Mit Herz, Kampfgeist und Team-Spirit: Ringer machen Finaleinzug klar

- 26.01.2026, 10:36
- Von: Roman Hölzl
Ringerherz, was willst du mehr? Eine brechend volle Sportparkhalle, elektrisierende Stimmung, hochklassige und dramatische Kämpfe – und am Ende jubelnde Wacker-Ringer. Mit einem 13:8-Heimsieg zieht der SV Wacker Burghausen zum sechsten Mal in seiner Vereinsgeschichte ins Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft ein. Gegen den Meisterschafts-Topfavoriten aus Kleinostheim entwickelte sich nach dem 10:10-Unentschieden im Hinkampf ein Duell auf Biegen und Brechen, das erst im letzten Kampf entschieden wurde, als Mohammad Mottaghinia mit einem technisch überlegenen Sieg den Finaleinzug perfekt machte.
Den Auftakt machte in der Rückrunde wie gewohnt Wackers Energiebündel Fabian Schmitt im 61-kg Limit im griechisch-römischen Stil. Gegen den stilartfremd antretenden deutschen Meister Niklas Stechele ging Schmitt konzentriert und taktisch diszipliniert zu Werke, setzte die Vorgaben des Trainerteams perfekt um und sicherte sich einen knappen Punktsieg. Damit brachte er den SV Wacker mit 1:0 in Führung. Im Freistil-Schwergewicht traf dann im ersten Schlüsselkampf des Abends Erik Thiele auf Tamerlan Rasuev. Wie bereits im Hauptrundenkampf vor ein paar Wochen fand Thiele kein Mittel gegen den körperlich starken Kleinostheimer und musste sich erneut knapp mit 1:4 nach Punkten geschlagen geben. Damit erarbeiteten sich die „Warriors“ einen ersten kleinen Vorteil und gingen mit 1:2 in Führung. Im Freistilkampf der 66kg-Klasse setzte Chefcoach Eugen Ponomartschuk wie schon im Viertelfinale auf Gulomjon Abdullaev, der eine Gewichtsklasse aufrückte. Gegen den physisch überlegenen Asienmeister Kaisei Tanabe war die Marschroute für den Usbeken in Diensten der Wackerianer klar: die Niederlage muss in Grenzen gehalten werden. Und Abdullaev lieferte dem Favoriten einen packenden Fight, hielt den Kampf eng, verkürzte sogar mit einem Überstürzer kurz vor Schluss noch auf 4:5 und gab nur einen Mannschaftspunkt ab. Beim Zwischenstand von 1:3 aus Wackersicht kam es im Limit bis 98kg zum Duell zwischen den beiden Greco-Spezialisten Alex Kessidis und dem deutschen Junioren-Europameister in Kleinostheimer Diensten, Darius Kiefer. Im Burghauser Lager hatte man sich einen knappen Punktsieg von Kessidis erhofft, doch dieser hatte an diesem Abend andere Pläne: Beide Athleten belauerten sich knapp eine Minute im Standkampf, ehe der Wackerakteur urplötzlich zu einem spektakulären Wurf über die Brust ansetzte und unter dem frenetischen Jubel der Zuschauer sensationeller Schultersieger wurde. Die Halle glich einem Tollhaus, denn dies war mehr als nur ein Big Point für den SV Wacker Burghausen. Beflügelt von dieser Euphorie ging "Mister-Playoff" Witalis Lazovski zwar als Außenseiter gegen den kroatischen Topringer Dominik Etlinger auf die Matte – doch schon in der ersten halben Minute war zu sehen, dass der Wackerianer wieder bereit war, über sich hinauszuwachsen. Angepeitscht von den Zuschauern dominierte er im Standkampf, punktete im Boden mit einem Durchdreher, ehe er zu seinem Spezialgriff, dem seitlichen Ausheber ansetzte. Unter größter Anstrengung konnte er den Kleinostheimer aus dem Boden wuchten und ließ ihn anschließend im hohen Bogen durch die Sportparkhalle segeln. Die Kampfrichter belohnten den spektakulären Wurf mit der Höchstpunktzahl von fünf Punkten. Auch im weiteren Kampfverlauf war Lazovski jederzeit der dominierende Mann, präsentierte sich in überragender konditioneller Verfassung und wurde am Ende überragender 11:0 Punktsieger - einer seiner besten Kämpfe seiner Karriere und ein Riesenschritt in Richtung Finale.
