In Bestbesetzung zum Meisterschaftsfavoriten: Burghausen zu Gast in Kleinostheim

Nach überstandender Schulter-Verletzung wird Erik Thiele ins Burghauser Team zurückkehren .

„Auch wenn ich mich wiederhole: Ja, die Außenseiterrolle steht uns gut. Während uns im Viertelfinal-Hinkampf gegen Hösbach der Umstand entgegenkam, dass der KSC nicht seine optimale Aufstellung aufbieten konnte, wird uns dieses Glück in Kleinostheim unter Garantie nicht noch einmal widerfahren. Kleinostheim verfügt über den breitesten, flexibelsten und qualitativ stärksten Kader aller Bundesligisten.“ sprach Burghausens Cheftrainer Eugen Ponomartschuk im Vorfeld des Halbfinal-Schlagers gegen den SC Siegfried Kleinostheim. Die Marschrichtung dürfte klar sein: auswärts den Kampf so eng wie möglich gestalten und dann im Rückkampf zuhause mit dem Heimvorteil und den Zuschauern im Rücken den großen Favoriten ärgern.

Während die Gastgeber zwei Wochen kampffrei und damit reichlich Zeit zur Regeneration hatten, machten sich beim SVW am vergangenen Wochenende erste Blessuren bemerkbar. So fehlte beispielsweise Erik Thiele angeschlagen. „Große Spielräume und Variationsmöglichkeiten haben wir nicht – dafür ist unser Kader viel zu dünn. Wir haben im ersten Viertelfinalkampf gegen Hösbach unsere beste Mannschaft aufgeboten, ich gehe nicht davon aus, dass unsere Trainer die Mannschaft großartig durchwürfeln werden.“, so Abteilungsleiter Jürgen Löblein, der sich schon auf den Kampf in Kleinstostheim freut: „Dieser Kampf ist sicherlich eins unserer Saisonhighlights. Ich bin zuversichtlich, dass wir herausragende Kämpfe und ein beeindruckendes ringerisches Niveau zu sehen bekommen werden.“

Im Auftaktkampf der 61kg-Klasse deutet alles auf den Freistil-Spitzenkampfs zwischen Burghausens Usbeken Gulomjon Abdullaev und Kleinostheims Niklas Stechele hin. Während der Wackerianer zuletzt merklich schwächelte und zwei Niederlagen in Folge kassierte, kann man den deutschen Spitzenringer auf Seiten der Gastgeber durchaus als favorisiert ansehen. Bei den schweren Greco-Jungs gilt bei den Hausherren Franz Richter als gesetzt, der mit 120kg-Limit das Schwergewicht nahezu ausreizt. Auf Burghauser Seite hätte eigentlich der Norweger Felix Baldauf mehr Erfahrung gegen derart körperlich überlegene Gegner, sein Start gilt aber nach seinem Gewinn der Norwegischen Meisterschaften am Wochenende als unwahrscheinlich – er befindet sich aktuell im Trainingslager. Doch sein bisher ungeschlagener Teamkamerad Alex Kessidis, der in der laufenden Saison jeden seiner Kämpfe für sich entscheiden konnte, könnte Richter durchaus auf Grund seiner Agilität Paroli bieten. Als dritte Option stünde Eigengewächs Alexander Kreimer Gewehr bei Fuß, der zwar körperlich mit Richter mithalten konnte, aber in der laufenden Saison gegen den Kleinostheimer Hünen bereits eine Niederlage einstecken musste. In der Greco-Klasse bis 66kg führt beim SVW kein Weg an Christopher Kraemer vorbei, der sich in der Form seines Lebens befindet und heuer jeden Kampf siegreich gestalten konnte. Da die „Warriors“ in der Vorrunde bereits ihren polnischen Neuzugang Arslanbek Salimov ins Rennen schickten, der nur mit Ach und Krach eine vorzeitige Niederlage vermeiden konnte, wäre es keinesfalls überraschend, wenn die Gastgeber einen Nachwuchsmann in dieser Gewichtsklasse aufbieten würden, um die damit eingesparten Punkte in einer anderen Gewichtsklasse besser einsetzen zu können. Diese Klasse könnte beispielsweise das direkt anschließende Freistil-Duell des 98kg-Limits sein. Während beim SV Wacker Burghausen Erik Thiele nach seiner überstandenen Schulterverletzung wohl wieder ins Team zurückkehren wird, haben die Kleinostheimer Trainer um Chef-Coach Peter Weisenberger mehrere hochklassige Optionen. Diese beinhalten neben dem deutschen Spitzenringer Joshua Morodion auch den bulgarischen Olympiasieger Magomed Ramazanov, für den die Verantwortlichen des SC Siegfried Kleinostheim noch kurzfristig eine Starterlaubnis beantragten. Sollte tatsächlich der russisch-stämmige Ausnahmeringer auflaufen, dürfte auf Burghauser Seite die einzige Hoffnung sein, dass sein Fitness-Zustand nicht optimal ist. Für Ramazanov wäre es nämlich sein erster Kampf nach einer mehrmonatigen Verletzungspause. Im letzten Kampf vor der Pause könnte es zu einem der Schlüsselduelle des Kampfabends kommen. Während Magomed Kartojev in der 71kg-Klasse bisher eine beeindruckende Saison hinlegte, überzeugte beim SC der russische Freistil-Spezialist Nachyn Kuular nur bedingt und kam in der Hinrunde gegen Kartojev nur zu einem schmeichelhaften 3:0 Punktsieg. Als interessante Option könnte aber auch der Japaner Kaisei Tanabe gelten, der als amtierender Asienmeister nochmals mehr Qualität auf die Matte brächte als sein russischer Mannschaftskamerad.

