Der Traum vom Titel: Wacker Burghausen trifft im „Finale dahoam“ auf Germania Weingarten

Fabian Schmitt bestreitet zur Eröffnung des Kampfabends eines der Schlüsselduelle.

- 06.02.2026, 08:00
- Von: Roman Hölzl
Es ist alles für den finalen Showdown angerichtet! Wenn im Finale der Ringerbundesliga 2026 die Lichter angehen und die Matte freigegeben wird, treffen mit dem SV Wacker Burghausen und dem SV Germania Weingarten zwei Mannschaften aufeinander, die sinnbildlich für Leidenschaft, Disziplin und Spitzenringkampf in Deutschland stehen. Wochen der Vorbereitung münden nun in Sekunden der Entscheidung, Erwartungen prallen auf Nervenkitzel. Der SV Wacker Burghausen führt mit nur einem Punkt, noch ist nichts entschieden – aber schon jetzt ist klar: Dieses Finale verspricht große Emotionen, packende Duelle, Spannung bis zum Schluss und Ringsport auf allerhöchstem Niveau.
Schon in der Vorwoche war der erste Finalkampf in Weingarten an Spannung kaum zu überbieten. Die Germanen verwandelten die heimische GrubArena – eine komplett umfunktionierte Lagerhalle – in einen Tempel des Ringsports. Dies sah auch der ehemalige Weingartner und dreifache Weltmeister Frank Stäbler nach diesem nervenaufreibenden Kampfabend so: „Das war ein Traumfinale, das jedes Ringerherz höherschlagen lässt. Es war eine außergewöhnliche Atmosphäre in Weingarten. […] Nach dem knappen Ergebnis wird der Rückkampf sicherlich extrem spannend. Die Chancen stehen 50/50. Ein Punkt wird entscheiden.“ Auf Burghauser Seite würde man sich sicherlich freuen, wenn Stäbler mit seiner Einschätzung Recht behalten würde: Denn mit genau einem Punkt Vorsprung sicherte sich der SV Wacker Burghausen einen hauchdünnen 11:12 Auswärtssieg und startet damit in den zweiten und allesentscheidenden Finalkampf mit einem minimalen Vorsprung. „Schon in Weingarten hat man gesehen, dass sich heuer im Finale zwei würdige Mannschaften gegenüberstanden, die absolut auf Augenhöhe agierten. In Verbindung mit der einmaligen Atmosphäre vor Ort war dieses Event auf jeden Fall Werbung für den Ringsport in Deutschland, wie er sein sollte!“, zeigte sich Burghausens Cheftrainer Eugen Ponomartschuk voll des Lobs für die Gastgeber des Hinkampfs und fährt emotional fort: „Wir haben das ganze Jahr für genau diesen Moment gearbeitet. Jetzt geht es um Herz, Mut und den unbedingten Willen, Geschichte zu schreiben. Ein Finale gewinnt man mit dem Kopf und dem Herzen. Wer am Samstag rausgeht und die Burghauser Farben vertritt, muss bereit sein, alles auf der Matte zu lassen. Wir wollen den Titel holen!“
