutsche Tischtennis-Nationalteam der Damen. Yuan Wan, Annett Kaufmann, Nina Mittelham, Ying Han und Sabine Winter (19,8 %) gewannen bei den Team-Weltmeisterschaften in London die Bronzemedaille. Nach nur einer Niederlage im Halbfinale gegen Japan belegte das deutsche Team den dritten Platz. 

Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden.

Deutsche Sporthilfe

Radsport: Fünf Fakten, die du kennen solltest

1. Vielseitig wie kaum eine andere Sportart

Radsport ist weit mehr als Tour de France und Rennrad: Er vereint viele Disziplinen, vom Straßenradsport, Bahn und Mountainbike über BMX, Cyclocross und Gravel bis zu Hallenradsportarten wie Kunstradfahren, Radball oder Einradfahren. Besonders im Trend liegen aktuell Gravelbikes, die als Allrounder sowohl für Asphalt als auch für unbefestigte Wege geeignet sind. Auch Indoor-Cycling und Spinningkurse erfreuen sich in Sportvereinen großer Beliebtheit. Ob leistungsorientiert oder einfach zum Spaß: Radsport bietet für jede*n das passende Format.

Mehr zu den einzelnen Disziplinen findet ihr unter: https://www.germancycling.com/ 

2. Radfahren ist richtig gesund

Radfahren ist ein echtes Wundermittel für Körper und Geist. Schon 4,5 Kilometer täglich senken laut WHO-Studien das Risiko für Herzinfarkt um bis zu 50 %. Auch das Risiko für bestimmte Krebsarten sinkt durch regelmäßige Bewegung. Zusätzlich wirkt Radfahren wie ein Booster für das Gehirn: Es verbessert die Konzentrationsfähigkeit, kurbelt die Kreativität an und kann sogar depressive Symptome lindern. Und wer abnehmen oder in Form bleiben möchte: Eine Stunde Radfahren kann – je nach Tempo und Gelände – bis zu 600 Kalorien verbrennen. Dank des sogenannten „Afterburn-Effekts“ läuft der Stoffwechsel sogar noch nach dem Training weiter auf Hochtouren.

Gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Sporthochschule haben wir einen Trainingsplan für Anfänger*innen erstellt: 

Trainingsplan

3. Nachhaltig unterwegs

Radfahren ist nicht nur gesund, sondern auch klimafreundlich. Als emissionsfreies Verkehrsmittel reduziert es CO₂, Feinstaub und Lärm. Im Vergleich zum Auto können pro Kilometer rund 150 Gramm CO₂ eingespart werden. Im Alltag summiert sich das schnell. Gleichzeitig verbessert Radfahren die Luftqualität in Städten und sorgt für mehr Lebensqualität. Kurz gesagt: Wer aufs Rad steigt, schützt die Umwelt und trägt aktiv zu einer nachhaltigeren Mobilität bei.

4. Gemeinschaft auf zwei Rädern

Radsport ist ein Teamsport, obwohl man allein im Sattel sitzt. Im Verein, bei Ausfahrten oder Feierabendtouren entstehen schnell neue Kontakte. Studien zeigen: Gemeinsames Sporttreiben verbessert das seelische Wohlbefinden, senkt Stress und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl. Wer regelmäßig mit anderen unterwegs ist, bleibt motivierter und hat oft mehr Spaß am Training. Für Anfänger*innen gilt: Viele Vereine bieten Angebote für Einsteigerinnen oder gemischte Gruppen.

„Im Gesamtergebnis steht es 19:1 für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland“

Am Sonntagabend war klar, dass es in der Hansestadt nicht für ein Ja für Olympische und Paralympische Spiele reichen wird. Nach zuvor 19 gewonnenen Referenden ein Dämpfer für die deutsche Olympiabewerbung?

