Kartojev-Brüder belegen bei U23-Europameisterschaften Rang sieben und neun

Die Brüder Magomed und Baschir Kartojev haben bei den U23‑Europameisterschaften einen starken Eindruck hinterlassen: Mit den Plätzen sieben und neun behaupteten sie sich souverän in einem hochklassigen Teilnehmerfeld und zeigten, dass sie auch auf internationaler Bühne zu den aufstrebenden Talenten ihrer Altersklasse gehören. Wenngleich es am Ende nicht zu einem Medaillengewinn reichte, präsentierten sie sich trotz harter Konkurrenz in beeindruckender Form und sammelten wertvolle Erfahrungen für ihre weitere sportliche Entwicklung.

Einen guten Turniereinstieg fand Magomed Kartojev, der in den Freistilwettbewerben der 65kg-Klasse auf die Matte ging. Mit dem Moldawier Fiodor Ceavdari bekam der Burghauser von der Losfee einen Gegner zugewiesen, der letztes Jahr den fünften Platz bei den Europameisterschaften belegte. Schon nach der ersten Aktion fand sich Kartojev mit 0:3 im Rückstand liegen wieder, nachdem er in der Anfangsminute noch nicht voll konzentriert zu Werke ging. Ab diesem Moment änderte sich der Kampf vollkommen: gleich nach Wiederanpfiff zwang Kartojev seinen Gegner zu Boden und rollte ihn per Beinschraube zweimal über die Mattenfläche. Damit ging es für den Burghauser mit einer 6:3 Führung in die Rundenpause. Und auch in der zweiten Runde gehörte dem Moldawier die erste Aktion: per Spaltgriff verkürzte er auf 6:5. Doch davon ließ sich Kartojev nicht aus der Ruhe bringen: nach einem Take Down sowie zwei Durchdrehern stellte er den Zwischenstand auf 12:3, ehe ihm mit dem Schlusspfiff noch der Überlegenheitssieg gelang. Im Viertelfinale wartete anschließend der Ukrainer Viktor Borohan auf ihn, der in seiner noch jungen Karriere bereits auf eine Bronze- und eine Silbermedaille bei den U20-Europameisterschaften der Jahr 2024 und 2025 zurückblicken kann. Von Beginn an entwickelte sich ein taktisch geprägter Kampf, in dem die einzige Wertung durch eine Aktivitätszeit gegen Kartojev zustande kam. Doch beim Stand von 0:1 konnte Kartojev in der zweiten Runde zwei Take Downs seines Gegners nicht verhindern, sodass der Ukrainer mit 5:0 in Führung ging. Wenige Sekunden vor Kampfende überschlugen sich dann die Ereignisse: Nachdem sein Gegner die Mattenfläche verlassen hatte, verkürzte der Burghauser auf 1:5. Sechs Sekunden vor Kampfende setzte er mit dem Mute der Verzweiflung alles auf eine Karte und warf seinen Gegner sehenswert aus dem Standkampf. Diese Aktion wurde vom Kampfgericht allerdings nur mit zwei anstatt der notwendigen vier Punkte bewertet – eine Entscheidung, die auf Seiten des Deutschen Nationaltrainers nicht nachvollzogen werden konnte. Und auch nach dem Videobeweis blieb es dabei – dem Ukrainer wurde der am Ende schmeichelhafte Sieg zugesprochen und Kartojev war aus dem Turniergeschehen bei seinen ersten U23-Europameisterschaften ausgeschieden. Im Gesamtklassement belegte er den guten neunten Platz.

