Golden Boys: Sultan Muhametow und Daniel Meyer werden Deutsche Kadetten-Meister

- 09.03.2026, 08:00
- Von: Roman Hölzl
Mit Final-Kämpfen, die an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten waren, krönten sich Sultan Muhametow und Daniel Meyer zu den neuen Deutschen Kadetten‑Meistern. Was sich an diesem Finaltag abspielte, war nicht weniger als ein sportliches Schauspiel voller Dramatik, Willenskraft und taktischer Finesse. Während Muhametow in Luckenwalde seinen ersten nationalen Titelgewinn im griechisch-römischen Stil feiern konnte, schlug der Freistil-Spezialist Daniel Meyer in Aschaffenburg zu und sicherte sich dort die Goldmedaille.
Die Deutschen Meisterschaften der U17 im freien Stil wurden heuer durch das Ringer‑Leistungszentrum Aschaffenburg im Auftrag des Deutschen Ringer‑Bundes ausgetragen. Daniel Meyer, der seit einem Jahr die Farben des SV Wacker Burghausen vertritt, konnte in seiner noch jungen Karriere bereits auf einen zweiten Platz bei Deutschen B-Jugend Meisterschaften 2022 sowie die Bronzemedaille im Jahr 2023 zurückblicken. In den vergangenen Jahren verpasste Meyer verletzungsbedingt und in Folge gesundheitlicher Probleme die nationalen Meisterschaften und kämpfte sich nach seinem Wechsel nach Burghausen über die regelmäßigen Einsätze in der Oberliga zurück in die nationale Leistungsspitze seines Jahrgangs – nun gelang ihm der ganz große Wurf. Schon in den Poolkämpfen dominierte Meyer die Konkurrenz nach Belieben. In den ersten fünf Turnierkämpfen punktete er seine Gegner August Heiner Kotte (KFC Leipzig), Junus Ismailov (Schleswig-Holstein); Rikardo Zoto (TSV Bassum), Alexander Smirnov (KSC Graben-Neudorf) und Hugo Luther (TKSV Duisdorf) jeweils vorzeitig aus. Einzig im letzten Kampf gegen Henning Müller (RCG-Potsdam) musste Meyer über die volle Zeit gehen. Am Ende war sein 6:0 Punktsieg aber über die gesamte Kampfdauer gänzlich ungefährdet, sodass er souverän ins Finale einzog. Dort wartete mit Eduardo-Florian Citu (SV Untergriesbach) ein altbekannter Gegner, der seinerseits den zweiten Pool dominierte und ebenso ungefährdet ins Finale vorrückte. Im Finale entwickelte sich dann ein Drama, wie es Alfred Hitchcock nicht besser hätte schreiben können. Nach einem ausgeglichen Kampfverlauf erhielt zunächst der Burghauser, dann im weiteren Kampfverlauf sein Gegner Eduardo-Florian Citu einen Strafpunkt jeweils nach einer abgelaufenen Aktivitätszeit, sodass Meyer wenige Sekunden vor Kampfende in Führung lag. Dann überschlugen sich die Ereignisse: der Untergriesbacher zwang Meyer knapp 10 Sekunden zu Boden und erhöhte auf 3:1. Doch Meyer konterte, indem er wie aus dem Nichts seinen Gegner drehte und ihn damit in die gefährliche Lage verfrachtete. Der Ausgleich war geschafft, am Ende verhinderte nur der Schlussgong den Schultersieg des Burghausers. Das sollte schlussendlich aber nur Makulatur sein – der Finalsieg Meyers stand fest und damit sein erster Titelgewinn bei Deutschen Meisterschaften.
