Nur ein Schritt fehlt: Alex Kessidis verpasst Edelmetall bei der WM denkbar knapp

Am Ende fehlte für Alex Kessidis zur angestrebten WM-Medaille nicht viel.

- 28.10.2026, 07:00
- Von: Roman Hölzl
Am Ende fehlte nur ein Sieg zur erhofften Medaille: Alex Bjurberg Kessidis hat bei den Weltmeisterschaften im kasachischen Astana eine starke Leistung gezeigt und den fünften Platz in der Gewichtsklasse bis 97 kg im griechisch-römischen Stil belegt. Der Schwede, der in der Bundesliga für den SV Wacker Burghausen auf die Matte geht, kämpfte sich mit zwei vorzeitigen Siegen bis ins Viertelfinale. Dort musste er sich dem späteren Vizeweltmeister Artur Sargsyan geschlagen geben. Im Kampf um Bronze wartete mit dem iranischen Olympiasieger Mohammad Hadi Saravi schließlich einer der stärksten Ringer der Welt.
Als einziger Greco-Ringer aus dem Burghauser Bundesligakader ging Alex Kessidis in der mit 28 Ringern beeindruckend stark besetzten 97-kg-Klasse an den Start. In der ersten Runde traf der 31-Jährige auf Fadi Rouabah aus Algerien: Von Beginn an bestimmte der Schwede den Kampf, setzte seinen Gegner konsequent unter Druck und ließ keinerlei Zweifel an seinen Ambitionen aufkommen. Nach zwei sehenswerten Würfen beendete der Schwede den Kampf nach nur rund eineinhalb Minuten Kampfdauer beim Stand von 8:0 auf Grund technischer Überlegenheit vorzeitig. Damit gelang ihm ein optimaler Auftakt in die Weltmeisterschaft. Auch im Achtelfinale präsentierte sich der Wacker-Ringer in hervorragender Verfassung. Gegen den Chinesen Wang Zegang kontrollierte Kessidis erneut das Geschehen von der ersten Minute an. Der Chinese hatte zuvor den Esten Richard Karelson mit 11:1 bezwungen, fand gegen die stabile Defensive und die konsequente Kampfweise des Schweden jedoch kein Mittel. Kessidis blieb geduldig, nutzte seine Chancen und setzte sich auch in diesem Duell vorzeitig mit 8:0 durch – seine Wertungen sicherte sich Kessidis dieses Mal per Armzug und dank eines Überwurfs aus der Kopfklammer. Mit einer makellosen Bilanz zog der Burghauser Bundesligaringer ins Halbfinale ein.
Im Kampf um den Einzug ins Finale wartete mit Artur Sargsian im Viertelfinale ein international erfahrener und körperlich enorm starker Gegner. Der russische Athlet hatte sich zuvor gegen den Türken Ibrahim Tığcı durchgesetzt und galt von vornherein als einer der Top-Favoriten auf den Turniersieg: Kessidis fand gegen die kompakte Kampfweise Sargsyans dieses Mal nicht die richtigen Lösungen. Nachdem der Schwede in seinen ersten beiden Begegnungen selbst das Tempo und die Richtung der Kämpfe vorgegeben hatte, wurde er in der ersten Runde zunehmend in die Defensive gedrängt. Sargsian nutzte seine Möglichkeiten konsequent und ging früh nach einem Take Down und einem Durchdreher 4:0 in Führung. Trotz vollem Einsatz wollte Kessidis im weiteren Kampfverlauf keine Wertung mehr gelingen, sodass für den Schweden der Traum vom zweiten WM-Finale seiner Karriere damit beendet war. Die Chance auf eine Bronzemedaille blieb ihm jedoch über die Hoffnungsrunde erhalten. Sargsian zog im weiteren Turnierverlauf ins Finale ein und gewann dort die Silbermedaille. Weltmeister wurde Kiryl Maskevich aus Belarus, der das Finale mit 7:1 für sich entschied.
In der Hoffnungsrunde ließ Kessidis anschließend dem Türken Ibrahim Tığcı keine Chance: mit einem brachialen Wurf über die Brust beförderte Kessidis seinen Widersacher zuerst sehenswert zu Boden, dank eines Durchdrehers baute er seine Führung auf 6:0 aus. Dieses Ergebnis verwaltete Kessidis souverän bis zum Ende, sodass er in den Kampf um Bronze einzog. Im kleinen Finale stand Kessidis vor der größtmöglichen Herausforderung: Sein Gegner war Mohammad Hadi Saravi aus dem Iran, der amtierende Olympiasieger und Titelverteidiger dieser Gewichtsklasse. Saravi hatte auf seinem Weg ins Halbfinale Hayk Khloyan aus Armenien mit 8:0 sowie den deutschen Vertreter Anton Vieweg mit 5:0 besiegt. Erst im Halbfinale war der Iraner mit 1:5 am Russen Sargsyan gescheitert.
Kessidis stellte sich der Aufgabe mit großem Kampfgeist und hielt die Begegnung lange offen. Anders als in seinen ersten beiden Kämpfen bekam er gegen den körperlich starken und taktisch äußerst abgeklärten Saravi jedoch nur wenige Möglichkeiten, selbst zu punkten. Der Iraner agierte kontrolliert, ging mit einer knappen 1:0-Führung in die Halbzeit und ließ auch im zweiten Kampfabschnitt kaum Angriffsansätze des Schweden zu. Nach einem Take Down in der zweiten Runde baute er seinen Vorsprung auf 3:0 aus, den er sich am Ende auch nicht mehr nehmen ließ. Damit ging die Bronzemedaille an den Olympiasieger, während Kessidis die Weltmeisterschaft auf dem fünften Platz beendete.
Auch wenn es am Ende nicht zur erhofften Medaille reichte, darf Kessidis mit seinem Auftritt in Astana zufrieden sein. Der 31-Jährige gehörte in der Vergangenheit bereits über mehrere Gewichtsklassen hinweg zur internationalen Spitze. Seinen bislang größten Erfolg feierte er 2019, als er bei den Weltmeisterschaften in Nur-Sultan die Silbermedaille bis 77 kg gewann. Darüber hinaus holte er 2019 Bronze bei den Europaspielen und 2020 Bronze bei den Europameisterschaften. Bei den Weltmeisterschaften 2022 in Belgrad gewann er außerdem Bronze in der Gewichtsklasse bis 87 kg. Dass er auch in dieser deutlich schwereren Gewichtsklasse bis 97 kg mit der absoluten Weltspitze mithalten kann, bewies er in Astana eindrucksvoll.
Die deutsche Mannschaft wartet bei den Weltmeisterschaften in Astana nach den ersten Wettkampftagen noch auf ihre erste Medaille. Für das bislang beste Ergebnis sorgte Abdolmohammad Papi, der in der Klasse bis 60 kg das kleine Finale erreichte, dort jedoch unterlag und einen starken fünften Platz belegte. Anton Vieweg kämpfte sich im 97-kg-Limit bis ins Viertelfinale und erreichte ebenfalls eine Top-Acht-Platzierung. Samuel Bellscheidt, Franz Richter und Christopher Kraemer schieden dagegen vorzeitig aus.














