Doppel-Bronze für Burghauser Ringer beim Grand Prix von Deutschland

Stark gekämpft: Idris Ibaev holte in Dortmund die Bronzemedaille

Der Grand Prix von Deutschland in Dortmund zählt traditionell zu den renommiertesten internationalen Turnieren im griechisch-römischen Stil. Die diesjährige Veranstaltung hinterließ jedoch einen zwiegespaltenen Eindruck. Zwar bekamen die Zuschauer zahlreiche hochklassige Duelle zu sehen, gleichzeitig offenbarte das Turnier eine Entwicklung, die dem Deutschen Ringer-Bund zu denken geben muss: die äußerst geringen Teilnehmerzahlen in vielen Gewichtsklassen. Teilweise gingen lediglich drei bis fünf Athleten an den Start, wodurch der sportliche Wert einzelner Wettbewerbe zwangsläufig litt. Insgesamt wurden für das Turnier nur rund 70 Athleten aus 14 Nationen gemeldet.

Gerade für ein Turnier, das den Anspruch erhebt, eine internationale Standortbestimmung auf dem Weg zu Weltmeisterschaften und anderen Großereignissen zu sein, sind derartig niedrige Meldezahlen überaus kritisch zu bewerten. Während die schwereren und mittleren Gewichtsklassen noch akzeptabel besetzt waren, erreichten mehrere Klassen kaum Turnierstärke. Besonders die leichten Kategorien bis 55kg, 60kg, 63kg und 67kg waren mit drei bis sechs Startern nur schwach besetzt. Dass der Grand Prix dennoch sportliche Qualität aufwies, lag vor allem an einzelnen Nationen wie Kasachstan, die mit großen und leistungsstarken Delegationen anreisten. Ohne diese Teams wäre das Teilnehmerfeld noch deutlich dünner ausgefallen. Aktuell scheinen selbst die einst kleineren Turniere, wie beispielsweise der Grand Prix von Spanien mit 110 Startern oder der Grand Prix von Frankreich mit rund 90 Teilnehmern für viele teilnehmenden Nationen eine größere Attraktivität aufzuweisen als das Turnier in Dortmund. Für die Zukunft stellt sich die Frage, wie der Grand Prix seine internationale Attraktivität steigern kann, um wieder an frühere Zeiten anzuknüpfen, als Dortmund zu den am stärksten besetzten Turnieren Europas zählte. Auch im Sinne des Ringsports in Deutschland wäre es überaus wichtig, dass der Grand Prix von Deutschland nicht irgendwann zum „Kleinen Preis von Nordrhein-Westfalen“ verkommt. Gerade der Deutsche Ringer-Bund als Veranstalter steht nun in der Verantwortung, die Ursachen für die rückläufigen Meldezahlen kritisch zu analysieren und den traditionsreichen Grand Prix wieder zu einem echten Weltklasse-Turnier mit deutlich größerer sportlicher Breite zu entwickeln.