Die diesjährigen Kadetten-Meisterschaften im griechisch-römischen Stil wurden heuer in der Ringerhochburg Luckenwalde ausgetragen. Ähnlich wie sein Teamkamerad hatte die Konkurrenz in den Poolkämpfen gegen Sultan Muhametow nichts zu lachen. Seine Gegner Can-Noah Manz (SV Fellbach), Severin Attenberger (TSV St. Wolfgang) und Mark Hutornoj (TSV Gailbach) kamen allesamt nicht über die Zeit, einzig Dominik Krempin (KSK Konkordia Neuss) konnte im letzten Pool-Kampf eine vorzeitige Niederlage gegen das Burghauser Kraftpaket abwenden und unterlag am Ende „nur“ mit 5:0 nach Punkten. So kam es, dass Sultan Muhametow am Sonntag im Finale auf Erwin Lerchenberger (RSK Gelenau) traf, mit dem er noch ein Hühnchen zu rupfen hatte. Denn im Rahmen des DRB-Sichtungsturniers, das Ende Januar ausgetragen wurde, musste er sich noch unglücklich auf Schulter geschlagen geben. Und auch dieses Mal deutete zunächst nichts darauf hin, dass dem Burghauser dieses Mal die Revanche glücken sollte. Nachdem die Kampfrichter in der ersten Runde den Sachsen als aktiver ansahen, durfte Lerchenberger im angeordneten Bodenkampf die Oberlage einnehmen. Dort gelangen im zwei Durchdreher, sodass er auf 5:0 davonzog. Doch ab diesem Moment änderte sich das Kampfgeschehen gänzlich: Sultan Muhametow trat wesentlich dominanter und offensiver aus, sodass ihm in der zweiten Runde ein Take-Down gelang, durch den er auf 2:5 heranrückte. Im anschließenden Bodenkampf hob er seinen Gegner kraftvoll empor, setzte zum Wurf an und wurde mit zwei weiteren Punkten belohnt. Damit stand es 5:5, durch die zuletzt erzielte Wertung lag Muhametow in Führung. Da seinem Gegner im weiteren Kampfverlauf nichts mehr gelingen sollte, blieb es bei diesem Ergebnis, sodass der Burghauser direkt nach Abpfiff seinem Trainer Eugen Ponomartschuk jubelnd in die Arme fiel. Nach Bronze und Silber in den Jahren 2023 und 2025 erkämpfte er sich nun in beeindruckender Manier seinen ersten Deutschen Meistertitel.
„Auch wenn Sultan Muhametow und Daniel Meyer in unterschiedlichen Stilarten antreten, verbindet die beiden etwas, das mehr ist als der Titelgewinn: Es ist ihre Disziplin, ihr Trainingseifer und dieser so wichtige Ehrgeiz, der sie täglich antreibt, ihr Bestes zu geben. Diese beiden jungen Athleten haben an diesem Wochenende nicht nur Meistertitel gewonnen, sie haben für sich selbst die bestmögliche Erfahrung gemacht, und zwar, dass sich der ganze Aufwand, den sie seit Jahren betreiben, am Ende auch auszahlt. Im Namen des gesamten Trainerteams kann ich sagen: Wir sind stolz auf euch!“, gab Burghausens Cheftrainer Eugen Ponomartschuk nach den Deutschen Meisterschaften zu Protokoll.
Unter der Kategorie „gut, aber da wäre mehr drin gewesen“ fällt der Turnierauftritt von Alexander Komarovskiy, der in Luckenwalde in der 65kg-Klasse an den Start ging. Gleich zum Turnierauftakt traf er auf Willi Weiß (FC Erzgebirge Aue), der mit zu den stärksten Ringern des Starterfelds zählte. Wenngleich Komarovskiy alles gab, konnte er seine Stärken nicht wie geplant umsetzen und unterlag mit 1:5 nach Punkten. Wesentlich besser lief es für ihn in den folgenden Duellen, in denen er seine anfängliche Nervosität ablegen konnte. Gegen den Hessen Andrej Savin (SG Frischauf Fulda) zeigte er eine konzentrierte Leistung und punktete seinen Gegner noch in der ersten Runde mit 11:0 aus. Auch Lewin Schäfer (Red Devils Heilbronn) konnte im weiteren Turnierverlauf den Burghauser nicht stoppen: mit einem ungefährdeten 8:0 Sieg rang Komarovskiy auch seinen dritten Gegner nieder. Nun schien Komarovskiy richtig im Turnier angekommen und ging mit dem nötigen Maß an Selbstvertrauen in den nächsten Kampf gegen Abdul Helmand (Eintracht Frankfurt), der bis dahin ebenfalls mit starken Leistungen aufwarten konnte. In einem taktisch klug geführten Kampf entschied am Ende ein Step-Out seines Gegners nach der angeordneten Bodenlage in der zweiten Runde den Kampf zu Gunsten des Burghausers, der mit 2:1 knapp die Oberhand behielt. Im entscheidenden Poolkampf um den Einzug in die Finalkämpfe stand Komarovskiy Gabriel Petras (KSK Konkordia Neuss) gegenüber. Auch in diesem Kampf zeigte der junge Wackerianer eine konzentrierte Leistung, sodass ihm vom Kampfgericht im Bodenkampf die Oberlage zugesprochen wurde. Nach einem erfolgreichen Durchdreher ging Komarovskiy mit 3:0 in Führung, wurde dabei aber von seinem Gegner abgefangen und wenige Sekunden später geschultert. Damit platzen die bis dahin noch existenten Medaillenhoffnungen des Burghauser Nachwuchsringers von einem Moment auf den anderen. Am Ende landete er in dem fast 30-Mann starken Teilnehmerfeld auf dem guten neunten Platz, wenngleich ein vermeidbarer Fehler verhinderte, seine starke Turnierleistung in eine Topplatzierung umzumünzen.













