Furioser Bundesliga-Auftakt: Burghausen gastiert am ersten Kampftag in Schorndorf

Magomed Kartojev und das Burghauser Team werden zum Saisonauftakt in Schorndorf alle Kräfte mobilisieren müssen.

- 01.09.2026, 21:30
- Von: Roman Hölzl
Mit dem Duell zwischen dem amtierenden Deutschen Mannschaftsmeister SV Wacker Burghausen und dem ASV Schorndorf, die seit Jahren zu den größten Konkurrenten um die Deutsche Meisterschaft zählen. Nun wartet gleich zum Auftakt der neu strukturierten Ringer-Bundesliga ein echter Kracher auf die Fans. Beide Vereine gehören seit Jahren zur nationalen Spitze und beide Teams haben ihre Kader tiefgehend angepasst: Während Burghausen nach der vergangenen Meisterschaft einen personellen Umbruch bewältigen musste, setzt Schorndorf auf die Weiterentwicklung eines ohnehin hochkarätig besetzten Kaders. Die Begegnung verspricht deshalb zahlreiche hochklassige Einzelduelle auf internationalem Niveau.
Die Verantwortlichen des SV Wacker Burghausen haben nach dem Gewinn des sechsten Meistertitels mehrere prominente Abgänge, darunter die langjährigen Leistungsträger Erik Thiele, Roland Schwarz, Christopher Kraemer und Fabian Schmitt, verkraften müssen. Man darf also gespannt sein, ob die Neuverpflichtungen in Verbindung mit den angedachten Personalrochaden die entstandenen Lücken adäquat füllen können. Denn die Gastgeber vom ASV Schorndorf konnten ihren beeindruckenden Kader nochmals sowohl in der Breite als auch in der Spitze verstärken.
Im Limit bis 61 kg Freistil könnte Burghausens Neuzugang Aliabbas Rzazade sein Bundesliga-Debüt feiern und auf einen der Aloiev-Brüder oder den bärenstarken Aserbaidschaner Nuraddin Novruzov treffen. Beide Teams verfügen im Eröffnungskampf über enorme Qualität, ein technisch geprägter Kampf von internationalem Format scheint vorprogrammiert. Im Greco-Schwergewicht könnte Burghausens Nachwuchskonzept erstmals auf höchster Ebene sichtbar werden. Die Wacker-Verantwortlichen haben angekündigt, künftig verstärkt auf eigene Talente in den schweren Gewichtsklassen zu setzen, sodass mit dem Einsatz von Alexander Kreimer fest gerechnet werden kann. Er wird es unausweichlich mit dem deutschen Olympioniken Jello Krahmer zu tun bekomme, der bei den Gastgebern fix gesetzt ist. Im Vorjahr konnte Kreimer einen Überlegenheitssieg seines klar favorisierten Gegners nicht vermeiden. Anschließend könnte im Limit bis 66kg im griechisch-römischen Stil beim SVW ein weiterer Neuzugang seinen ersten Kampf im Wacker-Dress feiern: der Kasache Amangali Bekbolatov, der eigentlich im 61kg-Limit beheimatet ist, könnte eine Klasse aufrücken und in einem interessanten Duell mit dem deutschen Nachwuchstalent Kevin Karl die Klingen kreuzen. Alternativ stünde auf Burghauser Seite mit Alexander Komarovskiy ebenfalls ein junges Talent zur Verfügung. Im Freistilkampf des Halbschwergewichts dürfte beim ASV der deutsche Spitzenringer Ertugrul Agca ebenfalls gesetzt sein. Im vergangenen Jahr rückte auf Burghauser Seite Eduard Tatarinov eine Klasse auf und unterlag seinerzeit knapp mit 0:2 – mit dem Vizeeuropameister Batyrbek Tsakulov könnte Burghausens Cheftrainer Eugen Ponomartschuk aber auch noch einen Ringer von Weltformat ins Rennen schicken, der das Kräfteverhältnis klar zu Gunsten Burghausens drehen würde. Im letzten Kampf vor der Pause ist beim SVW Magomed Kartojev in der Freistilklasse bis 71kg nicht aus dem Team wegzudenken, der in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Entwicklung vollzog. Bei den Gastgebern könnte ihr Neuzugang Burak Emin Salviz, ein junger deutscher Nationalkaderathlet, zum Einsatz kommen. Mit dem Kirgisen Ernazar Akmataliev verpflichtete Schorndorf aber heuer zudem noch einen Ringer, der mit herausragenden Referenzen aufwarten kann, darunter WM-Silber 2021, WM-Bronze 2022 und 2025 sowie den U23-Weltmeistertitel des Jahres 2021.
