Adler im Anflug auf die Salzach - Burghausen erwartet die „Eagles“ aus Lichtenfels

Mit der Rückkehr von David Baev ins Burghauser Team dürften die Siegchancen gegen Lichtenfels erheblich steigen.

- 08.10.2026, 11:00
- Von: Roman Hölzl
Nach dem intensiven Auswärtskampf beim ungeschlagenen Spitzenreiter SVG Weingarten kehrt der SV Wacker Burghausen am kommenden Kampftag wieder in die heimische Sportparkhalle zurück. Zu Gast sind die oberfränkischen „Eagles“ des AC Lichtenfels, die seit Jahren zu den etablierten Kräften der ersten und ehemaligen zweiten Bundesliga zählen. Doch während bei den Gästen vieles kalkulierbar scheint, herrscht im Burghauser Lager diesmal ein Hauch von Geheimniskrämerei rund um die Aufstellung in diesem richtungsweisenden Gefecht.
Beim vergangenen Kampftag fehlten mit David Baev, Akhsarbek Gulaev und Amangali Bekbolatov gleich drei Athleten, die normalerweise zu den absoluten Leistungsträgern im Burghauser Team gehören. Entsprechend groß ist nun die Spannung, mit welchem Aufgebot die Salzachstädter gegen die Oberfranken antreten werden. Trainer und Verantwortliche lassen sich bislang nicht in die Karten blicken, gaben jedoch zu Protokoll, dass ein Sieg gegen Lichtenfels oberste Priorität habe. Die Frage, ob alle drei Spitzenringer wieder zur Verfügung stehen, dürfte nicht nur die eigenen Fans, sondern auch die Verantwortlichen des AC Lichtenfels beschäftigen. Denn insbesondere der zuletzt erkrankte David Baev und Akhsarbek Gulaev zählen in ihren Gewichtsklassen zu den Garanten für wichtige Mannschaftspunkte, während zuletzt auch Amangali Bekbolatov merklich besser auf Touren kam.
Der AC Lichtenfels verfügt traditionell über eine Mannschaft, die in nahezu jeder Gewichtsklasse gefährlich werden kann. Die Oberfranken leben dabei nicht nur von einzelnen Stars, sondern von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit. Gerade in den Mittelgewichten konnten die Eagles zuletzt immer wieder wichtige Einzelduelle für sich entscheiden. Burghausen wird daher in keinem Kampf etwas geschenkt bekommen. Insbesondere dort, wo die Gäste ihre international erfahrenen Ringer aufbieten, sind enge und taktisch geprägte Begegnungen zu erwarten. Oft entscheiden in solchen Duellen bereits wenige Wertungen über Sieg oder Niederlage.
Der Kampfabend beginnt traditionell in der 61-kg-Freistilklasse. Hier könnte es zu einem absoluten Spitzenduell zwischen Aliabbas Rzazade und dem international sehr erfahrenen Kirgisen Almaz Smanbekov kommen. Beide dominierten ihre Gegner am vergangenen Wochenende und sicherten sich die Maximalpunktzahl. Direkt anschließend folgt mit 130 kg griechisch-römisch die erste Schwergewichtspartie. Burghausen dürfte erneut auf Alexander Kreimer setzen, der in Weingarten einen wichtigen Sieg gegen Peter Öhler erringen konnte. Mit Giorgi Melia verfügen die Gäste allerdings über einen Schwergewichtler, der zuletzt ebenfalls vorzeitig gewann. Auf Grund seiner internationalen Erfahrung dürfte der Georgier in Diensten der Franken als favorisiert einzustufen sein. Besonders gespannt darf man auf die 66 kg griechisch-römisch blicken. In Weingarten musste Burghausen auf Bekbolatov verzichten und Nachwuchsringer Dmytro Vertai einspringen lassen. Sollte Amangali Bekbolatov wieder zur Verfügung stehen, könnte es zu einem hochklassigen Duell mit dem ausgefuchsten deutschen Spitzenringer Ilir Sefaj kommen, der seinen Gegner am vergangenen Wochenende bereits nach wenigen Sekunden auf die Schultern zwingen konnte.
