Fünf Burghauser Bundesligaringer greifen bei der Weltmeisterschaft in Astana an

- 23.10.2026, 07:00
- Von: Roman Hölzl
Vom 24. Oktober bis 1. November 2026 richtet sich der Blick der internationalen Ringerwelt nach Astana. In der kasachischen Hauptstadt werden über neun Wettkampftage hinweg die Weltmeistertitel im Männer-Freistil, im griechisch-römischen Stil sowie im Frauenringen vergeben. Austragungsort ist die moderne Barys Arena. Für den SV Wacker Burghausen besitzt die Weltmeisterschaft eine besondere Bedeutung: Gleich fünf Athleten aus dem Burghauser Bundesligakader stehen in den aktuellen Meldelisten.
Mit Gulomjon Abdullaev, Iszmail Muszukajev, Akhsarbek Gulaev und Batyrbek Tsakulov gehen vier Burghauser im freien Stil auf die Matte, Alex Kessidis vertritt als einziger Burghauser Greco-Ringer sein Heimatland Schweden. Ursprünglich sollte die Weltmeisterschaft 2026 in Manama im Königreich Bahrain stattfinden. Aufgrund der geopolitischen Situation und der damit verbundenen Unsicherheiten für internationale Reisen entschied der Weltverband United World Wrestling im Mai, die Veranstaltung zu verlegen. Nach entsprechenden Besichtigungen und Prüfungen fiel die Wahl auf Astana. Die kasachische Hauptstadt hatte bereits 2019 eine Weltmeisterschaft ausgerichtet und verfügt damit über die notwendige Erfahrung und Infrastruktur.
Den Auftakt der Titelkämpfe bilden die Wettbewerbe im griechisch-römischen Stil. Damit wird Alex Kessidis voraussichtlich als erster der fünf Burghauser Bundesligaringer ins WM-Geschehen eingreifen. Die endgültigen Kampfansetzungen stehen erst nach den jeweiligen Auslosungen fest. Mit dem Ungarn Alex Szoke, dem Russen Artur Sargsian, dem Iraner Mohammadhadi Saravi, dem Bulgaren Kiril Milov und vielen anderen Weltklasse-Athleten stellte die 97 kg-Klasse im griechisch-römischen Stil eine der qualitativ am besten besetzten Gewichtsklassen überhaupt dar.
In der Gewichtsklasse bis 61 Kilogramm vertritt Gulomjon Abdullaev sein Heimatland Usbekistan und rückt damit eine Gewichtsklasse nach oben auf. Der 27-Jährige gehört zu den international erfahrensten Athleten im Feld. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gewann er in der olympischen Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm die Bronzemedaille. Ein Jahr später erkämpfte er sich auch bei der Weltmeisterschaft 2025 in Zagreb Bronze. Dort bezwang er im Kampf um Platz drei den ehemaligen Burghauser Vladimir Egorov mit 3:1 Punkten. Als Top-Favorit auf das diesjährige WM-Gold gelten der Russe Zavur Uguev sowie der Iraner Ahmad Mohammadnezhadjavan, aber auch der ehemalige Wackerianer Arsen Harutyunyan dürfte als vierfacher Europameister nicht chancenlos sein, wenn es um die Vergabe der Medaillen geht.
In der Klasse bis 70 Kilogramm startet Iszmail Muszukajev für Ungarn. Der 33-Jährige zählte in den vergangenen Jahren zu den herausragenden europäischen Freistilringern, wenngleich der Edeltechniker auch immer wieder mit konditionellen Problemen zu kämpfen hatte. Muszukajev verfügt über außergewöhnliche Explosivität und kann Kämpfe mit einzelnen Aktionen innerhalb weniger Sekunden entscheiden. Seine unorthodoxe Kampfweise macht ihn schwer auszurechnen. Eie entscheidende Frage beim sympathischen Ungarn dürfte einzig und allein seine körperliche Verfassung sein – sollte er sich heuer in Top-Verfassung präsentieren, gehört Muszukajev dank seiner Erfahrung und seiner technischen Möglichkeiten definitiv zu den Athleten, die jederzeit bis in die Medaillenkämpfe vorstoßen können.