Nach der Pause folgen dann die entscheidenden Schlüsselkämpfe dieses Halbfinal-Krachers, in denen vor allem die Trainer der Unterfranken deutlich mehr Optionen in der Hinterhand haben als Wacker-Cheftrainer Eugen Ponomartschuk. In der Klasse bis 86kg wird beim SVW Greco-Spezialist Roland Schwarz zurück im Team erwartet. Sein auf dem Papier naheliegendster Gegner wäre Routinier Pascal Eisele – ein deutscher Spitzenringer, der mit allen Wassern gewaschen ist, aber in den vergangenen Monaten immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Mit dem Serben Alexandr Komarov verfügen die Warriors aber noch über einen zweiten, körperlich überaus starken Ringer, der Schwarz vor wesentlich größere Hürden stellen würde. Ein weiteres rein-deutsches Duell bahnt sich im Greco-Kampf der 75kg-Klasse an, in dem möglicherweise Baschir Kartojev und Deniz Menekse die Klingen kreuzen werden. In der regulären Bundesliga-Saison entschied der Burghauser Shootingstar dieses Duell hauchdünn mit 2:0 für sich. Sollte Kleinostheim jedoch Artur Tatarinov aufbieten, käme es zur Neuauflage des Finalkampfs der diesjährigen Deutschen Meisterschaften – ein Kampf, der einem Halbfinale mehr als nur angemessen wäre. Die Besetzung der 80kg-Freistilkasse dürfte auf beiden Seiten eine weitere zentrale Frage darstellen. Sollten die Gastgeber ihr Eigengewächs Christopher Henn auflaufen lassen, dürften sowohl Burghausens Vize-Europameister Zelimkhan Khadjiev als auch der spanische EM-Fünfte Mohammad Mottaghinia als klar favorisiert anzusehen sein. Nichtsdestotrotz würde es nicht verwundern, wenn die Unterfranken in dieser Gewichtsklasse einen internationalen Ringer aufrücken oder abkochen lassen würden. Bedingt durch die zweiwöchige Pause wäre dieses Zeitfenster für den betreffenden Sportler optimal, sich entsprechend vorzubereiten. Eines der Highlights des Abends wird der Kampf der 80kg darstellen. Beim SVW ist traditionell Idris Ibaev gesetzt, bei den Gastgebern Alexandrin Gutu. Dieses Duell gab es in den vergangenen Jahren bereits mehrfach und jedes Mal entwickelten sich Kämpfe auf Messers Schneide. So konnte im Vorjahr der Burghauser die Siege für sich beanspruchen, heuer lag das Momentum zweimal auf Seiten Gutus. Die letzte große Frage des Abends stellt die Besetzung der 75kg-Klasse im freien Stil dar, in dem sich ein absoluter Weltklasse-Fight ergeben könnte. Sollte alles normal verlaufen, würde Burghausens amtierender Europameister David Baev auf Kleinostheims amtierenden Weltmeister Kota Takahashi treffen. Die beiden internationalen Weltklasseringer trafen bisher noch nie aufeinander, sodass vollkommen unklar ist, welcher der beiden Athleten am Ende die Nase vorn haben wird. Es wäre aber auch denkbar, dass der Japaner ins 80kg-Limit aufrückt, um dort einem der beiden Burghauser Spitzenringer besser Paroli bieten zu können. An seiner Stelle könnte dann der Nordmazedonier Rasul Shapiev das 75kg-Limit besetzen, der bereits Ex-Weltmeister Iszmail Muszukajev seine bis dahin einzige Niederlage beibringen konnte. Aus Burghauser Sicht wartet in jedem Fall eine wahrhaftige Herkules-Aufgabe, um in der Untermainhalle in Elsenfeld bestehen zu können.

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