In der 98-kg-Freistilklasse spricht vieles für einen Kampf zwischen Eduard Tatarinov und dem starken Türken Ibrahim Ciftci. Beide gewannen ihre letzten Kämpfe souverän. Tatarinov überzeugte in Weingarten mit einem taktisch klugen Auftritt, man darf am Samstag also gespannt sein, wie sich der Burghauser Leistungsträger gegen den favorisierten EM-Dritten des Jahres 2024 schlagen wird. In der 71 kg Freistilklasse könnte es dagegen stark davon abhängen, wer tatsächlich auf die Matte geschickt wird. In Weingarten musste Burghausen mit Eric Dietrich improvisieren, während Lichtenfels mit Ahmet Duman den Vizeweltmeister des Jahres 2024 aufstellte. Selbst wenn Magomed Kartojev auf die Matte zurückkehren sollte – gegen den technisch herausragenden Türken dürfte es auch für ihn schwer werden, Zählbares aufs Burghauser Punktekonto zu bringen.
Große Aufmerksamkeit dürfte auch dem Kampf in der 86-kg-Klasse griechisch-römisch gelten. Idris Ibaev lieferte in Weingarten einen engen Kampf gegen Florian Neumaier ab. Mit Anthony Sanders wartet nun ein Gegner auf den Wackerianer, gegen den ein hoher Sieg möglich sein könnte, wenngleich der Lichtenfelser zuletzt im Heimkampf gegen den ASV Hüttigweiler ebenfalls die Matte siegreich verlassen konnte. In 75 kg im griechisch-römisch dürfte man auf Burghauser Seite wohl Artur Tatarinov favorisieren, der zuletzt ebenfalls passen musste. Auf Lichtenfelser Seite überzeugte zuletzt Erik Wagner mit einem souveränen Punktsieg. Sollte es zu diesem Duell kommen, wäre Burghausens Deutscher Meister des Vorjahrs klar in der Favoritenrolle. Ähnliches gilt für die Freistilklasse bis 80 kg, denn die mögliche Rückkehr von Akhsarbek Gulaev würde im Hinblick aufs Gesamtergebnis enorme Bedeutung besitzen. Der Lichtenfelser Daniel Sartakov gewann zuletzt zwar seinen Kampf, gegen einen Gulaev in Bestform dürfte ihn jedoch eine deutlich schwierigere Aufgabe erwarten. In der Gewichtsklasse bis 75kg Freistil könnte die Rückkehr von David Baev zum entscheidenden Faktor werden. Gegen Weingarten musste Leo Kühl einspringen und unterlag Marcel Wagin. Sollte Baev wieder an Bord sein, würde sich die Ausgangslage schlagartig verändern. Bei den Gästen dürfte der erfahrene Moldawier Vadim Sacultan gesetzt sein. Die Verantwortlichen der Eagles dürften deshalb besonders aufmerksam verfolgen, wer letztlich zur Waage erscheint. Zum Abschluss des Kampfabends könnte möglicherweise erneut Eigengewächs Sultan Muhametow auflaufen, der nach zwei Siegen in Folge auf eine kleine Erfolgswelle reitet. Zuletzt zeigte das Burghauser Eigengewächs in Weingarten eine bombastische Leistung und krönte seinen Auftritt mit einem Schultersieg gegen Louis Lay. Nun könnte er im griechisch-römischen Stil auf Raphael Titze treffen, der auf dem Papier als schlagbarer Gegner für den jungen Burghauser Ringer gilt.
Die Voraussetzungen für einen spannenden Bundesligaabend könnten kaum besser sein. Mit dem AC Lichtenfels kommt ein traditionsreicher Gegner an die Salzach, gegen den es in der Vergangenheit immer wieder hochklassige und emotionale Duelle gab. Und vielleicht liegt genau in der aktuell offenen Personalsituation ein kleiner Vorteil für den SV Wacker Burghausen. Während die „Eagles“, die aktuell den starken sechsten Tabellenplatz einnehmen und damit vor dem Burghauser Team rangieren, vermutlich verschiedene Szenarien durchspielen müssen, weiß derzeit wohl nur ein kleiner Kreis im Burghauser Lager, welche Asse tatsächlich in der Hinterhand gehalten werden. Kampfbeginn ist wie gewohnt um 19:20 Uhr, die Vorkämpfe bestreiten ab 16:15 Uhr einerseits die Burghauser Nachwuchsringer im Lokalderby gegen den SC Anger, um 17:30 Uhr folgt das wegweisende Duell der Tabellennachbarn in der Oberliga zwischen der Burghauser „Zwoaten“ und dem TV Unterdürrbach.














