Ernüchterung im Breisgau: Burghausen kassiert gegen Freiburg zweite Saisonniederlage

Batyrbek Tsakulov sicherte sich in Freiburg einen technischen Überlegenheitssieg

Das hatten sich die Burghauser Verantwortlichen gänzlich anders vorgestellt: Denn im Rahmen des 3. Kampftags kassierten die Ringer des SV Wacker Burghausen eine herbe und absolut nicht eingeplante 11:17-Auswärtsniederlage bei der RKG Freiburg 2000. Trotz drei hohen Siegen reichte es für die Salzachstädter diesmal nicht zu etwas Zählbarem, da das Team der RKG Freiburg 2000 das Fehlen einiger Wacker-Ringer gekonnt zu ihrem Vorteil zu nutzen wusste.

Schon länger stand fest, dass Idris Ibaev an diesem Samstag seinem Team fehlen würde – er wurde für ein ganz besonderes Event freigestellt. Ibaev wurde von AIGA, der All International Grappling Association, zu einer der überaus populären und prestigeträchtigen Veranstaltungen nach Istanbul eingeladen. Dort kreuzte er mit dem türkischen Spitzenringer Burhan Akbudak die Klingen. Die echten Probleme in der Burghauser Aufstellung entstanden jedoch durch das verletzungsbedingte Fehlen von Magomed und Baschir Kartojev, wodurch Burghausens Cheftrainer Eugen Ponomartschuk gezwungen war, so gut wie die gesamte Achse der deutschen Ringer umzubauen.

Der Mannschaftskampf in Freiburg begann für Burghausen mit einer kuriosen Eröffnung: in der Klasse bis 61 kg Freistil wurden keine Wertungen vergeben, da Freiburgs Alexandru Chirtoaca versehentlich mit Schuhen und folglich mit Übergewicht über die Waage ging und Burghausen gar keinen Sportler aufbieten konnte. Im anschließenden Greco-Schwergewichtskampf hofften die Wackerianer im Duell zwischen Alexander Kreimer gegen Nikita Ovsjanikov auf einen Sieg, nachdem sich das Burghauser Eigengewächs im Vorjahr knapp nach Punkten durchsetzen konnte. Dieses Mal setzte hingegen der Freiburger die entscheidenden Akzente und gewann mit 4:0 nach Punkten. Und auch in der 66-kg-Klasse folgte aus Burghauser Sicht keine Verbesserung der Situation: wie schon in der Vorwoche enttäuschte Burghausens Neuzugang Amangali Bekbolatov auf ganzer Linie und unterlag gegen Freiburgs Corneliu Rusu überraschend deutlich mit 10:0, wodurch sich Freiburg drei weitere Mannschaftspunkte sichern konnte. Für den ersten Lichtblick an diesem Abend sorgte Batyrbek Tsakulov in der Freistil-Begegnung bis 98 kg: Gegen Ayman Nissr spielte der Vize-Europameister seine technischen Stärken gekonnt aus. Am Ende erzielte der Wacker-Athlet nach schönen Take Downs, Durchdrehern und Beinschrauben einen technisch überlegenen 18:2-Erfolg und sammelte damit vier Mannschaftspunkte für sein Team. Einer der entscheidenden Rückschläge mussten die Burghauser in der Gewichtsklasse bis 71 kg hinnehmen: Freistil-Spezialist Dario Fischietti ließ dem eigentlichen Greco-Nachwuchsringer Alexander Komarovskiy, der für Magomed Kartojev eingesprungen war, keine Chance und gewann nach fünf Minuten durch technische Überlegenheit mit 16:0, was weitere vier Punkte für die Gastgeber bedeutete. Somit ging es mit 9:4 in die Halbzeit und schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass im zweiten Kampfabschnitt nichts mehr schiefgehen dürfte, um Zählbares mit an die Salzach zu bringen.

In der 86-kg-Klasse nahm Benedikt Rothe den Platz von Idris Ibaev ein. Der amtierende Deutsche Meister musste sich mit dem bisher ungeschlagenen französischen Weltklasseringer Johnny Bur duellieren. Gleich zu Beginn überraschte Rothe seinen Gegner mit einem Armzug, wodurch er mit 0:4 in Führung ging. Nach einer Serie an Durchdrehern stellte der Freiburger zur Halbzeit jedoch den Punktestand auf 13:4. In der zweiten Runde verteidigte Rothe beherzt und gab nur noch drei weitere Punkte ab, sodass er bei seiner 4:16 Niederlage nicht die Maximalpunktzahl abgeben musste. Bei seinem Saisondebüt überzeugte Rothe mit einer beeindruckenden kämpferischen Leistung. Ebenfalls zu seinem ersten Saisoneinsatz kam Witalis Lazovski, der mit dem Moldawier Valentin Petic einen Gegner auf Augenhöhe vorgesetzt bekam. Nachdem er zweimal in Folge die Bodenlage einnehmen musste – eine harte Entscheidung der ansonsten gut pfeifenden Kampfrichterin Martina Gebel – konnte er einmal einen Durchdreher seines Gegners nicht verhindern, sodass er eine knappe 0:4-Punktniederlage nicht abwenden konnte. Die Aufholjagd startete anschließend Akhsarbek Gulaev, der seiner Favoritenrolle im Limit bis 80 kg gerecht wurde. Gegen Kevin Henkel kontrollierte der Burghauser Freistiler das Geschehen über die gesamte Kampfzeit und fuhr mit einem 9:0-Punktsieg drei wichtige Mannschaftszähler ein. Auch David Baev ließ gegen Dennis Aleksandryuk nichts anbrennen: Baev dominierte den Kampf von Beginn an, sammelte nach Take Downs und Durchdrehern Wertungspunkt um Wertungspunkt und gewann bereits nach 2:20 Minuten technisch überlegen mit 16:0. Die erkämpften vier Mannschaftspunkte hielten die Gästestaffel damit bis zum entscheidenden letzten Vergleich im Rennen. Beim Stand von 14:11 standen sich Artur Tatarinov und Mihai Petic gegenüber. Tatarinov rückte eine Gewichtsklasse auf und nahm den vakanten Platz von Baschir Kartojev ein. Wenngleich man auf Burghauser Seite mit einem Sieg des Wacker-Neuzugangs rechnete, waren die Chancen auf drei oder vier Mannschaftspunkte realistisch betrachtet gering, hierfür verfügt Freiburgs Moldawier über eine zu hohe internationale Klasse. Trotzdem ging Tatarinov offensiv zu Werke und ging volles Risiko – dies sollte ihm zum Verhängnis werden. Schon in der ersten Runde fing der Freiburger einen missglückten Angriff des Burghausers ab, nach einem weiteren Durchdreher in der Bodenlage baute Petic seinen Vorsprung sogar noch auf 7:0 zur Pause aus. Am Ende unterlag Tatarinov mit 9:0 nach Punkten. Das Burghauser Team verlor somit im Breisgau deutlich mit 17:11 und kassierte eine empfindliche Niederlage im Kampf um die Play-Off Plätze. Für die Burghauser gilt es nun, am kommenden Samstag beim Heimkampf gegen Erzgebirge Aue die wenigen positiven Ansätze mitzunehmen und schnell wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.

 

Weitere News