Sensation zum Greifen nah: Wacker-Ringer mit 10:10 Unentschieden in Kleinostheim

Idris Ibaev wurde vom Kampfgericht um seinen Schultersieg gegen Alexandrin Gutu gebracht.

Vor knapp 2.000 Zuschauern in der restlos gefüllten Untermainhalle lieferten sich die Wacker - Ringer und die Warriors aus Kleinostheim einen hochklassigen und emotionalen Bundesliga-Kampf. Die Gastgeber sorgten mit einem fantastischen Rahmenprogramm für eine würdige Bühne, die Stimmung war von der ersten bis zur letzten Minute einzigartig – und die Athleten auf der Matte standen dem in nichts nach. Trotz einer ersatzgeschwächten Staffel gelang es den Burghausern, zahlreiche Schlüsselkämpfe für sich zu entscheiden. Am Ende stand jedoch ein 10:10-Unentschieden auf der Anzeigetafel.

Für reichlich Diskussionsstoff sorgten mehrere äußerst fragwürdige Kampfrichterentscheidungen, sodass selbst Verantwortliche des SC Siegfried Kleinostheim nach dem Abpfiff von einem sehr schmeichelhaften Remis für die Hausherren sprachen. "Uns erreichten viele Anrufe und Nachrichten, wo von bewusster Manipulation gesprochen wird. Wir wollen uns daran nicht beteiligen, glauben nach wie vor an das Gute im Sport, auch wenn selbst andere Schiedsrichter viele der getroffenen Entscheidungen keineswegs nachvollziehen konnten.", so die Verantwortlichen des SV Wacker Burghausen.

Den Auftakt in der Klasse bis 61kg Freistil bestritt Burghausens Olympiadritter Gulomjon Abdullaev gegen den Deutschen Meister Niklas Stechele. In einem intensiven Duell setzte Abdullaev früh Akzente und ging mit zwei starken Beinangriffen 4:0 in Führung. Sekunden vor Schluss musste er jedoch noch eine Zweierwertung hinnehmen, sodass er den Kampf zwar mit 4:2 nach Punkten gewann, aber lediglich einen Mannschaftspunkt für das Team holte – nichtsdestotrotz ging somit der erste Schlüsselkampf an das Burghauser Team. Im anschließenden griechisch-römischen Schwergewicht musste das Burghauser Trainerteam kurzfristig umstellen. Für den verletzten Alex Kessidis rückte Felix Baldauf in die Mannschaft und hatte gegen den Kleinostheimer Hünen Franz Richter eine schwere Aufgabe vor der Brust. Nach einer frühen Bodenaktion Richters gelang Baldauf zwar ein sehenswerter Konter zur 2:3-Verkürzung, doch im weiteren Verlauf punktete Richter mehrfach im Standkampf. Am Ende setzte sich der Gastgeber mit 10:2 nach Punkten durch und brachte Kleinostheim mit 3:1 in Führung. Im 66kgLimit traf der bisher ungeschlagene Griechisch-Römisch-Spezialist Christopher Kraemer auf Eliah Lucyga. Der Topscorer im Wackerteam bestätigte einmal mehr seine herausragende Saisonform und dominierte den Kampf von Beginn an. Mit konsequenten Aktionen im Stand sowie Aushebern im Boden sammelte er Punkt um Punkt. Nach zwei abschließenden Durchdrehern war bereits in der ersten Halbzeit der technisch überlegene Sieg perfekt. Kraemer blieb damit auch in seinem zehnten Saisonkampf ungeschlagen und brachte den SV Wacker mit 5:3 in Führung. Im Halbschwergewicht Freistil stellte sich Erik Thiele trotz seiner Schulterverletzung in den Dienst der Mannschaft. In einem taktisch geprägten Duell sah das Kampfgericht jedoch seinen Gegner, Joshua Morodion als den agileren Athleten an, der sich am Ende knapp mit 2:1 nach Punkten durchsetzen konnte. Der letzte Kampf vor der Pause entwickelte sich zu einem echten Freistil-Leckerbissen. Iszmail Muszukajev hatte es mit dem amtierenden Asienmeister Kaisei Tanabe zu tun. Beide Athleten belauerten sich wie Raubkatzen und setzten immer wieder blitzschnelle Beinangriffe. Muszukajev punktete mit Take Downs, Tanabe sammelte seine Wertungen über Push-outs. Beim Stand von 4:4 setzte Tanabe zur Schlussoffensive an, doch Muszukajev verteidigte mit Geschick und etwas Glück und gewann mit 5:4 nach Punkten, womit Burghausen mit einer 6:4 Führung in die Halbzeitpause ging.

