Erster Finalkampf geht hauchdünn an Burghausen

- 02.02.2026, 07:00
- Von: Roman Hölzl
Die Ringer des SV Wacker Burghausen konnten den Final-Hinkampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gegen den SV Germania Weingarten knapp mit 11:12 für sich entscheiden. Der Kampf hielt alles, was sich die Ringerfans erhofft hatten: hochklassige Kämpfe, einmalige Stimmung und Spannung bis zum Ende. Aber zunächst einmal muss man den Hut vor den Verantwortlichen aus Weingarten ziehen, die einmal mehr zeigten, dass sie im Gesamtkontext nicht grundlos mit zu den besten Vereinen in ganz Deutschland zählen. So verwandelten sie eine Lagerhalle in eine spektakuläre Ringkampfarena, die natürlich restlos ausverkauft war. Auf den Rängen herrschte eine elektrisierende Stimmung und die Ringer beider Mannschaften gingen über ihre Leistungsgrenze hinaus.
Den Auftakt auf der Matte machte im Limit bis 61kg-Freistil Gulomjon Abdullaev gegen den ehemaligen WM-Dritten Horst Lehr. Abdullaev diktierte den Kampf über weite Strecken, führte souverän mit 2:0, ehe Lehr in der Schlussminute mit einem Beinangriff in Führung ging. Doch Abdullaev sollte in diesem Duell auf Augenhöhe das letzte Wort haben: Ein explosiver Beinangriff 15 Sekunden vor Schluss brachte den 4:2-Punktsieg und damit die 1:0-Führung für den SV Wacker Burghausen. In der Gewichtsklasse bis 130kg bekam es Alex Kessidis im griechisch-römischen Stil mit dem zweimaligen Olympiateilnehmer Eduard Popp zu tun. Trotz eines Gewichtsnachteils von rund 30 Kilogramm stemmte sich der Wacker Athlet mit großem Kampfgeist gegen das Weingartener Schwergewicht, ließ keine Wertung zu, musste sich jedoch nach einer Verwarnung denkbar knapp mit 1:2 Punkten geschlagen geben. Beim Zwischenstand von 1:1 traf im Greco-Fight der 66kg-Klasse Christopher Kraemer auf den deutschen Vizemeister Jannis Heinzelbecker. Von Beginn an agierte Kraemer aggressiv und dominant, sammelte Punkte durch Push Outs und Take Downs. In der zweiten Halbzeit brachte er mit einem sehenswerten Ausheber die entscheidende Aktion zum technisch überlegenen Punktsieg ins Ziel. Kraemer feierte damit schon den zehnten Sieg in dieser Saison und bleibt weiterhin unbesiegt - eine sensationelle Leistung des Allgäuers. Beim Zwischenstand von 5:1 kam es im 98kg Freistilkampf zum Duell zwischen Erik Thiele und dem Franzosen Ali Umkhađjiev. Zwar ging der Weingartener zunächst mit 1:0 in Führung, doch danach übernahm Thiele das Zepter. Mit einem spektakulären Wurf aus der Kopfklammer übernahm er noch vor der Pause die Führung und baute diese in der zweiten Hälfte mit mehreren Beinangriffen und Durchdrehern konsequent aus. Am Ende setzte sich Thiele nach einer ganz starken Leistung mit 12:1 durch und brachte den SV Wacker Burghausen mit 8:1 in Führung. Im letzten Kampf vor der Pause bekam es Magomed Kartojev im 71-kg-Freistil mit dem Ukrainer Vasyl Shuptar zu tun. In einem ausgeglichenen Duell setzte Shuptar Mitte der zweiten Hälfte die entscheidende Aktion und ging mit 3:0 in Führung. Kartojev versuchte in der Schlussphase noch einmal alles, wurde jedoch gekontert und unterlag am Ende mit 5:0.
Beim Zwischenstand von 8:3 aus eröffnete im 86kg Limit die beiden Greco-Spezialisten Roland Schwarz gegen Florian Neumaier die zweite Hälfte. Wie schon in der Vorrunde brachte Neumaier seine physischen Vorteile konsequent zur Geltung und punktete im Bodenkampf mit einem Durchdreher. Der 4:0 Punktsieg bedeuteten zwei weitere Mannschaftspunkte für Weingarten. Beim Zwischenstand von 8:5 kam es in der Gewichtsklasse bis 75-kg-Greco zum Kampf zwischen Witalis Lazovski und Louis Lay. Lazovski geriet zunächst in Rückstand, erhöhte jedoch in der zweiten Hälfte das Tempo und spielte seine konditionellen Vorteile aus. Am Ende setzte sich der Wackerianer knapp nach Punkten durch und brachte den SVW mit 9:5 in Führung. Im 80-kg-Freistil Limit stand Mohammad Mottaghinia dem erst 18-jährigen Junioren-Europameister Manuel Wagin gegenüber. Das mit Abstand größte Talent des deutschen Ringsports überraschte Mottaghinia mit einem frühen Konter und ging mit 3:0 in Führung. Der Wackerianer versuchte in der zweiten Hälfte alles, konnte das Blatt jedoch nicht mehr wenden und unterlag mit 2:6 nach Punkten. Beim Zwischenstand von 9:7 traf Burghausens ehemaliger Weltmeister Iszmail Muszukajev auf Marcel Wagin. Muszukajev zeigte in der Freistilklasse bis 75kg einmal mehr Ringen auf höchstem internationalem Niveau. Mit seiner enormen Schnelligkeit und technischer Finesse punktete der Burghauser ein ums andere Mal und erzielte kurz vor Schluss mit einem explosiven Beinangriff die entscheidende Wertung zum 11:2-Punktesieg und damit drei weiteren Mannschaftspunkten für das Burghauser Team. Im letzten Kampf des Abends traf Idris Ibaev in der Gewichtsklasse bis 80kg im griechisch-römischen Stil auf den japanischen Olympiasieger Nao Kusaka. Ibaev hielt das Duell zu Beginn offen, doch der Japaner erhöhte das Tempo kontinuierlich und entschied den Kampf kurz vor Schluss bei einem Stand von 20:5 technisch überlegen für sich.
Mit diesem hauchdünnen 11:12-Auswärtserfolg ist im Rückkampf somit alles offen. Mit den Burghauser Fans im Rücken will der SV Wacker Burghausen nun alles daran setzen, in seinem "Finale dahoam" den sechsten Titel an die Salzach zu holen.
