Thomas Weikert: Das sehe ich nicht so. Zum einen, weil die Menschen, so unser Eindruck nach ersten Analysen, in Hamburg vor allem gegen Spiele in Hamburg und nicht generell gegen Spiele in Deutschland gestimmt haben. Zum anderen gab es in 19 von 20 Referenden im Rahmen der Bewerbung ein Ja für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Wenn man jede abgegebene Stimme gleichberechtigt zählt und die unterschiedliche Wahlbeteiligung berücksichtigt, haben im Schnitt 60 Prozent der Menschen der Bewerbung zugestimmt. Gepaart mit bundesweiten Umfragewerten von 70 Prozent und starken politischen Beschlüssen in Berlin und Rostock-Warnemünde weiterhin ein klares Zeichen: Die Menschen in Deutschland wollen mehrheitlich die Spiele.

Der DOSB hat stets betont, aus den vergangenen Referenden gelernt zu haben. Das Referendum in Hamburg unterstreicht dies, oder?

Ja, denn es zeigt, dass es die richtige Entscheidung war, den Bewerbern erst die Möglichkeit zu geben, Referenden und andere Beteiligungsformate durchzuführen, bevor der deutsche Sport eine Entscheidung über den deutschen Bewerber, der international ins Rennen geht, trifft. Anders als 2015 steht Deutschland jetzt mit drei starken Bewerbern da. Wir können uns weiter Hoffnung auf die Spiele machen, und das ist es, was die Menschen in Deutschland mehrheitlich wollen.

„Der Stellenwert des Trainerberufs muss deutlich mehr respektiert werden“

DOSB: Lisa, du hast als Berufssoldatin einen sicheren und bestimmt auch aufregenden Beruf. Was hat dich dennoch dazu bewogen, deine Trainerlizenz zu machen?

Lisa Brennauer: Die Jobsicherheit, die mir die Bundeswehr gibt, hat dazu beigetragen, dass ich mich dafür entschieden habe. Mich hat am Leistungssport früher das Schnelllebige, Unplanbare gestört. Als aktive Sportlerin habe ich mir immer vorstellen können, meine Erfahrungen und mein Wissen als Trainerin weiterzugeben. Aber die Unsicherheiten, die damit verbunden sind, haben mich doch eher abgeschreckt. Zu wissen, dass mich die Bundeswehr in meinen Plänen unterstützt und mir eine Sicherheit bietet, sollte es im Trainerjob nicht funktionieren, hat mir den Weg eröffnet, die Zweifel waren weg. Wenn man wie ich mehr als sein halbes Leben im Leistungssport verbracht hat und komplett dafür brennt, dann ist es sehr schwierig, davon loszukommen. Der Sport hat mir so viel gegeben, nun sehe ich es als Teil meiner Rolle als Trainerin, davon etwas zurückzugeben. Das ist mein wichtigster Beweggrund.

Welche Lizenzen hast du wo erworben und wieviel Zeit hat das in Anspruch genommen?

Im Rahmen meiner Ausbildung bei der Bundeswehr konnte ich eine erste Lizenz erwerben, die den Status einer B-Lizenz hat. Meine A-Lizenz habe ich darauf aufbauend bei German Cycling gemacht, in einer Mischung aus Präsenz und digitalen Inhalten. Die A-Lizenz war für mich dann die Grundlage, um mein Studium an der Trainerakademie in Köln aufzunehmen, wo ich gerade im zweiten Jahr mittendrin bin. Das Studium findet in Modulen statt mit einer Präsenzpflicht von vier Tagen im Monat. Im zweiten Jahr kann ich mir die Inhalte noch etwas flexibler zusammenstellen, was als Mutter zweier kleiner Kinder sehr wichtig für mich ist.

Welche Inhalte der Ausbildung waren für dich neu, welche besonders überraschend?