Zu Beginn der zweiten Hälfte kam es erneut zum ewigen Duell zwischen den beiden mehrfachen internationalen Medaillengewinnern Roland Schwarz und Pascal Eisele. Wie schon in den vergangenen Jahren erwies sich der Wackerianer als taktisch gewiefter und setzte sich knapp, aber sicher nach Punkten durch. Damit baute er die Burghauser Führung auf 7:4 aus. Im anschließenden Greco-Fight der 75kg-Gewichtsklasse folgte die Neuauflage des Finales der diesjährigen Deutschen Einzelmeisterschaften zwischen Wackers Shootingstar Baschir Kartojev und Artur Tatarinov. Kartojev übernahm gleich zu Beginn eine Aktion seines Gegners und erzielte mit einem Wurf eine Viererwertung. Nach Videobeweis wurde diese Entscheidung jedoch revidiert, sodass Kartojev plötzlich 2:7 im Rückstand war. Doch der junge Wackerianer blieb ruhig, hielt an seinem Matchplan fest und zeigte wie schon so oft in dieser Saison seine Comeback-Qualitäten. Er kämpfte sich mit verkehrten Aushebern und Kopfklammern Punkt für Punkt zurück und entscheid den Kampf am Ende hochverdient mit 8:7 für sich. Im 80-kg-Freistil kam es anschließend zum nächsten Schlüsselduell. Im internationalen Top-Kampf zwischen Mohammad Mottaghinia und Khamsat Eldarov wechselte die Führung mehrfach. Mottaghinia punktete mit seinen schnellen Beinangriffen, während Eldarov versuchte, seine physischen Vorteile am Mattenrand auszuspielen. Am Ende war der Burghauser an diesem Abend der bessere Ringer, gewann mit 10:6 nach Punkten und brachte den SV Wacker Burghausen mit 10:4 in Führung. Im vorletzten Kampf des Abends im 75-kg-Freistil war Chefcoach Eugen Ponomartschuk zum Improvisieren gezwungen. Magomed Kartojev war vom Deutschen Ringer Bund zu einem internationalen Turnier nach Frankreich eingeladen worden – die einzige Möglichkeit, sich für die U23-Europameisterschaften zu qualifizieren. Sicherlich ein unglücklicher Zeitpunkt, aber der SV Wacker wollte seinem Athleten diese Chance nicht verwehren und so ließ man ihn zähneknirschend ziehen. Mangels Alternativen stellte sich Witali Lazovski selbstlos in den Dienst der Mannschaft, gab den Kampf jedoch früh gegen Rasul Shapiev per Schulterniederlage ab. Den Schlusspunkt setzte Wackers Publikumsliebling Idris Ibaev gegen den dreifachen U23-Weltmeister Alexandrin Gutu. Der Kampf entwickelte sich zu einem wahren Krimi und wurde von einer hoch umstrittenen Kampfrichterentscheidung überschattet. Ibaev konterte einen Ausheber Gutus und wurde unter allergrößter Kraftanstrengung Schultersieger. Nach einer ewig langen Videoüberprüfung wurde Ibaev vorgeworfen die Beine zu Hilfe genommen zu haben - eine mehr als fragwürdige Entscheidung, die auch nach intensivem Studium der Videoaufnahmen nicht nachvollzogen werden konnte. Somit wurde der Schultersieg revidiert und dem Kleinostheimer Sportler die Punkte zugesprochen, der sich dann am Ende mit 10:3 durchsetzen konnte und den 10:10-Endstand herstellte.

Unterm Strich war es ein spektakulärer Bundesliga-Abend mit vielen Wendungen. Im Rückkampf ist nun Spannung pur garantiert. Mit den eigenen Fans im Rücken hofft der SV Wacker Burghausen, das Unmögliche möglich zu machen, dem Top-Favoriten ein Bein zu stellen und doch noch ein letztes Mal ins Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft einzuziehen.

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