Zwei Underdogs im Höhenflug – erster Finalkampf steigt in Weingarten

Christopher Kraemer feierte heuer bereits einen Sieg gegen Weingartens Romeo Beridze.

Am Samstag findet in der restlos ausverkauften GrubArena der erste Teil des mit Spannung erwarteten Finalduells zwischen der SV Germania Weingarten und dem SV Wacker Burghausen statt. Beide Mannschaften haben sich in hochdramatischen Halbfinalrunden durchgesetzt und treffen nun im Kampf um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft aufeinander. Selbst für Experten war die diesjährige Finalpaarung nicht absehbar. So setzte sich Weingarten überraschend gegen den amtierenden Meister aus Schorndorf durch, Burghausen machte im Rückkampf gegen den großen Meisterschaftsfavoriten aus Kleinostheim den Finaleinzug perfekt.

Für den SV Germania Weingarten ist das Erreichen des Finals eine sportliche Sensation. Erst seit zwei Jahren ist der Verein nach seiner Rückkehr in die Bundesliga wieder erstklassig, dazu mussten die Badener während der Saison mit erheblichen Personalproblemen kämpfen. Im Halbfinale warfen die Germanen den Titelverteidiger ASV Schorndorf aus dem Rennen – ein Ausrufezeichen, das im Lager der Germanen Euphorie entfacht hat. Die GrubArena präsentierte sich in den vergangenen Wochen als wahre "Ringer-Festung”, in der die Mannschaft vor frenetischem Publikum historische Siege gegen den KSV Köllerbach und den ASV Schorndorf feierte. Neun Jahre ist es her, dass Weingarten zuletzt in einem Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen stand. Seiner Zeit lautete der Gegner KSV Ispringen, den das Team aus Weingarten in einem Finalduell auf Augenhöhe knapp bezwingen und sich damit ihren dritten Titelgewinn der Vereinsgeschichte sichern konnte. Anschließend verabschiedeten sich die Germanen in die Deutsche Ringerliga DRL und der SV Wacker Burghausen übernahm mit fünf Titelgewinnen in sieben Jahren den Platz an der Spitze des deutschen Mannschaftsringen. In der laufenden Saison lassen sich auffallend viele Parallelen finden: beide Teams konnten in der regulären Bundesligasaison selten mit der besten Mannschaft antreten, bei Weingarten machen sich Verletzungssorgen breit, der SV Wacker Burghausen hatte mit finanziellen Sorgen zu kämpfen. In den Playoffs blühten beide Teams anschließend auf, beide Mannschaften konnten im Halbfinale favorisierte Gegner schlagen und ins Finale einziehen. Und nun? Klar ist: jede Mannschaft, die sich gegen die stärksten Teams der Bundesliga durchsetzt und ins Finale einzieht, steht dort zu Recht. Doch einen klaren Favoriten auf den Gewinn der diesjährigen Meisterschaft gibt es nicht, dafür bringen beide Teams zu viel ringerische Qualität mit. Am Ende wird in beiden Mannschaftskämpfen die Tagesform den Ausschlag über Sieg und Niederlage geben. Ausgang: offen.

In der Eröffnungsklasse bis 61kg bahnt sich eine Neuauflage des spannenden Freistilkampfs aus der Vorrunde an, wenn sich Burghausens usbekischer Olympia-Bronzemedaillist mit dem deutschen Spitzenringer Horst Lehr – seines Zeichens U23-Europameister und EM-Bronzemedaillist des Jahres 2023 – messen wird. In der laufenden Saison konnte sich Abdullaev nach einem sehenswerten und aktionsreichen Gefecht mit 12:6 durchsetzen. Im anschließenden Greco-Schwergewicht gilt bei den Gastgebern Eduard Popp als gesetzt. Auf Burghauser Seite hat Cheftrainer Eugen Ponomartschuk die Qual der Wahl zwischen Eigengewächs Alexander Kreimer und dem Schweden Alex Kessidis. Nicht zur Verfügung steht hingegen der Norweger Felix Baldauf, der sich im Hinkampf gegen Kleinostheim eine muskuläre Verletzung zuzog. Wer auch immer beim SVW auf die Matte gehen wird: gegen den 130kg schweren Popp wird jeder Wackerianer mit deutlichen körperlichen Nachteilen zu kämpfen haben. Einer der Schlüsselkämpfe bahnt sich in der Klasse bis 66kg im griechisch-römischen Stil an. Hier wird der SVW auf den bisher ungeschlagenen Christopher Kraemer zurückgreifen, der sich in der Form seines Lebens befindet. Bei den Hausherren darf man gespannt sein, welchen ihrer beiden Spitzenringer sie ins Rennen schicken werden. Denn mit dem Georgier Romeo Beridze und dem Russen Dovudzhon Toshev verfügen die Germanen über zwei Athleten von Weltklasseformat. In der Vorrunde feierte Kraemer gegen Weingartens favorisierten Bronzemedaillisten der U23-Eurpameisterschaften 2025 einen fulminanten 12:9 Punktsieg. Im Halbfinale kam hingegen Toshev zum Einsatz und hinterließ bei seinem Überlegenheitssieg gegen Schorndorfs Kevin Karl einen tadellosen Eindruck. Sollte hingegen Weingartens Eigengewächs Janis Heinzelbecker zum Einsatz kommen, läge die Favoritenrolle klar auf Seiten des Burghausers. Im Halbschwergewicht wird beim SV Wacker Burghausen kein Weg an Erik Thiele vorbeiführen, der schon in der Vorrunde gegen den Franzosen Mohammad Ali Umkhadjiev einen ungefährdeten 12:2 Punktsieg feiern konnte. Alternativ könnte Weingartens Cheftrainer Frank Heinzelbecker auch noch auf den Deutschen Etienne Wyrich zurückgreifen, der aber in etwa auf demselben Leistungsniveau einzuordnen sein dürfte wie sein französischer Mannschaftskamerad. Im letzten Mattengefecht vor der Pause dürften zum ersten Mal auf beiden Seiten die Aufstellungs-Pokerspieler ihren Einsatz haben: Während beim SV Wacker Burghausen Magomed Kartojev - Goldmedaillengewinner des Grand Prix von Frankreich vor zwei Wochen – und Ex-Weltmeister Iszmail Muszukajev als potenzielle Ringer für die Freistilklasse bis 71kg in Frage kommen, deutet bei der SV Germania Weingarten vieles auf einen Einsatz des ukrainischen WM-Fünften Vasyl Shuptar hin.

