Rückkehr in die Lirkhalle endet mit Niederlage gegen Hösbach

- 15.12.2025, 07:56
- Von: Roman Hölzl
Nach knapp 30 Jahren Abstinenz kehrten die Wacker-Ringer am vergangenen Samstag in die altehrwürdige Lirkhalle zurück und empfingen dort den KSC Hösbach. Nach dem spektakulären Heimauftritt gegen den ASV Schorndorf hatte man sich im Lager des SV Wacker zumindest Außenseiterchancen ausgerechnet. Doch spätestens beim offiziellen Wiegen wurde deutlich, dass die Vikings aus Hösbach, die sich noch mitten im Kampf um die Playoff-Teilnahme befinden, mit ihrer bestmöglichen Staffel angereist waren – jener Mannschaft, die nur eine Woche zuvor dem souveränen Tabellenführer aus Kleinostheim die erste Saisonniederlage zufügen konnte. Am Ende stand eine 11:21-Niederlage auf der Anzeigetafel, und bei nüchterner Analyse muss man festhalten, dass mit den aktuellen wirtschaftlichen Vorgaben der SV Wacker Burghausen nicht im Konzert der Großen mitspielen kann.
Bevor es auf der Matte mit den Kämpfen losging, stand jedoch ein besonders emotionaler Moment auf dem Programm. Abteilungsleiter Jürgen Löblein ließ es sich nicht nehmen, einen Sportler zu verabschieden, der über acht Jahre lang das Wacker-Trikot getragen hat und inzwischen für den heutigen Gegner, den KSC Hösbach, aufläuft. Michael Widmayer, zweifellos einer der größten Kämpfer, die jemals im Dress des SV Wacker Burghausen auf der Matte standen, wurde für seine außergewöhnlichen Verdienste noch einmal gebührend geehrt. Fünfmal Deutscher Mannschaftsmeister mit dem SV Wacker Burghausen, 5. Platz Weltmeisterschaft 2019 sowie 5. Platz Europameisterschaft 2021 – eine Bilanz, die für sich spricht. Ein Athlet, der im wahrsten Sinne des Wortes sein letztes Hemd für den Verein gegeben hat, wurde unter tosendem Applaus der Zuschauer verabschiedet und erhielt die Anerkennung, die er sich über Jahre hinweg mit Kampfgeist, Leidenschaft und bedingungslosem Einsatz für den SV Wacker verdient hat.
Dann ging es auf der Matte los und im 61kg Greco-Limit hatte es Fabian Schmitt mit Abdolmohammad Papi zu tun. Das Energiebündel des SV Wacker ging gewohnt agil in den Kampf und konnte aufgrund seiner aktiven Ringweise mit einer 1:0 Führung in die Pause gehen. Im zweiten Abschnitt übernahm dann jedoch der Hösbacher Athlet das Zepter, konnte dann im Bodenkampf seine ganze Klasse ausspielen und wurde nach mehreren Durchdrehern technisch überlegener Punktsieger. Im Freistilschwergewicht rückte Erik Thiele wieder zurück in die Mannschaft und hatte mit dem ungarischen Topmann Vladislav Baitsaev eine schwierige Aufgabe vor der Brust. Nach enger erster Kampfhälfte punktete Baitsaev zu Beginn des zweiten Abschnitts mit einem Beinangriff und anschließendem Durchdreher. Thiele versuchte mit allen Mitteln noch einmal das Blatt zu wenden, doch am Ende verwaltete Baitsaev seinen Vorsprung routiniert und brachte Hösbach damit mit 6:0 in Führung. Anschließend kam es im 66kg Freistilduell zum Kampf zwischen Jamshed Panjshiri und dem mehrfachen deutschen Meister Niklas Dorn. Der Wackerianer ging gewohnt engagiert zu Werke, jedoch war der Hösbacher an diesem Tag eine Nummer zu groß und wurde technisch überlegener Punktsieger. Beim Zwischenstand von 0:10 sollte Wackers Felix Baldauf für die ersten Wackerpunkte sorgen. Gegen Anton Vieweg war der Wackerianer über fünf Minuten der aktivere, dominierende Mann im Standkampf und führte mit 2:0 nach Punkten. In der letzten Minute stellte Vieweg mit einem Ausheber den Kampfverlauf auf den Kopf und sicherte seinem Team beim 4:2 Punktsieg einen weiteren Mannschaftspunkt. Im letzten Kampf vor der Pause kam es dann in der Gewichtsklasse bis 71kg im griechisch-römischen Stil zum Duell zwischen Witalis Lazovski und Gevorg Sahakyan. Im Vorrundenkampf konnte sich der Hösbacher Athlet noch klar durchsetzen, doch diesmal war Lazovski am Anfang der dominierende Mann und ging mit einer 1: 0 Führung in die Pause. In der zweiten Hälfte gelang dem Hösbacher jedoch sein gefürchteter verkehrter Ausheber und Lazovski musste auf die Schultern. Somit war beim Zwischenstand von 15:0 für Hösbach schon zur Pause die Messe gelesen.
