Zwei Brüder – zwei Stilarten: Kartojev-Brüder starten bei U23-Eurpameisterschaften

Vor wenigen Wochen feierten Baschir und Magomed Kartojev noch den Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft - jetzt geht es für beide zur U23-EM!

- 05.03.2026, 19:25
- Von: Roman Hölzl
Vom 9. bis 15. März 2026 richtet die serbische Stadt Zrenjanin die diesjährigen U23-Europameisterschaften im Ringen aus, bei denen mehr als 400 Athletinnen und Athleten aus ganz Europa um die kontinentalen Titel kämpfen werden. Für die deutsche Nationalmannschaft stehen in diesem Jahr zwei vielversprechende Nachwuchstalente des SV Wacker Burghausen auf der Matte: Magomed und Baschir Kartojev. Für die beiden Brüder, die als absolute Leistungsträger beim amtierenden Deutschen Mannschaftsmeister gelten, stellt die Teilnahme an den U23-Europameisterschaften ihr bislang größtes Karrierehighlight dar.
Die im Jahr 2015 erstmals ausgetragenen U23-Europameisterschaften gehören zu den wichtigsten internationalen Turnieren im Nachwuchsbereich des Ringsports. Viele spätere Welt- und Europameister sammelten hier erstmals internationale Medaillen und Erfahrung auf höchstem Niveau. Für junge Athleten ist das Turnier häufig der Übergang von der Juniorenklasse zum Elitebereich. Auch für den deutschen Verband ist die Veranstaltung ein wichtiger Gradmesser. Die Nominierung erfolgt nur für Athleten, die sich in nationalen und internationalen Turnieren sowie bei Lehrgängen des Nationalteams besonders hervorgetan haben.
Obwohl die beiden Brüder denselben sportlichen Weg in den Ringsport eingeschlagen haben, gehen Magomed und Baschir Kartojev auf der Matte unterschiedliche Wege. Magomed Kartojev startet im Freistilringen in der Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm. Der 22-Jährige gilt als einer der technisch stärksten deutschen Nachwuchsathleten in diesem Limit. Sein Kampfstil zeichnet sich durch hohe Dynamik, schnelle Beinangriffe und eine große Explosivität aus. Magomed Kartojev konnte in der abgelaufenen Saison bereits mehrfach seine internationale Klasse andeuten. Einen wichtigen Erfolg feierte er beim traditionsreichen Grand Prix von Frankreich in Nizza, wo er sich gegen starke internationale Konkurrenz durchsetzen und den Turniersieg sichern konnte. Dieser Erfolg stärkte nicht nur sein Selbstvertrauen, sondern war auch ein klares Signal an die Bundestrainer. Mit technisch sauberen Angriffen, hoher Kampfintensität und taktischer Disziplin setzte sich Kartojev selbst gegen international erfahrene Routiniers durch. Bei den Europameisterschaften tritt Kartojev auf ein sehr ausgewogenes und stark besetztes Teilnehmerfeld. Zu den Favoriten auf die Medaillen zählen der Armenier Arman Musikyan, der Weißrusse Magomedkhan Magamedkhananov und der Georgier Saba Gambashidze, die alle in der Altersklasse der U20 bereits auf Medaillengewinne bei Welt- und Europameisterschaften zurückblicken können. Nicht außer Acht gelassen werden darf zudem der junge Russe Dzhambulat Kizinov, der auf Grund seiner außerordentlichen technischen Fähigkeiten mit Sicherheit ein Wort um die Vergabe der Medaillen mitreden möchte.
Greco-Spezialist Baschir Kartojev tritt dagegen im griechisch-römischen Stil bis 72 Kilogramm an. Da in dieser Stilart Angriffe unterhalb der Gürtellinie verboten sind, sind im griechisch-römischen Stil vor allem Kraft, Grifftechnik und Würfe entscheidend. Baschir bringt hierfür die nötige Physis und Kampfhärte mit, um auch auf internationalem Niveau bestehen zu können. Dies konnte er in der abgelaufenen Bundesligasaison bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen: In zehn seiner elf Duelle verließ das Burghauser Kraftpaket die Matte als Sieger und bezwang dabei mehrere nationale und internationale Spitzenathleten, darunter den moldawischen Olympiateilnehmer von Paris Valentin Petic oder den amtierenden Deutschen Meister Artur Tatarinov. Bei den U23-Europameisterschaften wird auch er sich dem Who‑is‑Who seiner Altersklasse zum Kampf stellen müssen. Als namhafteste Gegner gelten der Armenier Ashot Khachatryan (U20 Vize-Europameister 2022), der Aserbaidschaner Farahim Mustafayev (U20 WM- und EM-Bronzemedaillist) und der Georgier Nika Broladze (U20 Vize-Weltmeister 2022). Doch vor großen Namen schreckte Baschir Kartojev noch nie zurück. Sollte er ähnlich starke Leistungen wie in der Bundesliga abrufen können, ist ihm eine gute Platzierung in jedem Fall zuzutrauen.












