Alles oder nichts: Am Samstag geht es um den Finaleinzug

Eduard Tatarinov möchte auch im Halbfinale jubeln und den Finaleinzug klarmachen!

- 22.01.2026, 08:20
- Von: Roman Hölzl
Wenn am Samstag die Lichter in der Burghauser Sportparkhalle ausgehen und sich alle Augen auf die Ringermatte richten, geht es um weit mehr als nur ein weiteres Duell in der Ringer-Bundesliga: Im Halbfinal-Rückkampf treffen die Schwerathleten des SV Wacker Burghausen und des SC Siegfried Kleinostheim in einem Duell aufeinander, das Spannung, Leidenschaft und höchste sportliche Dramatik verspricht – denn jetzt entscheidet es sich, wer den Traum vom Finale verwirklichen kann. Nach einem dramatischen Hinkampf können die Vorzeichen kaum ausgeglichener sein – mit einem 10:10 Unentschieden trennten sich beide Teams in der Vorwoche, sodass für die Ringerfans nun maximale Spannung garantiert ist.
Ein harter und steiniger Weg liegt hinter den Burghauser Ringern, die in der laufenden Saison mit einer Vielzahl an Widrigkeiten – allen voran mit der Einhaltung des notwendig gewordenen Sparplans - zu kämpfen hatten. Dass sich die Wackerianer nach einem fulminanten Auftritt beim Halbfinal-Hinkampf gegen Kleinostheim nun berechtigte Hoffnungen auf den Finaleinzug machen können, war bis vor einigen Wochen noch nahezu undenkbar. Trotzdem kommen gemischte Emotionen bei den Burghauser Verantwortlichen auf, wenn es um den Hinkampf in der Elsenfelder Untermainhalle geht. „Einerseits muss man den Hut vor unseren Sportlern ziehen, die gegen Kleinostheim eine Wahnsinns-Leistung abrufen konnten und so das Kleinostheimer Tollhaus nahezu zum Verstummen brachten. Auf der anderen Seite wurden Entscheidungen getroffen, die für uns so nicht nachvollziehbar waren. Unser Team hätte den Sieg in diesem hochklassigen Duell von Spitzenathleten absolut verdient“, rekapituliert Jürgen Löblein, der Abteilungsleiter der Burghauser Ringer, die Vorkommnisse der Vorwoche mit einem beeindruckenden Maß an Zurückhaltung in seiner Wortwahl. „Am Ende wird am Samstag die Tagesform entscheidend sein. Ich bin mir sicher, dass wir mit unseren Fans im Rücken das Unmögliche möglich machen können. Das ganze Team will ins Finale, jeder ist heiß und fiebert dem Kampf am Samstag entgegen.“
Schon im Viertelfinale gegen Hösbach kam der Wechsel der Stilarten den Burghauser Ringern nicht entgegen, nun gegen Kleinostheim erscheinen zumindest auf dem Papier die Vorzeichen aus Burghauser Sicht besser. Denn nicht nur die Burghauser Staffel, auch das dem Team der Gäste dürfte im Vorkampf stärker einzuschätzen sein als nun im entscheidenden Rückkampf. Den Auftakt wird auf Burghauser Seite sicher Fabian Schmitt bestreiten, der im Greco-Kampf der 61kg-Klasse leicht favorisiert ins Rennen geht. Als designierter Gegner könnte Peter Weisenberger entweder die junge Nachwuchshoffnung Ivan Seibel ins Rennen schicken, alternativ wäre auch der eigentliche Freistilringer Niklas Stechele eine Option, der als ringerisches „Multifunktionswerkzeug“ nicht seinen ersten Kampf stilartfremd bestreiten würde und dabei als technisch starker Athlet meistens eine gute Figur abgab. Auch im Freistil-Schwergewicht gibt es auf Burghauser Seiten keine Optionen: bereits im