Nach der Pause dürfte es nicht weniger spannend weitergehen. Während in der letzten Saison beim SVW Roland Schwarz noch in der Klasse bis 86kg im griechisch-römischen Stil auflief, wird heuer Idris Ibaev diese Position einnehmen. Als Gegner dürfte sich mit Deni Nakaev ein guter Bekannter aus der deutschen Nationalmannschaft anbahnen. Man darf gespannt sein, ob Ibaev seine Gewichtsnachteile in diesem Kampf ausgleichen kann. Im vergangenen Jahr sah sich Witalis Lazovski mit dem übermächtigen französischen Weltmeister Ibrahim Ghanem konfrontiert, heuer dürfte diese Ehre an Artur Tatarinov übergehen, der im Burghauser Team für deutlich mehr Flexibilität sorgen wird. Bis 80 kg Freistil könnten Burghausens Neuzugang Akhsarbek Gulaev auf Murad Kuramagomedov aufeinandertreffen. Beide Athleten verfügen über internationale Erfahrung und könnten einen der kampfentscheidenden Vergleiche liefern, wenngleich der Ungar in Diensten des ASV Schorndorf die Favoritenrolle in diesem Vergleich einnehmen würde. Im vorletzten Kampf des Abends, der Klasse bis 75kg im freien Stil, verfügt Burghausen mit David Baev und Chermen Valiev über zwei absolute Weltklasseringer, wenngleich für den Albaner Chermen Valiev ein Einsatz nach seinem Kreuzbandriss noch zu früh kommen dürfte. Somit könnte David Baev auf den Kirgisen Ernazar Akmataliev treffen, der bei Schorndorf aber auch als möglicher Kandidat für die 71kg-Klasse gilt. Zu guter Letzt dürfte der Burghauser Shootingstar der letzten Saison, Baschir Kartojev, einen der schwersten Gegner bundesligaweit vorgesetzt bekommen, den türkischen Ausnahmeringer Ahmet Yilmaz. Dieser kann in der Gewichtsklasse bis 80kg im griechisch-römischen Stil gegen nahezu jeden Gegner als favorisiert angesehen werden kann.
Die Begegnung verspricht einen Kampf auf Augenhöhe, sollten beide Teams in Bestbesetzung antreten. In den vergangenen Jahren unterlag Burghausen hingegen zweimal deutlich in Schorndorf. Unter Betrachtung aller Faktoren geht Burghausen in Folge des personellen Aderlasses als Außenseiter in diesen Vergleich. Schorndorf besitzt anders als der SVW, der in Folge der wirtschaftlichen Probleme seine Kaderplanungen entsprechend anpassen musste, über einen außergewöhnlich tief besetzten Kader.
„Wir wissen, dass mit dem ASV Schorndorf eine Mannschaft auf uns wartet, die über viel Qualität verfügt und in den vergangenen Jahren sehr stabile Leistungen gezeigt hat. Wir wissen genau, dass alle unsere Ringer einen sehr guten Tag benötigen werden, um dort bestehen zu können. Gleichzeitig ist es kein Geheimnis, dass wir aktuell noch mit einigen personellen Fragezeichen zu kämpfen haben, die es bis zum Kampftag für uns zu lösen gilt. Aber unabhängig davon genießen wir die Herausforderung und werden alles investieren, um möglichst gut in die Saison zu starten.“, gibt Burghausens Cheftrainer Eugen Ponomartschuk einen Ausblick auf den ersten Auswärtskampf der neuen Saison.


