Neu war für mich das Feld der Bewegungslehre, vieles davon kannte ich aus dem Radsport noch nicht, vor allem nicht in der Detailtiefe. Das hat mir an einigen Stellen die Augen geöffnet. Überraschend fand ich das Fach Trainerphilosophie, in dem erfahrene, erfolgreiche Trainer aus ihrer Praxis berichten. Das ist extrem interessant und sehr hilfreich für das Ausbilden einer eigenen Philosophie. Der größte Benefit neben der Wissensvermittlung ist aber der Austausch mit anderen Trainerinnen und Trainern, der die Ausbildung so besonders macht. Gemeinsam mit Menschen aus anderen Sportarten über den Tellerrand zu schauen, sich zu hinterfragen und andere Sichtweisen kennenzulernen, das ist etwas, wovon ich enorm profitiere.

Gab es Dinge, die du vermisst hast?

Es liegt noch so viel Ausbildung vor mir, dass ich das nicht abschließend beurteilen kann. Bislang fehlt mir allerdings nichts, das Studium ist sehr erfüllend.

Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass sich ehemalige Leistungssportler*innen im Trainerberuf engagieren?

Weil wir mitten aus dem Sport kommen und so viele Erfahrungen gesammelt haben, die weitergegeben werden sollten. Wenn ich es auf den Radsport herunterbreche, dann kann ich sagen, dass man über Datenanalyse sehr viel erreichen und vorbereiten kann. Aber die Erfahrung, wie sich ein Straßenrennen wirklich anfühlt und in was für Rennsituationen man geraten kann, und das Verständnis für die Gedanken und Ängste, die Sportlerinnen und Sportler manchmal umtreiben, kann man nicht erlernen. Deshalb ist es aus meiner Sicht extrem wichtig, dass wir uns in diesem Bereich einbringen.

Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Eigenschaften, die eine gute Trainerin haben muss?

Am wichtigsten ist es, ein offenes Ohr für das gesamte Team und die Athletinnen und Athleten zu haben. Ihnen zuzuhören, ihre Ansichten einzubinden und gemeinsam zu Entscheidungen zu kommen, das ist für mich gute Führung. Überhaupt Entscheidungen zu treffen und dazu auch zu stehen, ist ebenfalls wichtig.

Welche dieser Eigenschaften bringt man wegen seines Talents schon mit, wie viele kann man sich antrainieren?

In vielen Bereichen kann man über Training und wissenschaftliche Begleitung sehr viel erreichen. Aber dennoch sind die eigenen Erfahrungen, die man in der aktiven Karriere gemacht hat, unerlässlich. Und natürlich gibt es auch gewisse Talente, die man angesichts seines Charakters für die Trainingsarbeit mitbringen kann. Das Allermeiste allerdings kann man sich antrainieren.

„Es braucht unbedingt den Willen, sich jeden Tag verbessern zu wollen“

Karl, du bist im DEB als Bundestrainer Wissenschaft und Ausbildung seit 2017 auch für die Ausbildung von Trainerinnen und Trainern verantwortlich. Wie kam es, dass du diese Rolle übernommen hast, was hat dich daran besonders gereizt?

Mich hat vor allem die Möglichkeit gereizt, über die größten Multiplikatoren, die im Sport die Trainer sind, eine Sportart mitgestalten zu können. Ich komme selbst nicht aus dem Eishockey, ich habe Sportwissenschaft studiert und war als letzte Station vor meinem Wechsel zum DEB in der österreichischen Fußball-Bundesliga als Athletikcoach tätig. Aber in einer traditionsreichen und in Deutschland beliebten und erfolgreichen Sportart eine solch interessante Position bekleiden zu dürfen, habe ich als sehr spannende Herausforderung angesehen.

Was muss man können, um Trainerausbilder zu werden?