Für die Slowakei startet Akhsarbek Gulaev, der international wird er in der Freistilklasse bis 79 Kilogramm antritt. Gulaev weiß bereits, wie sich eine WM-Medaille anfühlt. Bei den Weltmeisterschaften der nichtolympischen Gewichtsklassen 2024 gewann er Bronze bis 79 Kilogramm. Im kleinen Finale besiegte er Suldkhuu Olonbayar mit 2:1. Ein Jahr später folgte eine weitere Bronzemedaille bei der Europameisterschaft 2025. Auch in der laufenden Bundesligasaison präsentierte sich der 29-Jährige bereits in guter Verfassung. Aus seinen bisherigen fünf Einsätzen für den SV Wacker Burghausen resultierten vier souveräne Siege. International verlief die Saison 2026 allerdings bislang wechselhaft. Bei der Europameisterschaft erreichte Gulaev nach einem Auftaktsieg das Viertelfinale, unterlag dort jedoch dem Aserbaidschaner Dzhabrail Gadzhiev. Als besonders starke Gegner im Limit bis 79 kg gelten unter anderem der US-Amerikaner Levi Haines, der Russe Ismail Khaniev und eben der aserbaidschanische Weltranglisten-Erste Dzhabrail Gadzhiev. Gulaev dürfte vor allem von seiner taktischen Disziplin und seiner starken Defensive profitieren. In engen Kämpfen kann er auch gegen höher eingeschätzte Gegner bestehen. Für einen erneuten Sprung aufs WM-Podium benötigt er allerdings eine konzentrierte Vorstellung vom ersten Kampf an.
Zu den aussichtsreichsten Burghauser Startern auf Edelmetall zählt Batyrbek Tsakulov. Der 28-Jährige vertritt ebenfalls die Slowakei und tritt im freien Stil bis 97 Kilogramm an. In der UWW-Weltrangliste wird er aktuell auf Platz elf geführt. Seine Leistungsfähigkeit stellte Tsakulov insbesondere bei der Europameisterschaft 2026 unter Beweis. Dort erreichte er das Finale und gewann die Silbermedaille. In der 97-Kilogramm-Klasse warten in Astana einige der größten Namen des internationalen Freistilringens, darunter nicht weniger als vier Olympiasieger: Der amerikanische Weltranglistenerste Kyle Snyder, der russische Ausnahmeringer Abdulashid Sadulaev, der Iraner Hassan Yazdani sowie der für Bahrain startende Akhmed Tazhudinov. Hinzu kommen zahlreiche starke Athleten aus dem Georgien, Aserbaidschan und Kasachstan, die ebenfalls bei kontinentalen oder Weltmeisterschaften Medaillen gewinnen können. Aufgrund seiner Leistungen bei der Europameisterschaft muss Tsakulov jedoch niemanden fürchten. Gelingt es ihm, seine körperliche Stärke mit kontrollierten Angriffen zu verbinden, besitzt er realistische Chancen auf einen Platz unter den besten fünf und damit möglicherweise auch auf eine Medaille.
Noch sind die endgültigen Auslosungen und damit die konkreten Auftaktgegner nicht bekannt. Auch kurzfristige Veränderungen der Teilnehmerfelder sind möglich, da die Meldelisten laut dem Weltverband UWW bis 72 Stunden vor der jeweiligen Auslosung angepasst werden können. Klar ist jedoch bereits jetzt: Die Weltmeisterschaft in Astana wird aus Burghauser Sicht besonders spannend. An nahezu jedem Wettkampftag könnte ein Athlet aus dem Wacker-Kader auf der Matte stehen und um den Einzug in die nächste Runde oder sogar um eine Medaille kämpfen.















