Hohe Hürde: Burghausen fordert den ungeschlagenen Spitzenreiter SV Germania Weingarten

Artur Tatarinov zeigte gegen Aue eine starke Leistung - nun wartet mit Weingarten jedoch ein anderes Kaliber auf die Burghauser Ringer

- 01.10.2026, 16:30
- Von: Roman Hölzl
Für den SV Wacker Burghausen steht am Samstag die wohl anspruchsvollste Auswärtsaufgabe der bisherigen Saison auf dem Programm: Die Salzachstädter sind beim ungeschlagenen Tabellenführer SVG Weingarten zu Gast und treffen dabei ausgerechnet auf den Gegner, gegen den man in der vergangenen Saison im Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft stand. Klar ist, dass die Favoritenrolle in diesem Jahr definitiv bei den Gastgebern liegt, die in den ersten Kampftagen ihre Ansprüche auf den diesjährigen Meistertitel mit bärenstarken Auftritten eindrucksvoll untermauern konnten.
Dass die Gastgeber auch 2026 wieder zu den absoluten Titelanwärtern gehören, unterstrichen sie zuletzt mit Nachdruck: Beim ASV Mainz feierte Weingarten einen klaren 21:6-Erfolg und gewann dabei sieben der zehn Einzelkämpfe. Doch auch der SV Wacker reist mit reichlich Selbstvertrauen in den Kraichgau: Gegen den FC Erzgebirge Aue gelang am vergangenen Wochenende ein dominanter 20:1-Heimsieg, bei dem die Burghauser nahezu in allen Gewichtsklassen überzeugten. Der Blick auf die Aufstellungen des vergangenen Kampftags zeigt bereits, wo die großen Schlüsselduelle liegen könnten. Klar ist, dass die Hürde fürs Burghauser Team am kommenden Wochenende höher kaum sein könnte,
In der 61-kg-Freistilklasse dürfte es zum Aufeinandertreffen von Aliabbas Rzazade und Horst Lehr kommen. Beide gewannen ihre Kämpfe zuletzt vorzeitig mit technischer Überlegenheit. Lehr zählt seit Jahren zu den stärksten deutschen Freistilringern überhaupt, doch auch Rzazade präsentierte sich gegen Aue in bestechender Form. Hier wartet gleich zu Beginn ein absoluter Härtetest. Im anschließenden 130-kg-Greco-Kampf dürfte Alexander Kreimer auf den zweifachen Olympia-Teilnehmer Eduard Popp treffen. Während Kreimer zuletzt einen knappen Punktsieg einfuhr, dominierte Popp seinen Mainzer Gegner deutlich. Im vergangenen Jahr konnte Kreimer seinem Gegner lange erfolgreich Paroli bieten und unterlag am Ende nur mit 0:9 nach Punkten. In der 66-kg-Klasse griechisch-römisch dürfte Burghausens Amangali Bekbolatov nach seinem technisch überlegenen 16:0-Erfolg gegen Mark Wagner nun auf einen echten Weltklasseathleten treffen. Mit dem Armenier Karen Aslanyan verpflichtete Weingarten einen unglaublich starken und konstanten Ringer, der in den vergangenen Jahren auf den Gewinn je einer Bronzemedaille bei Welt- und Europameisterschaften sowie im Jahr 2025 auf den Vize-Europameistertitel zurückblicken kann. Bei seinen drei Einsätzen in der Bundesliga ist der Weingartner noch ungeschlagen und kann somit auch gegen Bekbolatov als Favorit angesehen werden. In der 98-kg-Freistilklasse spricht vieles für ein Duell zwischen Eduard Tatarinov und Arsen Balaian. Der Russe in Diensten der Hausherren gewann im Jahr 2025 souverän sowohl den Welt- als auch Europameistertitel der U23 und gilt als überaus technisch versierter Ringer. Da Burghausens amtierender Vize-Europameister Batyrbek Tsakulov zuletzt auf Grund seiner Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften fehlte, kann davon ausgegangen werden, dass dieses Duell auf Weltklasseniveau nicht zustande kommen dürfte. Die 71-kg-Freistilklasse verspricht ebenfalls Spannung. Burghausens Magomed Kartojev holte zuletzt einen souveränen Punktsieg gegen Aues Moldawier Pavel Graur, Weingarten setzte in Mainz hingegen auf Nico Megerle, der gegen André Clarke unterlag. In dem Duell zweier deutscher Spitzenringer könnten wichtige Mannschaftspunkte in Richtung Burghausen gehen.