Ich möchte zunächst einmal klarstellen, dass ich als „Fachfremder“ nicht für die sportfachlichen Inhalte zuständig bin. Das übernehmen unsere Bundestrainer und der frühere DEL-Profi Collin Danielsmeier, der als Referent Trainerausbildung hauptamtlich in meinem Team arbeitet. Ich bin dafür verantwortlich, das große Ganze im Blick zu haben und Visionen dafür zu entwickeln, wohin wir mit der Ausbildung unserer Trainerinnen und Trainer wollen. Man kann es so beschreiben: Ich gebe eine Strategie vor und habe dann die Aufgabe, die Menschen zu finden, die diese Strategie bestmöglich umsetzen können. Dazu zählt auch ein Reservoir an externen Referentinnen und Referenten, auf die wir für die verschiedenen Themenfelder der Ausbildung zurückgreifen können. Wir versuchen ständig, das Curriculum zu erweitern und all unseren Mitarbeitenden den bestmöglichen Rahmen zu bieten. Dazu ist es unerlässlich, sich immer wieder zu hinterfragen.

Wie oft bist du noch an der Basis als Trainer tätig und wie bildest du dich selbst weiter?

Ich bin bei allen Großereignissen der männlichen A-Nationalmannschaft und auch bei ausgewählten Spielen der Frauen oder der Juniorenteams dabei, um persönlich zu erleben, wie unsere Strategie umgesetzt wird. Dazu kommt, dass ich regelmäßig Fortbildungen im In- und Ausland besuche, um sicherzustellen, dass ich gerade im Bereich Wissenschaft am Puls der Zeit bleibe. Der Transfer von Wissen ist schließlich eine meiner wichtigsten Aufgaben.

Worin besteht die größte Herausforderung, Menschen darin zu trainieren, andere Menschen trainieren zu können?

Darin, dass man ein Narrativ entwickelt, das unsere Philosophie trägt. Als Trainer muss ich ein Menschenfänger sein, eine Person, die andere erreichen und dauerhaft mitnehmen kann. Kleinen Menschen erzählt man eine Geschichte, damit sie einschlafen. Großen Menschen muss man eine Geschichte erzählen, damit sie wach bleiben. Im DEB haben wir über die vergangenen Jahre ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, das allen Trainerinnen und Trainern vermittelt, dass sie hochgradig relevant für den Gesamterfolg sind, ganz egal, ob sie die A-Nationalmannschaft trainieren, in der Laufschule tätig sind oder die U 9 betreuen. Dieses Gefühl weiterzutragen, ist eine meiner Aufgaben. Am Ende entscheidet es sich darüber, ob wir in der Lage sind, Menschen für unseren Weg zu begeistern.

Welche Rolle spielt die DOSB-Lizenzausbildung für euch im Verband?

Wir bieten im DEB nur Lizenzen für den Leistungssport an, insofern spielt sie eine herausragende Rolle. Diese Lizenzen sind das Eintrittstor, um den Trainerberuf auszuüben. Auch wenn er leider in Deutschland noch immer kein anerkannter Beruf ist, forcieren wir das Hauptamt, weil wir überzeugt davon sind, dass es wichtig ist, so viele Menschen wie möglich hauptberuflich mit den Aufgaben der Ausbildung zu betrauen.

Welche Lizenzen kann man bei euch erwerben, und worin unterscheiden sich die Ausbildungen für den Vereinssport an der Basis und für den Spitzensport?

Da wir nur für den Spitzensport ausbilden, kann ich zur Unterscheidung nichts sagen. Wir haben in Deutschland nur rund 25.000 aktive Spielerinnen und Spieler. Jeder, der anfängt, gilt erst einmal als Talent. Wohin sich dieses Talent entwickelt, ob man am Ende Nationalspieler wird oder eher Fanbetreuer, spielt anfangs keine Rolle. Alle, die anfangen, sollen bestmöglich begleitet werden. Wir bieten dafür zum Einstieg die „Learn to Play“-Lizenz an, die der C-Lizenz entspricht. Darauf aufbauend gibt es die B- und A-Lizenz, die dazu befähigt, im Leistungssport trainieren zu können. Dazu kommen Spezialzertifikate für Torwart- und Techniktraining.

Wie viele Eishockey-Trainer*innen werden pro Jahr ausgebildet, und werden die alle von dir und deinem Team ausgebildet?