Nach der Pause eröffnen die Ringer der Gewichtsklasse bis 86kg im griechisch-römischen Stil den zweiten Kampfabschnitt. Hier können sich die Fans beider Mannschaften mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit auf den Kampf zwischen Roland Schwarz und Florian Neumaier freuen. Dasselbe Duell kam bereits in der Vorrunde zustande, damals hatte Schwarz als amtierender Deutscher Meister mit der körperlich sehr dominanten Ringweise des Weingartners merkliche Probleme und unterlag seinem Gegner mit 0:5 nach Punkten. Im Greco-Limit bis 75kg gilt beim SVW Shooting-Star Baschir Kartojev gesetzt, der im Halbfinale zweimal dem Deutschen Meister Artur Tatarinov das Nachsehen gab. Anders sieht es hingegen bei den Germanen aus Weingarten aus. So ließ der erst 23-jährige Louis Lay im Halbfinale gegen Schorndorfs Weltmeister Ibrahim Ghanem nur eine 3:5 Niederlage zu – eines der entscheidenden Ergebnisse, welches das Tor zum Finale aufstieß. Als mögliche Alternative kämen auf Seiten der Gastgeber der Georgier Otar Abuladze in Frage – der WM-Dritte des Jahres 2024. Gespannt darf man ebenfalls auf die Besetzung der Klasse bis 80kg im freien Stil sein. So könnte bei den Wackerianern entweder der Spanier Mohammad Mottaghinia oder der französische Vize-Europameister Zelimkhan Khadjiev zum Einsatz kommen. Weingarten verfügt seinerseits mit Manuel Wagin und Jeremy Weinhold über zwei deutsche Spitzenringer im Kader. Zuletzt rückte Wagin, der eigentlich in der 75kg-Klasse beheimatet ist, eine Gewichtsklasse auf und überzeugte mit einer bärenstarken Leistung gegen den Ungarn Murad Kuramagomedov. In der Klasse bis 75kg lassen sich beide Trainer nicht in die Karten schauen. So kommen bei den Burghausern mit Magomed Kartojev, Iszmail Muszukajev und David Baev gleich drei Ringer in Frage. Letzterer befindet sich aktuell noch beim renommierten Ivan Yarygin Cup in Russland, wo die russischen Startplätze für die Europameisterschaften vergeben werden. Ob der amtierende Europameister am Samstag in der Bundesliga wieder zur Verfügung steht, dürfte sich kurzfristig entscheiden. Weingarten schickte zuletzt Marcel Wagin ins Rennen, aber auch sein Bruder Manuel könnte diese Klasse besetzen. Im letzten Kampf des Abends deutet vieles auf das Duell zwischen Idris Ibaev und dem japanischen Olympiasieger Nao Kusaka hin. In der Vorrunde setzte sich der japanische Greco-Ausnahmeringer im Limit bis 80kg mit 7:0 gegen den Burghauser durch.

Auf Grund der enormen Leistungsdichte beider Mannschaften dürfte jeder Punkt für den Rückkampf wichtig werden. Das Burghauser Team will sich in Weingarten eine gute Ausgangsposition verschaffen, um dann eine Woche später, beim "Finale dahoam" den sechsten Titel einzufahren.

Wichtig:

Wie schon in den vergangenen Jahren wird es auch heuer wieder einen Ticket-Vorverkauf im Vorraum der Sportparkhalle geben. Dieser findet NICHT wie üblich, am Freitag vor dem Kampftag statt, sondern auf Grund terminlichen Überschneidungen schon eine Woche früher! Der Kartenvorverkauf an der Sportparkhalle erfolgt damit schon am Freitag, 30.01. ab 16:00 Uhr! Bitte beachten Sie, dass die begehrten nummerierten Sitzplätze im Hallen-Innenraum ausschließlich im Rahmen des Ticket-Vorverkaufs erhältlich sein werden. Restbestände gehen am Samstag im Rahmen der Abendkasse in den freien Verkauf.

 

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