Sportmediziner-Kongress erlebt Burghauser Ringertraining hautnah

Eine besondere Ehre wurde zuletzt den Burghauser Ringern zuteil. Im Rahmen des in Ruhpolding abgehaltenen 36. internationalen Berliner sportmedizinischen Wochenseminars durfte die Abteilung Ringen des SV Wacker Burghausen fast fünfzig Unfallchirurgen, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler in der Ringerhalle begrüßen. Dort konnten sie einem Training beiwohnen, um sich in verschiedenen Schwerpunkten mit dem Leistungssport Ringen vertraut zu machen. Ermöglicht wurde dieses interessante Event durch Prof. Dr. Christian Pfeifer, einem der Mitveranstalter und Chefarzt der Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie des Inn-Klinikums Altötting und Mühldorf, der seit einigen Jahren in engem Austausch mit der Burghauser Teamärztin Dr. Ursula Bailer steht und der mittlerweile seine Leidenschaft für den Ringsport entdeckt hat.

Die zahlreichen Gäste durften es sich nach ihrer Anreise aus Ruhpolding in der Burghauser Ringerhalle gemütlich machen, während Cheftrainer Eugen Ponomartschuk eine Trainingseinheit mit einer Auswahl der besten Burghauser Ringer leitete. Nach der Begrüßung der Besucher durch Frau Dr. Bailer, die als Moderatorin durch die Veranstaltung führte, erfolgte die Vorstellung der anwesenden Leistungssportler des SV Wacker Burghausen mit ihren bisherigen Erfolgen und Hinweisen zu der Verletzungshistorie der jeweiligen Athleten. Am Beispiel von Mansur Dakiev wurden zudem die integrativen Möglichkeiten des Ringsports erläutert, der mit 12 Jahren als tschetschenischer Kriegsflüchtling nach Burghausen kam und kurz danach als Schüler in die Ringerabteilung aufgenommen wurde. Im Laufe der Zeit absolvierte Dakiev erfolgreich die Schule, machte eine Ausbildung zum Chemikanten und schloss vor kurzem seine Fortbildung zum Industriemeister Chemie (IHK) erfolgreich ab. Dr. Ursula Bailer wies darauf hin, dass der Sport im Allgemeinen seit Jahrzehnten als einer der wirksamsten gesellschaftlichen Räume gelte, in denen Integration tatsächlich gelebt wird. Integration würde aber nicht automatisch gelingen: Sie brauche Ressourcen, Engagement und Konzepte, die bei den Burghauser Ringern seit jeher erfolgreich gelebt werden.

Nach einem leichten Aufwärmprogramm folgten die ersten Übungsformen, die überwiegend Elemente aus dem Bodenturnen wie Radwende oder Handstand-Überschlag beinhalteten. Danach folgten turnerische Übungen zu zweit, bevor es zum individuellen Erwärmen des Nackens kam. Hier referierte erstmals ein Burghauser Sportler: Idris Ibaev erklärte dem Fachpublikum, dass die Methoden zum Aufwärmen der Nackenmuskulatur in den vergangenen Jahren einem enormen Wandel unterlagen. Während früher Sportler ihren Kopf auf den Mattenboden drückten und den restlichen Körper kreisförmig herumbewegten und damit sehr viel Druck auf die Halswirbelsäule ausübten, wird mittlerweile der Nacken schonender über Druck-Belastung im Stand trainiert und damit stabilisiert. Zudem beantwortete Idris Ibaev auf seine sympathische Art und Weise mehrere Fragen zu Themen der Leistungs- und Kraftdiagnostik sowie zu präventiven Maßnahmen und sportmedizinischen Untersuchungen im Rahmen der nationalen Kader.

Anschließend folgten die Demonstrationen diverser Kampftechniken, die paarweise ausgeführt wurden. So präsentierten die Greco-Spezialisten Idris Ibaev und Sultan Muhametow Aushebetechniken mit anschließenden Würfen, Baschir Kartojev und Witalis Lazovski demonstrierten Hüftwürfe, Durchschlüpfer sowie die Technik der Standbeinbelastung. Zur Präsentation von Freistil-Techniken zeigten Mansur Dakiev und Magomed Kartojev verschiedene Methoden von Beinangriffen sowie Ausring-Situationen im Bodenkampf. Die beiden Nachwuchsringer Mustafa Ermanbetov und Timur Muhametow übernahmen die Vorführung von Schwunggriffen aus dem Standkampf sowie Würfen aus der Kopfklammer und zeigten dabei eindrucksvoll, dass auch Nachwuchsathleten schon in jungen Jahren bereits technisch anspruchsvolle Techniken im Repertoire haben. Anschließend konnten die Zuschauer noch mehr Eindrücke vom Ringen sammeln, denn es folgte ein leichter Trainingsringkampf über fünf Minuten, in dem die Sportler das Hauptaugenmerk auf eine Vielzahl an technischen Ausführungen legten.

Als zweiter Sprecher der Burghauser Leistungssportler berichtete Witalis Lazovksi über seine Erfahrungen mit einem Kernelement des Ringsports, dem Gewichtmachen für Wettkämpfe. Die anwesenden Mediziner waren sichtlich beeindruckt ob der Aussage des fünffachen Deutschen Meisters, der ausführte, dass fünf bis sieben Kilogramm Gewichtsreduktion für internationale Wettkämpfe keine Seltenheit seien. Zudem erläuterte er verschiedene Methoden des Gewichtmachens, für die jeder Sportler seinen eigenen Weg finden muss, um am Ende noch die bestmögliche Leistungsfähigkeit erhalten zu können.

Zu guter Letzt stand Burghausens Cheftrainer Eugen Ponomartschuk im Rahmen einer Fragerunde Rede und Antwort. Im Zuge dessen wurde auch noch das System der Wertungspunkte im Kampf anhand von diversen Techniken erläutert. Ein großer Schwerpunkt der Fragen bezog sich selbstverständlich auf die medizinischen Aspekte des Ringsports, allen voran die erhöhten Belastungen auf Bänder, Muskeln und Bandscheiben und die daraus resultierenden Verletzungsmuster.

Zum Abschluss der Veranstaltung übernahm Prof. Dr. Christian Pfeifer das Wort: „Nochmals ein herzliches Dankeschön für die tolle Demonstration und Einführung in den Ringsport. Das Ringen ist ein Sport, den man in Deutschland leider nur als Randsportart wahrnimmt. Tatsächlich handelt es sich um eine der interessantesten und spannendsten Sportarten, die ich bisher kennenlernen durfte. Besten Dank auch nochmals an das gesamte Team des SV Wacker Burghausen und an Frau Dr. Ursula Bailer, mit der ich seit Jahren eine ganz hervorragende Zusammenarbeit pflege!“

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