B- und A-Lizenzen bietet der DEB exklusiv an. C-Lizenzen können auch in manchen Landesverbänden erworben werden. Im DEB gibt es pro Jahr mindestens drei Lehrgänge für die C-Lizenz mit ungefähr 30 Teilnehmenden. Die Lehrgänge für B- und A-Lizenz bieten wir einmal im Jahr für bis zu 30 Personen an. Dazu kommen regelmäßige Fortbildungsangebote. Die Ausbildung streckt sich über ein Jahr und umfasst Präsenzveranstaltungen und digitale Module. Prüfungen nehmen wir nicht zentral im DEB ab, sondern lassen die Prüflinge vor Ort in ihren Vereinen arbeiten. Wir reden in Deutschland viel von kompetenzorientierter Ausbildung, aber für die Abschlussprüfungen fallen wir oft in ein stumpfes Abfragen des Erlernten zurück. Das wollten wir aufbrechen und den Menschen die Möglichkeit geben, in ihrem alltäglichen Umfeld ihre Kompetenzen nachzuweisen. Das bedeutet, dass sie ihre praktische Prüfung ablegen, indem sie sich bei einer mindestens 60-minütigen Trainingseinheit selbst filmen und diesen Film bei uns einreichen. Ich halte das für wesentlich authentischer als eine künstlich erschaffene Prüfungsatmosphäre.

Was sind das für Personen, die eine Trainerausbildung im Eishockey beginnen? Sind das eher junge Leute, aktive oder ehemalige Spieler*innen oder auch Eltern?

Tatsächlich haben wir von allem etwas dabei. Es kommen junge Menschen von der Uni, die einen Einstieg in den Trainerberuf suchen, aber auch Eltern, deren Kinder mit dem Sport angefangen haben und die sich einbringen wollen. Und in den vergangenen Jahren ist erfreulicherweise die Zahl der Spielerinnen und Spieler gestiegen, die an ihre Karriere anschließend in den Trainerbereich wechseln. Das ist uns im DEB ein wichtiges Anliegen, deren Expertise im Verband zu halten. Im kommenden Jahr werden wir erstmals einen C-Lizenz-Lehrgang für das komplette Frauen-Nationalteam anbieten. Wir haben in den Lehrgängen häufig einen deutlichen Männerüberschuss und wollen ausprobieren, ob es hilfreich ist, Kurse nur für Frauen anzubieten.

Ein Großmeister seines Fachs will das deutsche Boxen zu alter Stärke führen

Auch Genies wählen manchmal einfache Botschaften. „Wenn man gute Ergebnisse liefert, ist man ein guter Trainer“, sagt Humberto Horta Dominguez. Man mag das für eine Binsenweisheit halten, aber vielleicht fällt dem 59-Jährigen eine solche Aussage auch deshalb etwas leichter, weil man ihm im Umkehrschluss selbst dann, wenn die erhofften Resultate ausblieben, nicht unterstellen würde, ein schlechter Übungsleiter zu sein. Schließlich ist das, was der neue Chefbundestrainer im Deutschen Boxsport-Verband (DBV) an Reputation mitbringt, über jeden Zweifel erhaben. In seinem Heimatland Kuba, im olympischen Boxen über Jahrzehnte das anerkannte Powerhouse der Welt, hat er herausragende Kampfkünstler wie Yan Barthelemy, Guillermo Rigondeaux, Odlanier Solis, Robeisy Ramirez oder Roniel Iglesias zu Olympiasiegen gecoacht. Vor zehn Jahren wagte er den Schritt nach Europa, führte die russische Boxstaffel zu den Sommerspielen in Rio de Janeiro, wechselte 2019 nach Aserbaidschan und war für die Spiele 2021 in Tokio und 2024 in Paris für Frankreichs Auswahl verantwortlich.