Nach der Pause wartet im Limit bis 86 kg griechisch-römisch das Duell zweier aktuell formstarker Athleten: Idris Ibaev gewann gegen den polnischen Olympia-Fünften Arkadiusz Kulynycz knapp, aber am Ende hoch verdient. Auf Weingartener Seite steht mit Florian Neumaier ein Ringer bereit, der zuletzt sogar den türkischen Spitzenringer Burhan Akbudak bezwingen konnte – eine Leistung, die nicht viele Ringer in der Bundesliga bisher erbringen konnten. In der Gewichtsklasse bis 75 kg im griechisch-römischen Stil könnte Burghausens Neuzugang Artur Tatarinov wahrscheinlich auf Shant Khachatryan treffen. Nach seinem klaren 15:1-Erfolg gegen Marco Stoll ginge Tatarinov jedenfalls mit kräftigem Rückenwind in diese Aufgabe, wenngleich sein designierter armenischer Gegner international bereits für einige Erfolge sorgen konnte. Vor allem im Junioren- und U23-Bereich feierte Khachatryan mehrmals Medaillengewinne bei Welt- und Europameisterschaften. Klare Vorteile dürfte Weingarten hingegen in der Freistilklasse bis 80kg haben, da Burghausens Akhsarbek Gulaev nicht zur Verfügung stehen wird. Mit dem Kasachen Yegor Anchugin verfügt Weingarten über ein junges international aufstrebendes Talent - seinen bisher größten Erfolg feierte Anchugin im Rahmen der Asien-Meisterschaften 2024, bei denen er die Bronzemedaille erkämpfen konnte. Welchen Ringer die Burghauser in dieses Gefecht schicken werden, ist bis dato noch offen. Nicht viel besser sieht es aus Burghauser Sicht in der Klasse bis 75 kg Freistil aus – nachdem sich David Baev zuletzt trotz gesundheitlicher Probleme in den Dienst der Mannschaft stellte und prompt gegen den starken Japaner Ryoya Yamashita überraschend seine erste Niederlage im Wacker-Dress hinnehmen musste, deutet im Moment vieles darauf hin, dass Baev nun eine Pause benötigt, um sich wieder vollkommen auszukurieren. Auf Weingartner Seite gilt Marcel Wagin als gesetzt – sollte Baev tatsächlich ausfallen, darf man gespannt sein, welchen Ringer die Burghauser in dieser Klasse aus dem Hut zaubern werden. Spannend könnte es nochmals in der abschließenden 80kg Klasse im griechisch-römischen Stil werden. Zuletzt feierte Burghausens Eigengewächs Sultan Muhametov einen Sensationssieg gegen Aues amtierenden Deutschen Meister der 72 kg-Klasse Witas Behrendt. Nun wartet mit Samuel Bellscheidt gleich der nächste nationale Titelträger auf den jungen Wackerianer. Klar ist, dass Bellscheidt auf Grund seiner starken Physis definitiv ein gänzlich anderes Niveau auf die Matte mitbringt. Sollte Muhametov auch gegen diesen starken Gegner bestehen können, wäre selbst eine knappe Niederlage als Erfolg zu werten. Burghausens etablierter 80 kg-Mann Baschir Kartojev laboriert aktuell noch an einer Verletzung am Bein – in den kommenden Wochen dürfte mit seiner Rückkehr aber wieder zu rechnen sein.