Hinkampf stellte sich der angeschlagene Erik Thiele in den Dienst der Mannschaft, im Rückkampf wird er nun im Schwergewicht auflaufen. Da der Kleinostheimer Joshua Morodion bereits am vergangenen Wochenende die Matte als knapper Sieger verließ, würde es nicht überraschen, wenn es am Samstag zur Neuauflage dieses Kampfes käme. Als zweite Option steht den Unterfranken der erfahrene Russe Tamerlan Rasuev zur Verfügung, der in der regulären Bundesligasaison ebenfalls einen knappen Sieg gegen Thiele erringen könnte. Im Limit bis 66kg bieten sich den Gästen zwei Möglichkeiten an: entweder der deutsche Spitzen-Ringer Niklas Stechele rückt eine Gewichtsklasse auf, oder die Gäste schicken mit Kaisei Tanabe den amtierenden Asienmeister ins Rennen. Beim SVW bestritt Jamshed Panjshiri in der laufenden Saison die meisten Einsätze in dieser Gewichtsklasse, der aber gegen beide Kleinostheimer Athleten auf verlorenem Posten stehen würde. Im Viertelfinale besetzte zuletzt Burghausens Usbeke Gulomjon Abdullaev das 66kg-Limit, der aber bedingt durch seinen Gewichtsnachteil ebenfalls keinen leichten Stand hatte. Im Greco-Kampf der 98kg Klasse verfügen beide Teams über je zwei Wahlmöglichkeiten. Während beim SVW entweder mit dem wiedergenesenen Schweden Alex Kessidis oder dem Norweger Felix Baldauf zu rechnen ist, würde sich bei den „Warriors“ ihr Spitzentalent Darius Kiefer anbieten, der mit zu den größten deutschen Nachwuchshoffnungen im griechisch-römischen Stil zählt. Aber auch Altmeister Pascal Eisele, der eigentlich in der 86kg-Klasse beheimatet ist, könnte auf Grund seiner geringeren Bewertung im Punktesystem der Bundesliga eine valide Option darstellen. Im letzten Kampf vor der Pause kommt es anschließend zum Kräftemessen in der 71kg-Klasse, in der im Rückkampf auf Burghauser Seite Witalis Lazovski gesetzt ist. Er wird es entweder mit Deniz Menekse oder dem Kroaten Dominik Etlinger zu tun bekommen. Nachdem Lazovski bei den letzten beiden Aufeinandertreffen mit Menekse zweimal die Matte als haushoher Sieger verließ, geht die Tendenz eher in Richtung des Einsatzes des erfahrenen Kroaten, der in seiner langen internationalen Karriere auf mehrere Spitzenplatzierungen bei Welt- und Europameisterschaften zurückblicken kann.
Nach der Pause erreicht dann der Aufstellungspoker seinen Höhepunkt, denn die weiteren Mattengefechte gelten allesamt als Schlüsselkämpfe, deren Ergebnisse höchstwahrscheinlich über den Finaleinzug entscheiden werden. Sollte bei den Gästen Joshua Morodion nicht im Schwergewicht zum Einsatz kommen, wird er ohne jeden Zweifel im Freistil-Duell der 86kg-Klasse mit Burghausens Eduard Tatarinov die Klingen kreuzen. Beide Ringer befinden sich aktuell in absoluter Top-Verfassung, sodass ein klarer Favorit vorab nicht zu erkennen ist. Die große Frage auf Burghauser Seite wird wie schon in der Vorwoche die Besetzung der 75kg-Freistilklasse darstellen. Im Hinkampf fehlte Punktegarant und Europameister David Baev, der sich im Trainingslager mit der russischen Nationalmannschaft befand. Ob er für den entscheidenden Rückkampf losgeeist werden kann, wird sich kurzfristig entscheiden. An seiner Stelle könnte Ex-Weltmeister Iszmail Muszukajev eine Klasse aufrücken, um