Erfolg hatte Humberto Horta Dominguez überall, was zumindest die Frage beantwortet, warum der DBV Interesse an seiner Verpflichtung hatte. Aber was ihn dazu bewogen hat, eine einst große Boxnation zu übernehmen, die seit nunmehr 25 Jahren – von wenigen bronzenen Ausnahmen wie Vitali Tajbert, Artem Harutyunyan oder Nelvie Tiafack abgesehen – dem olympischen Ruhm von einst hinterherschlägt, das muss man den Neuen schon direkt fragen. Und aus der Antwort, die er gibt, lässt sich heraushören, dass da nun jemand für den DBV in der Ringecke steht, der nicht viele Worte braucht, um so treffend wie ehrlich verbal zu parieren. „Genau diese Aufbauarbeit macht den Reiz aus. Dort, wo ich bislang gearbeitet habe, war es einfach, weil der Erfolg schon da war. Ich habe mich bewusst für den DBV entschieden, um hier etwas Neues entstehen zu lassen“, sagt er.

Er sagt es auf Spanisch, Diagnostiktrainer Frank-Josef Fischer, der als Aktiver lange auf Kuba trainierte, übersetzt nicht nur im Gespräch mit dem DOSB, sondern auch im Training, wenn es notwendig ist. Ist es aber kaum, sagt Farid Vatanparast. „Wenn die Sportlerinnen und Sportler dreimal am Tag die gleichen Kommandos hören, wissen sie schnell, was gemeint ist. Die Sprache spielt da kaum eine Rolle“, sagt der DBV-Präsident mit iranischen Wurzeln aus Münster, der bei Hortas Einstellung zum 1. Februar dieses Jahres die treibende Kraft war. Auch der Coach selbst ist überzeugt davon, dass die Sprache des Sports universell ist. Er erklärt das anhand eines anschaulichen Beispiels. „Bei den Olympischen Spielen in Paris waren bei den Männern Usbekistan und bei den Frauen China die erfolgreichsten Nationen. Beide Staffeln wurden von kubanischen Trainern geführt, die die Landessprache nicht beherrschten“, sagt er im Brustton einer Überzeugung, die keinerlei Widerspruch zu dulden scheint.

Horta setzt auf ein starkes Kollektiv

Diese Klarheit sei es, die ihn davon überzeugt habe, „diesem Mann zu einhundert Prozent zu vertrauen“, sagt Farid Vatanparast, dem jedoch wichtig ist zu betonen, dass der Neue keinesfalls nur mit seiner natürlichen Autorität zu gefallen wisse. „Humberto ist verdammt hart, aber noch herzlicher. Er ist sehr verständnisvoll und betrachtet jedes einzelne Mitglied des Teams individuell. Für jeden hat er einen eigenen Plan und beherrscht es, sein klares Konzept an jedes Individuum anzupassen.“ Das Team, sagt Humberto Horta, müsse immer im Mittelpunkt stehen, das sei die vielleicht wichtigste Säule seiner Philosophie. „Wir brauchen Zusammenhalt. Wenn man kein gutes Kollektiv bildet, kann man in der Arbeit nicht vorankommen.“ Dazu gehöre selbstverständlich Disziplin, die er in Deutschland seinen Erwartungen entsprechend vorfinde. „Die klare Ansage ist, dass jeder 15 Minuten vor Trainingsbeginn zu erscheinen hat, und ich hatte bislang noch keinen einzigen Anlass, eine Disziplinarstrafe auszusprechen“, sagt er.

Was er seinem Verband mit der Personalie Horta zumutet, ist Farid Vatanparast bewusst. Auch weil Hortas Vorgänger, der 2017 verpflichtete Ire Eddie Bolger, nicht immer ein glückliches Händchen damit hatte, seine Außensicht in den DBV hineinzutragen, war das Murren darüber, ob in Deutschland nicht ausreichend gute Trainer verfügbar seien und wirklich wieder ein Ausländer verpflichtet werden müsse, deutlich vernehmbar. Zumal der Kubaner nicht weniger als einen vollständigen Mentalitätswechsel und eine komplett neue Philosophie im deutschen olympischen Boxen implementieren möchte. „In Europa wird in Training und Wettkampf sehr statisch geboxt. Das möchte ich aufbrechen“, sagt er.