David Baev ist Europameister, Iszmail Muszukajev und Zelimkhan Khadjiev holen Bronze

Mit einer beeindruckenden Leistung beschlossen die Burghauser Freistilringer die diesjährigen Europameisterschaften, die in der albanischen Hauptstadt Tirana ausgetragen wurden. Allen voran überzeugte David Baev restlos, der sich seinen zweiten EM-Titel sichern konnte. Darüber hinaus holten sich Iszmail Muszukajev und Zelimkhan Khadjiev nach starken Turnierauftritten jeweils die Bronzemedaille.

Wie schon im vergangenen Jahr setzte sich David Baev gegen die namhafte russische Konkurrenz durch und sicherte sich den Startplatz bei den diesjährigen Europameisterschaften. Seinen Start rechtfertigte er mit nicht weniger als seinem zweiten Europameistertitel in Folge. In der Klasse bis 70kg deklassierte der Russe in Burghauser Diensten zuerst den Weißrussen George Koliev mit 9:0, ehe er im Viertelfinale auf den hochgehandelten Georgier Akaki Kemertelidze traf, der in den vergangenen beiden Jahren bei den Europameisterschaften die Silber- bzw. Bronzemedaille gewinnen konnte. Doch auch in diesem Duell zeigte sich die beeindruckende technische Vielseitigkeit Baevs, der – abgesehen von einem kleinen Lapsus – seinen Gegner über die gesamte Kampfdauer nicht zur Geltung kommen ließ. Mit einem beeindruckenden 11:3-Erfolg zog er damit ins Halbfinale ein. Nicht weniger einseitig verlief der Semifinal-Kampf, in dem Baev auf den Ukrainer Oleksii Boruta traf. Wie schon in den vorangegangenen Mattengefechten waren auch nun Baevs einzigartige Beinangriffe für seinen Gegner nicht zu verteidigen – mit einem ungefährdeten 9:2-Erfolg machte Baev damit den Finaleinzug perfekt, wo er auf eine der größten Turnierüberraschungen traf – den erst 21-jährigen Moldawier Alexandr Gaidarli, der heuer bereits in der Altersklasse der U23 den Europameister-Titel gewinnen konnte. Und es entwickelte sich ein Kampf auf Augenhöhe, der am Ende nur durch Nuancen entschieden wurde. Nach einer Aktivitätszeit gegen seinen Gegner ging Baev mit 1:0 in Führung, doch nachdem der Moldawier Baev zehn Sekunden vor dem Pausengong noch aus der Mattenbegrenzung befördern konnte, ging es mit einem 1:1 in die Halbzeitpause. Da Baev nach einem Beinangriff seinerseits seinen Gegner zu einem Step-Out zwingen konnte, ging er wieder mit 2:1 in Front. Im weiteren Kampfverlauf baute der ansonsten so offensivstarke Russe auf seine Defensive, von der alle Angriffe des Moldawiers abprallten. Am Ende brachte David Baev seinen knappen Vorsprung erfolgreich über die Zeit und sicherte sich seine zweite EM-Goldmedaille.

Als zweiter Starter aus dem Burghauser Bundesligakader ging in der 70kg-Klasse der Ungar Iszmail Muszukajev an den Start. Nach einem Freilos in der Qualifikationsrunde traf er im Viertelfinale auf den jungen Türken Remzi Temur, den er ungefährdet mit 10:0 vorzeitig besiegen konnte. Im Halbfinale wartete mit Alexandr Gaidarli der spätere Finalgegner David Baevs auf den sympathischen Ungarn. In diesem Duell traten einmal mehr die konditionellen Schwächen des mittlerweile schon 33-jährigen Ungarn zutage. Nachdem er die erste Runde noch offen gestalten konnte, brach Muszukajev in der zweiten Runde komplett ein und musste beim Stand von 0:11 die technische Überlegenheit seines Gegners anerkennen. Im kleinen Finale traf Muszukajev anschließend auf den ehemaligen Wackerianer Mikyay Naim, der sich über die Hoffnungsrunde bis in den Kampf um die Bronzemedaille vorkämpfen konnte. Und Muszukajev fand gegen seinen bulgarischen Kontrahenten schnell in die Erfolgsspur zurück. Nach vier erfolgreichen Beinangriffen ging der Ungar mit einem komfortablen 8:0 Vorsprung in die Rundenpause. Am Ende dauerte es noch eine weitere Minute, ehe der technische Überlegenheitssieg des ehemaligen Weltmeisters feststand und er sich wenig später über die Bronzemedaille freuen konnte.