Nun beginnt der Aufstellungspoker, wenngleich beiden Finalisten verglichen mit anderen Teams aus der Bundesliga nur verhältnismäßig wenige Variationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. So ist im Eröffnungskampf der Greco-Klasse bis 61kg – zeitgleich auch ein wichtiger Schlüsselkampf des Abends – auf Burghauser Seite Routinier Fabian Schmitt gesetzt. Bei den Gästen bestritt der 28-jährige Daniel Layer, ein mehrfacher Medaillengewinner bei Deutschen Meisterschaften, bisher alle Mattengefechte in den Play-Offs. Sollte es zu diesem Duell kommen, wäre der Ausgang vollkommen offen. Als mögliche Alternative könnte Weingarten den Russen Dovudzhon Toshev ins Rennen schicken, der als weitaus stärkerer Gegner für Schmitt einzuschätzen wäre. Nicht viel anders stehen die Vorzeichen im Limit bis 130kg, in dem auf Burghauser Seite an Freistil-Ass Erik Thiele kein Weg vorbeiführt. Der amtierende Deutsche Meister könnte entweder auf Etienne Wyrich treffen – im Falle dieses Duells müsste der Burghauser einen hohen Sieg einfahren, um seinem Team eine optimale Ausgangslage für den weiteren Kampfabend gewähren zu können. Mit Zelimkhan Khizriev verfügt der Gast jedoch noch über einen bärenstarken Russen im Kader, der in der laufenden Saison allerdings noch kein einziges Mal zum Einsatz kam. Ob die Gästetrainer um Chef-Coach Frank Heinzelbecker diese Möglichkeit ernsthaft in Betracht ziehen, wird ein gut gehütetes Geheimnis bleiben. Auch im Limit bis 66kg wird im freien Stil ein weiterer Kampf auf Augenhöhe erwartet. So zeichnete sich in den Play-Offs auf beiden Seiten ab, dass beim SVW Gulomjon Abdullaev und bei den Germanen ihr Ukrainer Vasyl Shuptar als gesetzt gelten. Das Duell zwischen dem Olympia-Dritten und dem WM-Fünften könnte mit zu den wichtigsten Kämpfen des gesamten Finalkampftags werden. Ein Sieg in einem derartigen Schlüsselkampf wäre für beide Teams Gold wert. In der Klasse bis 98kg wird im griechisch-römischen Stil ein Kampf zu erwarten sein, in dem der Burghauser Ringer definitiv Gewichtsvorteile mit sich bringen wird. Da Alex Kessidis auf Burghauser Seite konstant starke Leistungen ablieferte, dürfte das Burghauser Trainergespann keinen Grund haben, in dieser Klasse eine personelle Änderung vorzunehmen. Dasselbe gilt für die SV Germania Weingarten in Person von Florian Neumaier, der im Hinkampf auf Grund seiner körperlich starken Ringerweise Roland Schwarz in die Knie zwingen konnte. Man darf im Kampf dieser beiden physisch dominant auftretenden Ringer gespannt sein, wer sich am Ende durchsetzen kann und seinem Team wichtige Punkte beschert. Im letzten Duell vor der Pause könnte sich schon eine kleine Vorentscheidung anbahnen, denn im Greco-Limit bis 71kg stehen sich höchstwahrscheinlich Witalis Lazovski und der französische Olympiateilnehmer Mamadassa Sylla gegenüber. Auf dem Papier ist der Gast sicherlich favorisiert, doch Lazovski hat in den letzten Wochen bereits mehreren Favoriten ein Bein gestellt.