Beim Zwischenstand von 8:3 eröffnete Eduard Tatarinov im 86kg-Freistillimit die zweite Hälfte gegen den deutschen Meister Joshua Morodion. Der Wackerianer hatte die klare Vorgabe, den Kampf ohne großes Risiko so eng wie möglich zu gestalten, setzte diese diszipliniert um, und gestattete dem Gast bei seiner knappen Punktniederlage nur zwei Mannschaftspunkte. In der 75kg-Klasse erlebten die Zuschauer im Duell zwischen Iszmail Muszukajev und Rasul Shapiev einen hochklassigen Freistilkampf mit zahlreichen intensiven Auskämpfsituationen.
Schon nach 20 Sekunden war das erste Spektakel geboten: Der Wackerianer punktete mit einem Beinangriff, wurde aber sofort gekontert, ehe er mit einem spektakulären Überwurf wieder mit 6:2 in Führung gehen konnte. Muszukajev versuchte anschließend den Vorsprung irgendwie ins Ziel zu retten, doch mit zunehmenden Kampfverlauf schwanden seine Kräfte merklich und er musste sich am Ende noch knapp mit 7:8 geschlagen geben. Beim Zwischenstand von 8:6 für den SV Wacker Burghausen kam es dann im Greco-Fight der 80kg-Klasse zur Neuauflage zwischen Idris Ibaev und dem dreimaligen U23 Weltmeister Alexandrin Gutu. Ibaev wurde gleich zu Beginn mit einem Wurf aus dem Standkampf überrascht und war fortan auf Schadensbegrenzung aus. Er setzte die taktischen Vorgaben erfolgreich um und gab bei seiner Niederlage nur zwei Mannschaftspunkte ab. Somit stand es vor dem vorletzten Kampf des Abends, das Hinkampf-Ergebnis mit eingerechnet, 18:18 unentschieden. Dramatik pur war also garantiert und im Limit bis 75kg traf Wackers Greco-Shootingstar der Saison Baschir Kartojev auf den deutschen Meister Artur Tatarinov. Und wie so oft geriet der Wackerianer gleich zu Beginn des Kampfs in Rückstand, aber zeigte dann einmal mehr seinen unerschütterlichen Siegeswillen. Er kämpfte sich mit Push-Outs Punkt für Punkt heran, ehe ihm in der letzten Kampfminute mit einem verkehrten Ausheber die entscheidende Wertung zum 6:5 Punktsieg gelang. Der SV Wacker Burghausen ging damit mit 9:8 in Führung und der letzte Kampf musste nun die Entscheidung bringen. Die Last lag auf den Schultern von Mohammad Mottaghinia, der gegen Aaron Melle von Beginn an der dominierende Mann war und seiner Favoritenrolle vollauf gerecht wurde. Mit Beinangriffen und Beinschrauben sicherte er sich eine Wertung nach der anderen und wurde noch in der ersten Hälfte technisch überlegener Punktsieger. Der Finaleinzug war perfekt, im Lager des SV Wacker brach kollektiver Jubel aus und es gab kein Halten mehr. Somit stehen die Wacker-Ringer nach einer schweren Saison zum sechsten Mal im Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft.
Dort trifft man nun in der kommenden Woche auf die Germanen aus Weingarten, die sich vor heimischem Publikum nach einer Gala-Vorstellung gegen den amtierenden deutschen Meister aus Schorndorf durchsetzen konnten.
