In der 79kg-Klasse versuchte Zelimkhan Khadjiev seine Silbermedaille des Vorjahrs zu verteidigen oder gar die Hände in Richtung Goldmedaille auszustrecken. Schon in der Qualifikationsrunde bekamen die Zuschauer ein überaus aktionsreiches Gefecht zu sehen, denn im Duell mit dem Türken Okan Tahtaci gingen beide Ringer mit offenem Visier zu Werke. Nach einem 2:4 Rückstand zur Halbzeit wechselte auch im zweiten Kampfabschnitt mehrmals die Führung, ehe Khadjiev in den letzten Sekunden beim Stand von 11:8 den Sack zumachte. So kam es, dass es im Viertelfinale zum Vergleich mit seinem ehemaligen Teamkameraden Mohammad Mottaghinia kam. Der Spanier, der Burghausen zur kommenden Saison in Richtung FC Erzgebirge Aue verlassen wird, erwies sich als erwartet harte Nuss. In einem phasenweisen recht ruppig geführten Gefecht ging zuerst Mottaghinia mit 1:0 in Führung, ehe es in den letzten Sekunden beim Stand von 3:3 zum Showdown kam. Erst nach dem Videobeweis stand fest: nach zwei Drehern Khadjievs und einer Aktion Mottaghinias lautete der Endstand 9:5 zu Gunsten des Franzosen, der damit ins Halbfinale vorrückte. Dort wartete mit dem Russen Ahmed Usmanov Khadjievs Finalgegner des Vorjahrs, dem er seinerzeit sang- und klanglos unterlegen war. Und wenngleich Zelimkhan Khadjiev den Kampf deutlich verbessert bestreiten konnte – am Ende war gegen den bulligen Russen kein Kraut gewachsen. Mit einer knappen, schlussendlich aber unvermeidlichen 0:3 Niederlage platzten Khadjievs Gold-Hoffnungen, doch bestand für ihn im kleinen Finale immer noch die Möglichkeit, sich mit Bronze zu dekorieren. Dies sollte dem Franzosen auch eindrucksvoll gelingen. Im Duell mit dem starken Armenier Hrayr Alikhanyan entwickelte sich zunächst ein Gefecht auf Augenhöhe, in dem beiden Ringern im ersten Kampfabschnitt je ein Wertungspunkt gelangen. Doch in der zweiten Runde wurde das Ergebnis dann doch überraschend deutlich. Nach einem erfolgreichen Beinangriff setzte der Franzose zu seinen gefürchteten und unkonventionell im Stand angesetzten Beinschrauben an, aus denen es für den Armenier kein Entkommen mehr gab. Wenige Augenblicke später hatte Khadjiev den Punktestand auf 11:1 hochgeschraubt, was seinen technischen Überlegenheitssieg und gleichzeitig den Gewinn der Bronzemedaille bedeutete.

Überraschend positiv gestalteten die deutschen Freistilringer die diesjährigen Europameisterschaften. Im Schwergewicht sicherte sich Mohsen Siyar nach einer überzeugenden Turnierleistung die Bronzemedaille. Niklas Stechele (bis 61kg ) und Joshua Morodion (bis 86kg) rückten jeweils bis auf den siebten Platz vor, was für beide einen echten Achtungserfolg darstellte.

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