Vom Pech verfolgt: Idris Ibaev hadert mit Kampfrichter-Entscheidungen beim Władysław-Pytlasiński-Turnier

Auch in Warschau war Idris Ibaev nicht vom Glück verfolgt...

- 28.08.2026, 17:00
- Von: Roman Hölzl
Vom 26. bis 30. August fanden in der polnischen Hauptstadt Warschau drei prestigeträchtige Turniere statt: Im griechisch-römischen Stil wurde die 69. Auflage des renommierten Władysław Pytlasiński-Turniers ausgetragen, im freien Stil das 35. Wacław Ziółkowski Memorial sowie die Jubiläums-Veranstaltung der Poland Open für die Ringerinnen, die sich heuer zum 30. Mal jährte. Mit am Start: nahezu die gesamte Deutsche Nationalmannschaft, darunter auch Burghausens Aushängeschild Idris Ibaev, für den das Turnier frustrierend endete.
Für Idris Ibaev, der erneut in seiner angestammten Gewichtsklasse bis 77kg antrat, ergab die Auslosung der Gegner auch dieses Mal ein echtes Hammerprogramm. Die Qualifikationsrunde verlief in Warschau unspektakulär: Gegen den Schweden Adam Strandner, der zuletzt im Juli beim Grand Prix von Spanien einen beeindruckenden Turniersieg in der 82kg-Klasse feiern konnte, zeigte Idris Ibaev eine souveräne und abgeklärte Leistung. Nach einem Ausheber aus der Bodenlage ging der Wackerianer mit 2:0 in Führung und wenngleich sein Gegner in der zweiten Runde noch auf 2:1 verkürzen konnte, war der Sieg Ibaevs zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Doch dann kam es knüppeldick: denn anschließend wartete mit dem Armenier Malkhas Amoyan der Europameister der vergangenen vier Jahre und amtierender Weltmeister auf Ibaev. Nach einem Herumreißer ging Amoyan mit 2:0 in Führung. Nach einem missglückten Ausheber des Armeniers gelang Ibaev ein bombastischer Konter, der vom Kampfgericht mit vier Punkten bewertet wurde. Anschließend wurde es wild. Anstatt der 4:2 Führung des Burghausers erschien zuerst eine 6:0 Führung des Armeniers, die wenig später auf die eigentlich korrekte 4:2 Führung korrigiert wurde. Wenig später stand es 4:4, ein Ergebnis, das alleine vom Kampfverlauf her unmöglich war, sodass am Ende die Trainer beider Athleten den Videobeweis forderten. Was anschließend passierte, dürften nicht einmal die vollkommen überforderten Kampfrichter selbst verstehen, denn die folgenden Entscheidungen widersprachen dem internationalen Regelwerk in nahezu allen Punkten. So wurde das falsche 4:4 wieder auf ein 6:0 zu Gunsten des Armeniers gestellt – eine Entscheidung, die absolut an den Haaren herbeigezogen war, da Ibaev klar seinen Gegner in die gefährliche Lage befördern konnte. Anschließend musste der Burghauser zudem wieder in die Bodenlage. Auch diese Entscheidung war kategorisch falsch – der Kampf wurde im Standkampf unterbrochen, eine Verwarnung auf Grund eines unerlaubten Griffs oder Beinarbeit lag ebenfalls nicht vor – es lag somit kein Grund vor, Ibaev nochmals zu bestrafen. Und so kam es, wie es kommen musste: nach einem weiteren Ausheber gelangen Amoyan vier weitere Punkte, die zum technischen Überlegenheitssieg des Armeniers führten. Im dritten Turnierkampf kam es zum direkten Aufeinandertreffen der beiden besten deutschen Ringer der 77kg-Klasse. In der Neuauflage des Finals der Deutschen Meisterschaften traf Idris Ibaev auf Samuel Bellscheidt. Da sich die beiden Trainingspartner in und auswendig kennen, entwickelte sich der zu erwartende ausgeglichene Kampfverlauf. Nachdem Ibaev in der ersten Runde die Aktivität zugesprochen wurde, ging er mit 1:0 in Front, sein Gegner musste zuerst in die Bodenlage. Und auch in diesem Kampf sah sich der Burghauser nicht nur mit seinem Gegner auf der Matte konfrontiert: nach einem Ausheber, bei dem er seinen Gegner zwar aus dem Mattenring befördern, jedoch ihn nicht in die gefährliche Lage drehen konnte, blieb die 1-Punkt-Wertung, die ihm hierfür zugestanden wäre, aus, sodass es mit einer knappen 1:0 Führung für den Burghauser in die Pause ging. In der zweiten Runde musste Ibaev seinerseits in den Boden, hier gelang seinem Gegner nicht nur 1:1 Ausgleich, sondern nach einem erfolgreichen Durchdreher die 1:3 Führung, die am Ende auch zum Sieg von Samuel Bellscheidt reichen sollte. Damit beendete Idris Ibaev das mit 27 Teilnehmern stark besetzte Turnier auf dem 19. Platz.
Besser als zuletzt lief es für die weiteren Teilnehmer der Deutschen Nationalmannschaft. So sicherte sich am ersten Turniertag der Schwergewichtler Franz Richter nach beeindruckenden Leistungen gegen eine harte internationale Konkurrenz den hochverdienten Turniersieg. Anton Vieweg verpasste in der Klasse bis 97kg mit dem fünften Platz hingegen die Medaillenränge nur knapp. Patrick Neumaier, der als Deutscher Meister ebenfalls im Schwergewicht antrat, belegte ebenfalls den fünften Rang. Auch am zweiten Tag des renommierten Władysław-Pytlasiński-Turnier gab es beim deutschen Team Grund zum Feiern: Abdolmohammad Papi belegte nach starken Kämpfen den hoch einzuschätzenden zweiten Platz. Im Finale musste er sich einzig dem amtierenden Vize-Europameister Suren Aghajanyan aus Armenien geschlagen geben.













