Durchwachsene Leistungen der Burghauser Ringer beim Polyák Imre, Varga János & Kozma István Memorial

Batyrbek Tsakulov (blau) belegte in Budapest nach sehenswerten Kämpfen den Silberrang (©UWW)

- 21.07.2026, 14:00
- Von: Roman Hölzl
Hochklassige Kämpfe und internationale Spitzenathleten prägten das Polyák Imre, Varga János & Kozma István Memorial 2026 in Budapest. Das traditionsreiche Turnier zog erneut die Elite des Weltringsports an und bot den Zuschauern zahlreiche packende Duelle auf höchstem Niveau. Da die „Ranking Series“, eine global ausgetragene Turnierserie zur Vergabe der wichtigen Punkte für die Bestimmung der Weltrangliste, zukünftig auch Relevanz für die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 haben wird, war klar, dass die diesjährigen Turniere einmal mehr eine Bühne für Weltklasseringer im griechisch-römischen und freien Stil darstellen werden.
In den Wettkämpfen im freien Stil gingen neben dem ehemaligen Weltmeister Iszmail Muszukajev auch die beiden Burghauser Neuzugänge Akhsarbek Gulaev und Batyrbek Tsakulov auf die Matte. Leider konnten die in Budapest anwesenden Zuschauer mit den gebotenen Leistungen der Weltklasseringer nicht mithalten – das gesamte Turnier fand vor weitestgehend verwaisten Tribünen statt, einzig zu den abendlichen Finalkämpfen füllte sich die BOK Sport Hall in Budapest moderat, wobei selbst bei den sportlichen Höhepunkten eine Vielzahl der Plätze unbesetzt blieben.
In der Klasse bis 70 kg vertrat Iszmail Muszukajev die Farben Ungarns und wenngleich ihm ein Platz in den Medaillenrängen dieses Mal verwehrt blieb, bot er spektakuläre Turnierkämpfe. So traf er zur Eröffnung auf seinen albanischen Dauerrivalen Islam Dudaev – seines Zeichens amtierender Vize-Europameister und Olympia-Dritter der Spiele von Paris. Nach einem lethargischen Auftritt im ersten Kampfabschnitt lag Muszukajev zur Halbzeit verdient mit 0:2 in Rückstand, konnte aber nach einem Beinangriff gefolgt von einer Beinschraube zu Beginn der zweiten Runde auf 2:2 ausgleichen und anschließend auf 4:2 davonziehen. In den letzten Sekunden überschlugen sich dann die Ereignisse: Eine weitere klare Zwei-Punktewertung von Muszukajev wurde vom Videobeweis wieder einkassiert und vollkommen überraschend an seinen albanischen Gegner vergeben, sodass es wie aus dem Nichts 4:4 Unentschieden stand. Durch die höhere Anzahl an Zwei-Punkte-Wertungen bleibt jedoch der Sieg beim Ungarn, der im Viertelfinale auf den aus der Mongolei stammenden amtierenden Vizeweltmeister Tulga Tumur-Ochir traf. Und auch dieses Gefecht war an Dramatik nicht zu überbieten. Wie schon gegen Dudaev verschlief Muszukajev die erste Runde vollkommen und konnte froh sein, nur mit einem 0:1 Rückstand in die Pause gehen zu können. Nach einem sehenswerten Überwurf konnte er den bis dahin schon auf 0:2 angewachsenen Rückstand spektakulär auf 4:2 drehen. Doch dem Mongolen gelang wenig später der 4:4-Ausgleich und nach einem beeindruckenden Ausheber fand sich Muszukajev kurz vor Kampfende auf beiden Schultern wieder, sodass er sich im Gesamtklassement mit dem achten Platz zufriedengeben musste.
Der slowakische Neu-Wackerianer Akhsarbek Gulaev ging in der überraschend dünn, aber qualitativ hochklassig besetzten 79kg-Klasse an den Start. Mit dem jungen Georgier Luka Chkhitunidze bekam Gulaev ein auf dem Papier machbares Erstrundenlos zugeteilt. Wenngleich Chkhitunidze schon auf zwei Bronzemedaillen bei U23 Europameisterschaften zurückblicken konnte, war allgemein davon auszugehen, dass Gulaev auf Grund seiner enormen Erfahrung gute Chancen auf den Sieg haben dürfte. Doch von der ersten bis zur letzten Minute fand Burghausens Neuzugang absolut nicht in den Kampf und lag zur Halbzeit mit 0:1 zurück. Als er dann in der zweiten Runde nach einem Beinangriff seines Gegners vier weitere Punkte abgeben musste, war der Kampf gelaufen – am Ende unterlag Gulaev enttäuschend mit 0:6 nach Punkten und schied aus dem Turniergeschehen aus.