sich höchstwahrscheinlich mit Rasul Shapiev zu messen, der ihm vor rund zwei Jahren seine erste Niederlage in der Bundesliga zufügte. Damit würde der sympathische Ungar in Diensten des SV Wacker Burghausen nochmals die Chance erhalten, diese Scharte auszubügeln. Neben Shapiev könnte Kleinostheim aber auch auf den aus Japan stammenden amtierenden Weltmeister Kota Takahashi zurückgreifen, der allerdings mit 8 Punkten durchaus nicht leicht in der Kleinostheimer Mannschaftsaufstellung unterzubringen sein dürfte. Relativ eindeutig zeichnet sich anschließend die Neuauflage des strittigsten Duells des Hinkampfs ab: So wird im Greco-Fight der 80kg Klasse Idris Ibaev erneut auf Alexandrin Gutu treffen. Auch der anschließende Vergleich in der Greco-Klasse bis 75kg bot auf Grund einer kapitalen Fehlentscheidung des Kampfgerichts gegen den Wackerianer am vergangenen Wochenende unnötig viel Diskussionsstoff. Sollte es erneut zum Duell zwischen Burghausens Shooting-Star Baschir Kartojev und dem amtierenden Deutschen Meister Artur Tatarinov kommen, wäre der Burghauser auf Grund seiner fulminanten Leistung am vergangenen Wochenende als favorisiert anzusehen. Sollten die Gäste jedoch diesen erneuten Vergleich scheuen, bestünde noch die Möglichkeit, dass der Georgier Giorgi Chkhikvadze – seines Zeichens U23-Welmeister des Jahres 2024 – in den Ring steigt, um so die Kleinostheimer Chancen zu erhöhen. Doch selbst diesen Vergleich müsste Katojev auf Grund seiner bestechenden Form nicht scheuen. Sollte bis dahin der Finalist noch nicht feststehen, wird die Entscheidung im letzten Kampf des Abends fallen – der Freistilbegegnung im Limit bis 80kg. Dort wird beim SVW höchstwahrscheinlich erneut der Spanier Mohammad Mottaghinia das Vertrauen von Cheftrainer Eugen Ponomartschuk geschenkt bekommen. Wenn Kleinostheim erneut den Russen Khamzat Eldarov aufbieten sollte, würde ein Duell auf Augenhöhe garantiert sein. Wenngleich der Burghauser sich im Hinkampf knapp mit 10:6 nach Punkten durchsetzen konnte, wäre eine Wiederholung dieses Ergebnisses nicht garantiert.
Bereits am Freitag findet ab 16:00 Uhr der Ticket-Vorverkauf fürs Halbfinale an der Sportparkhalle statt. Dort sind auch die heiß begehrten nummerieren Sitzplätze im Innenraum der Halle zu erhalten. Die Sportparkhalle öffnet am Samstag wie schon im Viertelfinale ihre Pforten um 17:00 Uhr. Abseits der Matte gibt es erneut ein interessantes Rahmenprogramm: von 17:00 bis 18:00 Uhr haben die Burghauser Ringer eine Happy Hour ausgerufen – damit gibt es eine Stunde lang vergünstigte Getränke, um den Zuschauern das Warten auf den Kampfbeginn zu erleichtern. In der Grillhütte werden die Zuschauer mit Grillspezialitäten, u.a. der Burghauser Ringerwurst, verköstigt. Dazu wird passend zum winterlichen Wetter Glühwein ausgeschenkt. In der Halle gibt es die klassischen Ringer-Köstlichkeiten: warme Leberkäs-Semmeln, diverse Kuchen und andere Schmankerl. Wie schon in den letzten Jahren können die Zuschauer auch heuer wieder in der Halbfinal-Tombola eine Vielzahl an interessanten Preisen abstauben. Nach dem Kampftag können die Fans gemeinsam im Rahmen einer kleinen und gemütlichen After-Party den Abend ausklingen lassen.