Nach dem wohlverdienten Pausentee werden die Freistilringer der 86kg auf die Matte gehen und den zweiten Kampfabschnitt eröffnen. Dies bedeutet für Burghausens Eduard Tatarinov, dass er sich höchstwahrscheinlich mit dem Aserbaidschaner Gadzhimurad Magomedsaidov messen muss. Wenngleich der Weingartner im Jahr 2019 die Silbermedaille bei den U23 Weltmeisterschaften gewinnen konnte, blieben große internationale Erfolge in den letzten Jahren aus. Man darf gespannt sein, wie sich der Wackerianer gegen seinen international erfahrenen Gegner schlagen wird – alles in allem wird mit einem knappen Kampfausgang zu rechnen sein. In der Gewichtsklasse bis 75kg standen sich im Hinkampf Iszmail Muszukajev und Marcel Wagin gegenüber. Durch einen klaren 11:2 Sieg sicherte der ehemalige Weltmeister in Burghauser Diensten seinem Team drei wichtige Mannschaftspunkte. Ob der sympathische Ungar erneut dieses Duell bestreiten wird, oder ob der amtierende Europameister David Baev auf die Matte geht, dürfte sich wohl erst kurz vor dem Kampf entscheiden. Beide Wackerianer dürften diesen Kampf in einer klaren Favoritenrolle bestreiten – ein hoher Sieg wäre aus Burghauser Sicht enorm wichtig. Gänzlich anders sehen hingegen die Vorzeichen im Greco-Gefecht der 80kg-Klasse aus. Im Hinkampf kreuzten Burghausens Idris Ibaev und Olympiasieger Nao Kusaka die Klingen. Mit 20:5 setzte sich Weingartens Olympiasieger vorzeitig gegen den Burghauser U23-Weltmeister des Jahres 2021 durch und war damit einer der wichtigsten Faktoren für die Badener, den Rückstand vor dem entscheidenden Rückkampf auf ein Minimum begrenzen zu können. Im vorletzten Fight des Abends steht das spannungsgeladene Duell der 75kg-Klasse im griechisch-römischen Stil an. Nachdem auf Burghauser Seite Witalis Lazovski höchstwahrscheinlich im Limit bis 71kg anzutreffen sein wird, dürfte der Platz in der 75kg-Klasse aller Voraussicht nach vom deutschen Vizemeister Baschir Kartojev besetzt werden. Bei den Gästen bieten sich in dieser Klasse zwei Optionen an: Einerseits könnte Louis Lay, einer der größten deutschen Hoffnungsträger im griechisch-römischen Stil, diesen enorm wichtigen Kampf bestreiten. Als zweite Variante würde sich der Georgier Otar Abuladze, der WM-Dritte des Jahres 2024, anbieten. Ob dieser aber dermaßen stärker einzuschätzen ist als sein Mannschaftskamerad Louis Lay, darf bezweifelt werden, sodass aktuell eher die Tendenz zum Duell der beiden deutschen Spitzen-Nachwuchsringer geht. Sollte das Finale nach neun Einzelkämpfen noch immer nicht entschieden sein, wird in der Freistilklasse bis 80kg der letzte Vorhang fallen. Dort deutet alles auf eine Neuauflage des Duells zwischen Mohammad Mottaghinia und Weingartens Manuel Wagin hin. Manuel Wagin gilt als größtes deutsches Freistiltalent seit Jahren und erkämpfte zuletzt bei den U20 Europameisterschaften die Goldmedaille. Mohammad Mottaghinia wird auf alle Fälle einen kühlen Kopf behalten müssen, um gegen seinen aufstrebenden Gegner eine weitere Niederlage abwenden zu können.
Welches Team sich am Ende die diesjährige Krone im Mannschaftsringen aufsetzen wird: Beiden Teams gebührt bereits jetzt größter Respekt – sie haben den Weg ins Finale mit Leistung, Leidenschaft und Teamgeist verdient. Dieses Finale ist daher nicht nur der Höhepunkt der Saison, sondern auch eine Anerkennung für all das, was beide Mannschaften bis hierhin geleistet haben.
Die Sportparkhalle öffnet am Samstag wie schon in den gesamten Play-Offs ihre Pforten um 17:00 Uhr. Abseits der Matte gibt es ein interessantes Rahmenprogramm: Für die Nationalhymne und eine Gesangseinlage in der Halbzeit konnte der SV Wacker Burghausen mit Klara-Sophie Heim eine aufstrebende Sängerin engagieren. In der Grillhütte werden die Zuschauer mit Grillspezialitäten, u.a. der Burghauser Ringerwurst, verköstigt. Dazu wird passend zum winterlichen Wetter Glühwein ausgeschenkt. In der Halle gibt es die klassischen Ringer-Köstlichkeiten: warme Leberkäs-Semmeln, diverse Kuchen und andere Schmankerl. Nach dem Finale können die Fans gemeinsam im Rahmen einer kleinen und gemütlichen After-Party den Abend ausklingen lassen.