Aus Sicht des SV Wacker Burghausen stand vor allem Idris Ibaev im Fokus. Der deutsche Nationalringer trat in der stark besetzten Gewichtsklasse bis 77kg an, die mit elf Startern qualitativ wie quantitativ zu den am besten besetzten Klassen des Turniers gehörte. Wie schon bei seinen letzten internationalen Auftritten hatte das Burghauser Aushängeschild kein Glück bei der Auslosung. Wie schon im Juli bei der Ranking Series in Ungarn traf Ibaev auch in Dortmund gleich im Eröffnungskampf auf den bärenstarken Ungarn Levente Levai, gegen den er schon in Budapest klar unterlegen war. Auch dieses Mal tat sich Ibaev gegen den Top-Favoriten auf den Turniersieg in Dortmund schwer. Wenngleich er sich besser auf den körperlich starken Ungarn einstellen konnte, unterlag er dieses Mal erneut – bei seiner 2:6 Punktniederlage bot er allerdings eine klar verbesserte Leistung und konnte das Kampfgeschehen lange offen gestalten. Levai punktete seinerseits im Bodenkampf, dem Burghauser gelang bei einem seiner gefürchteten Ausheber hingegen nur eine Ein-Punkt-Wertung. Da Levai der Finaleinzug gelang, erhielt Ibaev in der Hoffnungsrunde nochmals die Chance auf die Bronzemedaille – und diese nutzte er sehenswert. Gegen den Deutschen Radu Placinta setzte sich der Burghauser klar mit 5:2 nach Punkten durch, sodass er im kleinen Finale auf den Serben Alexandar Ilic traf, der zuletzt beim Grand Prix von Spanien mit einer Silbermedaille für Aufsehen sorgte. Doch gegen Idris Ibaev, der von der ersten Sekunde an voll konzentriert zu Werke ging, gab es für den Serben dieses Mal nichts zu holen: mit einem glatten 9:0 Sieg setzte sich Idris Ibaev, bei dem er sowohl im Stand-als auch Bodenkampf punkten konnte, souverän durch und sicherte sich so den verdienten Bronzerang.

Ebenfalls aus Burghauser Sicht interessant war der Auftritt des Kasachen Amangali Bekbolatov, der ursprünglich für den Grand Prix von Deutschland gar nicht gemeldet war, kurzfristig aber von der kasachischen Nationalmannschaft nachgemeldet wurde. Der Burghauser Neuzugang traf im ersten Turnierkampf auf die Deutsche Nummer Eins, Abdolmohammad Papi – ein Duell, zu dem es auch in der Bundesliga kommen könnte. Wenngleich Bekbolatov mit einer 1:0 Führung in die Pause ging, konnte Papi in der zweiten Runde im Bodenkampf alles klar machen und sich mit 9:1 durchsetzen. Besser lief es anschließend im Duell mit Jamal Valizadeh, der bei den Olympischen Spielen von Paris als Mitglied des Olympischen Flüchtlingsteams antreten durfte. Mit einem unangefochtenen 11:2-Erfolg setzte sich Bekbolatov klar gegen seinen Kontrahenten durch. Auch im dritten Turnierkampf zeigte der kleine Kasache, warum die Burghauser Verantwortlichen ihn für die anstehende Bundesligasaison verpflichtet haben. Denn gegen den jungen, international erfahrenen Dänen Brian Santiago zeigte Bekbolatov seinen besten Turnierkampf. Im Gefecht mit dem nahezu gleichstarken Fünftplatzierten der letztjährigen U23-Europameisterschaften setzte sich Bekbolatov knapp mit 5:3 nach Punkten durch. Im letzten Kampf gegen seinen Landsmann Aibek Aitbekov, dem amtierenden U23-Asienmeister, konnte der Neu-Burghauser angeschlagen nicht mehr antreten, sodass er im Gesamtklassement den dritten Platz belegte. Der ursprünglich für die 97kg-Klasse gemeldete Schwede Alex Kessidis musste seine Teilnahme hingegen kurzfristig absagen - Auslöser hierfür war ein Magen-Darm-Virus, der einen Start in Dortmund unmöglich machte.

Von den Startern der deutschen Nationalmannschaft gibt es zudem positive Ergebnisse zu vermelden: In der Klasse bis 60kg belegte Abdolmohammad Papi den zweiten Rang, Samuel Bellscheid tat es Idris Ibaev gleich und belegte ebenfalls in der 77kg-Klasse den Bronzerang. Für eine weitere Bronzemedaille zeigte sich Lucas Lazogianis im Limit bis 97kg verantwortlich. Im Schwergewicht sorgten zudem Patrick Neumaier und Franz Richter sogar für zwei Medaillen: Während Neumaier den einzigen Turniersieg eines deutschen Ringers feiern konnte, belegte Richter den starken dritten Platz.

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