Wenige Tage später starteten die Wettkämpfe im griechisch-römischen Stil. In der Gewichtsklasse bis 72kg startete Baschir Kartojev, der eine gute Auslosung erwischte. Im Qualifikationskampf traf er auf den Kroaten Jure Rajkovic, mit dem er kurzen Prozess machte. Mit 9:0 punktete er seinen überforderten Gegner noch in der ersten Runde vorzeitig aus und zog damit ungefährdet ins Achtelfinale ein, wo er sich im Duell mit dem Spanier Gonzalo Caparros Dieguez wiederfand. Und auch in diesem Gefecht ließ der Burghauser Shootingstar der abgelaufenen Bundesligasaison nichts anbrennen: auf einen Step-Out seines Gegners folgte die angeordnete Bodenlage, aus der Kartojev per Durchdreher aus der Kopfklammer mit 4:0 in Führung ging. Nach einem weiteren Durchdreher sowie einem Durchschlüpfer stellte er schnell das Ergebnis auf 8:0 und zog damit ins Viertelfinale ein. Dort wartete mit Arionas Kolitsopoulos – auch er konnte bereits bei U20 Welt- und Europameisterschaften des Jahres 2025 Bronze für Griechenland gewinnen, ein anderes Kaliber. Da der Grieche zuvor den hochgehandelten Georgier Nika Broladze, einen der absoluten Favoriten auf Edelmetall, mit 5:1 aus dem Turnier kegelte, war Kartojev ob der Stärke seines Gegners jedenfalls gewarnt. In der ersten Runde wurde der Grieche vom Kampfgericht als aktiver angesehen und durfte in der Bodenlage fassen. Und prompt gelang ihm ein kraftvoller Ausheber, sodass er mit 3:0 in Führung ging. Da die griechische Ecke im Nachgang noch Klärungsbedarf hinsichtlich einer möglichen Beinarbeit Kartojevs hatte, wurde der Videobeweis angerufen, der jedoch kein Fehlverhalten des Burghausers feststellen konnte. Damit bekam Kartojev noch einen Wertungspunkt zugesprochen, sodass es mit einem 1:3 Rückstand in die Pause ging. In der zweiten Runde kam der Wackerianer seinerseits dann besser in Fahrt, und rückte auf 2:3 heran, und durfte in der Bodenlage fassen. Doch seinen gefürchteten „verkehrten Ausheber“ konnte er gegen den defensivstarken Griechen nicht anbringen. Am Ende verteidigte sein Gegner seinen knappen Vorsprung clever und zog damit ins Halbfinale ein. Damit endeten die Medaillenhoffnungen des Burghausers abrupt. Da der Grieche seinerseits den Finaleinzug verpasste, blieb Kartojev auch der Weg über die Hoffnungsrunde verwehrt, sodass er am Ende den starken siebten Platz belegen konnte.

"Magomed und Baschir haben beide alles aus sich herausgeholt, aber am Ende war auch aufgrund der langen Bundesligasaison der Tank einfach leer. Sie haben beide knapp gegen die späteren Bronzemedaillengewinner verloren und ich bin mir ziemlich sicher, dass mit ein paar Wochen mehr Vorbereitungszeit mehr möglich gewesen wäre", so Burghausens Co-Trainer Matthias Maasch. Aus Sicht der Deutschen Nationalmannschaften verliefen die diesjährigen U23 Europameisterschaften durchwachsen. In den Freistil-Wettbewerben ragte Manuel Wagin (bis 74kg) hervor, der sich hochverdient die Silbermedaille sichern konnte. Sein Bruder Marcel (bis 70kg) verpasste Edelmetall auf Rang Fünf liegend knapp. Im vorderen Mittelfeld landete neben Magomed Kartojev auch noch Marat Kardanov (bis 79kg), der ebenfalls den neunten Platz belegte. Die weiteren Deutschen Freistil-Ringer Karamjeet Holstein (bis 57kg), Daniel Fischer (bis 92kg) und Emil Thiele (bis 125kg) zogen in ihren Erstrundenbegegnungen jeweils den Kürzeren und schieden frühzeitig aus dem Turniergeschehen aus. Bei den Greco-Spezialisten belegte Halbschwergewichtler Darius Kiefer den Bronzerang, Louis Lay (bis 77kg) landete nach seinem Viertelfinal-Aus auf einem guten neunten Platz im Gesamtklassement. Chancenlos war hingegen Janis Heinzelbecker, der im 67kg-Limit schon nach dem ersten Kampf die Segel streichen musste.

 

Bildnachweis: © Kadir Caliskan / UWW

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