Benedikt Rothe im Interview

Starke Entwicklung: Benedikt Rothe hat sich kontinuierlich gesteigert und mit dem Gewinn des Deutschen Meistertitels den nächsten großen Schritt gemacht.

- 03.11.2026, 21:00
- Von: Martina Kastner
Als 5-jähriger kam er dank dem Kontakt zum ehemaligen Burghauser Ringer Jakob Rottenaicher und dessen Vater zum Ringen; mit 21 Jahren feierte er seinen ersten Titel im Deutschen Senioren Bereich: nun gab Benedikt Rothe Einblick in sein Leben - auf und neben der Matte.
Bene, du bist dieses Jahr Deutscher Meister im Seniorenbereich geworden. Was bedeutet dir dieser Titel heute und welcher Moment rund um den Erfolg ist dir am meisten in Erinnerung geblieben?
Der Titelgewinn hat für mich die höchste Bedeutung, weil es bisher das höchste ist, was ich erreicht habe und weil es der Moment war, bei dem ich am meisten gemerkt habe in meiner Karriere, dass sich das ganze Training auszahlt. Mir ist vor allem der Moment nach dem Halbfinale in Erinnerung geblieben, wo ich gewusst habe: jetzt geht es ins Finale; jetzt muss ich Gold holen!
Wenn du für den SV Wacker auf der Matte stehst, kämpfst du nicht nur für dich sondern auch für die Mannschaft. Spürst du dadurch eher einen zusätzlichen Druck oder gibt dir das einen Motivationsschub?
Es gibt mir zu hundert Prozent einen Motivationsschub – vor allem, wenn ich mit Leuten in der Liga ringe, mit denen ich die ganze Zeit auch im Training auf der Matte stehe, zum Beispiel Albert, Alex, Abdul und Sultan – dann macht es einfach viel mehr Spaß. Man ist die ganze Zeit mit dem Herzen dabei, wenn die anderen ringen und man freut sich mit ihnen mit.
Was macht den SV Wacker als Mannschaft so besonders?
In Burghausen geben wir bei jedem Training Vollgas. Matthias und Eugen stehen bei jeder Aktion daneben und kontrollieren oder verbessern einen – dadurch verbessert man sich total und baut auch mit seinen Teamkameraden eine viel bessere Bindung auf. Nicht nur beim Mattentraining, auch beim Zirkel- oder Krafttraining.
Nicht jeder Kampf läuft nach Plan. Wie gehst du persönlich mit einer Niederlage um und wie schnell gelingt es dir den Fokus auf den nächsten Gegner zu setzen?
Früher hatte ich mehr Probleme damit, mit Niederlagen umzugehen. Da habe ich mir oft mehrere Tage einen Kopf gemacht. Auch jetzt ärgert man sich an dem Tag selbst noch sehr darüber, aber ich konzentriere mich dann erstmal auf die anderen, die nach mir noch Ringen. An einem anderen Tag schaue ich mir den Kampf dann nochmal an und Matthias ist auch sehr hinterher, dass wir nochmal durchsprechen, was ich verbessern kann. Das gibt einen auch eine Sicherheit, dass man weiß, dass es sich jemand ganz genau anschaut und dann das Training für mich entsprechend gestaltet. Matthias erkennt auch genau woran es gelegen hat. Aus den Fehlern versuche ich natürlich dann zu lernen und achte darauf, dass es nicht nochmal passiert.
Gibt es einen Kampf in deiner Karriere, bei dem du selbst nicht mehr unbedingt an den Sieg geglaubt hast und den du am Ende dann doch noch drehen konntest?
Ja, viele Kämpfe habe ich am Ende dann wegen meiner Ausdauer doch noch gedreht. Im Endeffekt habe ich immer gewusst, dass meine Ausdauer meine Stärke ist und nicht meine Physis und deswegen hab ich immer gewusst, dass ich am Ende den Kampf noch drehen kann. Mir fällt aber kein spezielles Beispiel ein.
Was reizt dich sportlich noch besonders? Gibt es einen Titel oder ein anders Ziel, das du verfolgst?
Mein großes Ziel ist es natürlich international Medaillen zu holen, sei es bei Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften. Für mich persönlich ist es auch das Ziel, in jedem Kampf besser zu werden.
Angenommen, du könntest in einem Kampf nochmal gegen einen Gegner deiner Wahl antreten. Welcher wäre das?
Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, das wäre der Gegner, gegen den ich im Finale um die Deutsche Meisterschaft dieses Jahr gerungen habe. Gegen ihn würde ich auf jeden Fall nochmal gerne antreten. Einfach, weil es in dem Moment der beste mit mir in diesem Moment war und ich dann bewiesen habe, wer der bessere von uns beiden ist und ich das gerne nochmal zeigen würde.
Hinter dem Erfolg im Ringen steckt auch viel Training, Verzicht und Disziplin. Was unterschätzen Außenstehende am Ringsport deiner Meinung nach?
Das Opfer, das man auch mit sozialen Kontakten eingehen muss. Wenn die Saison läuft, muss man ab Donnerstag oft schon auf sein Gewicht achten und geht nicht mehr mit Freunden weg. Am Samstag ist der ganze Tag verplant und am Sonntag möchte man eher entspannen. Man ist zeitlich sehr eingespannt, vor allem, wenn man morgens und abends trainieren möchte.
Wer dich als Ringer kennt, kennt nur eine Seite von dir. Wie würdest du dich abseits der Matte beschreiben?
Die Leidenschaft im Sport, nicht nur im Ringen, macht mich schon aus. Durch mein Sportstudium habe ich auch viele andere Sportarten kennengelernt, die ich früher vielleicht nie ausprobiert hätte. Das macht mir viel Spaß – ich bin sehr offen für alles, was mit Sport zu tun hat und ich verbringe auch gerne Zeit mit Freunden, z.B. bei einem entspannten Spieleabend. Das ist auch ein guter Ausgleich für mich.
Letzte Frage, welchen Rat würdest du jungen Nachwuchsringerinnen oder -ringern geben?
Einfach immer dran bleiben. Jeder hat mal Phasen, wo es nicht so gut läuft, aber man sollte immer konsequent dran bleiben und sich selbst oder die Trainer fragen, woran es gelegen hat. Es kann zum Beispiel sein, dass es an der Ausdauer liegt und man immer einbricht und dann so die Punkte abgibt oder dass man am Anfang zu hektisch ist und dann zu viele Punkte abgibt. Das war bei mir anfangs auch das Problem. Man ist noch in der Entwicklung, deshalb ist es wirklich wichtig dran zu bleiben und nicht aufzugeben.