Den zweiten Durchgang eröffnete Eduard Tatarinov, der mit einer absoluten Spitzenleistung dann den ersten Wackersieg des Abends einfuhr. Gegen Ahmed Dudarov ging Tatarinov als leichter Außenseiter in den Kampf und lag zur Pause mit 0:1 in Rückstand. In der zweiten Hälfte drehte der Wackerianer dann richtig auf, punktete mit Beinangriffen, Durchdreher und Spaltgriff und wurde am Ende sensationeller 11:3 Punktsieger - eine absolute Topleistung. Im 75kg Freistillimit ging für den SVW wieder Magomed Kartojev auf die Matte, der Woche für Woche trotz 5kg Gewichtsnachteils immer wieder herausragende Kämpfe zeigte. Auch diesmal lieferte er dem russischen Weltklassemann Aznaur Tavaev wieder einen Kampf auf Biegen und Brechen. In der ersten Halbzeit konnte der Hösbacher seinen Gewichtsvorteil gekonnt ausnutzen und mit 4:0 in Führung gehen. Doch in der zweiten Hälfte war nur noch der Wackerianer am Drücker und brachte mit seinen ständigen Angriffen seinen Kontrahenten ein ums andere Mal in brenzlige Situationen. Am Ende reichte es trotz einer tollen kämpferischen Leistung nicht ganz und Kartojev unterlag mit 2:5 nach Punkten. Beim Zwischenstand von 3:17 traf Idris Ibaev auf Hösbachs Aushängeschild Tim Müller. Der SVW-Athlet überraschte Müller schon nach 30 Sekunden mit einem blitzschnellen Kopfzug und wurde Schultersieger. Im vorletzten Kampf des Abends setzte Wackers Shootingstar Baschir Kartojev seine Siegesserie fort. Gegen Nils Buschner war er von Beginn an der dominierende Mann und setzte seinen Gegner ständig unter Druck. Nach einem Take down und anschließendem Durchdreher ging er mit einer 6:0 Führung in die Pause. Im zweiten Abschnitt zeigte Kartojev einen brillanten Hüftwurf und konnte seinen Gegner nach einer Kopfklammer im Boden beim Stand von 16:2 schultern und vier weitere Punkte für den SV Wacker holen. Zum Abschluss hatte Mansur Dakiev die undankbare Aufgabe gegen den besten Hösbacher Athleten, den amtierenden Drittplatzierten der Weltmeisterschaften, Khidir Saipudinov antreten zu müssen. Der Hösbacher wurde seiner Favoritenrolle gerecht und besiegelte per Überlegenheitssieg die 11:21 Heimniederlage des SV Wacker Burghausen.
Nächste Woche steht für die Wacker-Ringer der letzte Vorrundenkampf gegen die Germanen aus Weingarten an. Auch wenn der SVW mit einem Auswärtssieg noch auf Tabellenplatz drei springen könnte, dürften auch zum Abschluss der regulären Saison die Trauben wieder relativ hoch hängen.

