Mit einem Freilos startete hingegen der amtierende Vize-Europameister Batyrbek Tsakulov in den Turnierverlauf der 97kg-Klasse – eine der am stärksten besetzten Gewichtsklassen des gesamten Turniers. Im Achtelfinale bekam er es mit dem jungen Türken Rifat Eren Gidak zu tun, gegen den sich Tsakulov ebenfalls schwerer tat, als zu erwarten war. Nach einem 0:1 Pausenrückstand lag Tsakulovs Hoffnung auf der zweiten Runde, in der er von Beginn an Druck auf seinen Widersacher ausübte und nach einem Step-Out seines Gegners und der anschließend abgelaufenen Aktivitätszeit auf 2:1 stellen konnte. Nach einem Takedown und vier Durchdrehern binnen weniger Sekunden beendete Tsakulov dann den Kampf in Windeseile mit 12:2 vorzeitig. Mit einem weiteren Überlegenheitssieg endete das folgende Viertelfinal-Duell gegen den Ukrainer Vasyl Sova, gegen den Tsakulov bei seinem 10:0 Sieg nach einer Serie von Beinschrauben ebenfalls nichts anbrennen ließ. Zum mit Spannung erwarteten Halbfinale-Vergleich mit dem erst 22-jährigen Kasachen Rizabek Aitmukhan, der trotz seiner jungen Jahre bereits Weltmeisterschaften der U20, der U23 und der Senioren gewinnen konnte, kam es anschließend jedoch nicht, da sich der Kasache im Viertelfinale eine Verletzung zugezogen hatte. Damit war für Batyrbek Tsakulov der Finaleinzug geschafft, dort wartete mit Akhmed Tazhudinov der Weltmeister von 2023 und Olympiasieger der Spiele von Paris 2024. Und es sollte sich ein ringerisches Spektakel entwickeln, das eines Finalkampfs würdig war: Nach einem 0:3 Rückstand konnte Tsakulov jedoch schnell das Blatt wenden – nach einem sehenswerten Angriff zur Hüfte seines Gegners erzielte er vier Wertungspunkte und ging mit 4:3 in Führung. Doch wenige Sekunden vor dem Pausengong zwang Tazhudinov den Burghauser Neuzugang seinerseits zu Boden, sodass es mit einem 5:6 in die Halbzeit ging. Auch im zweiten Kampfabschnitt ging dieses aktionsreiche Gefecht dynamisch weiter: nach einem Step-Out Tsakulovs baute sein Gegner den Vorsprung auf 5:7 aus, nur Sekunden später glich Tsakulov per Takedown zum 7:7 aus. Einen weiteren Beinangriff des Slowaken konterte Tazhudinov herausragend und kassierte seinerseits vier Punkte ein. Auch den letzten verzweifelten Angriff des Neu-Burghausers konnte der Bahrainer erfolgreich kontern, sodass sich Tsakulov nach seiner Niederlage im EM-Finale auch in Budapest mit 7:13 geschlagen geben musste. Für die sportliche Leitung der Burghauser Ringer zeichnet sich damit ab, einen absoluten Spitzenringer für die kommende Saison verpflichtet zu haben, der in der Bundesliga keinen Vergleich scheuen muss.
Kein Glück bei der Auslosung hatte hingegen Idris Ibaev in der Klasse bis 77kg, der als einziger Burghauser Starter im griechisch-römischen Stil antrat. Er traf Levente Levai, der sich bei den Europameisterschaften 2024 und 2025 jeweils den Titelgewinn sichern konnte. Gegen den bärenstarken Ungarn fand Ibaev nicht den richtigen Zugriff und unterlag nach nicht einmal einer Minute Kampfzeit mit 0:10 vorzeitig.
Generell war das Abschneiden der deutschen Ringer überaus enttäuschend. Während die deutschen Freistilringer Nico Mergele (bis 65kg), Lucas Kahnt und Joshua Morodion (beide bis 86kg) spätestens im Achtelfinale die Segel streichen mussten, kamen die deutschen Greco-Spezialisten nahezu ausnahmslos unter die Räder. Neben Idris Ibaev war zudem weder Abdolmohammad Papi (bis 60kg), Christopher Kraemer (bis 67kg), Samuel Bellscheidt (bis 77kg), Darius Kiefer (bis 97kg) noch Jello Krahmer (bis 130kg) ein Sieg vergönnt. Einzig Lucas Lazogianis (bis 97kg) gelang im Achtelfinale ein Sieg, nach einer knappen Niederlage im Viertelfinale und in der Hoffnungsrunde belegte er den zehnten Platz.














