Der perfekte Ort für den Abschied von Olympia
Der 16. Februar ist bei den Olympischen Winterspielen in Norditalien ein wettkampffreier Tag für die Langläuferinnen, für Katharina Hennig Dotzler aber wird es trotzdem ein besonderer Tag sein. An jenem Datum gewann die 29-Jährige vor vier Jahren in Peking die Goldmedaille im klassischen Teamsprint. Wohl jeder Wintersportfan erinnert sich an den Kommentar von SWR-Reporter Jens-Jörg Rieck, dem in dem Moment, in dem Schlussläuferin Victoria Carl als Erste die Ziellinie überquerte, die Stimme überschlug: „Ja, hast du denn die Pfanne heiß“, dieser Ausruf ist zum Klassiker geworden und bringt auch Katharina immer noch zum Schmunzeln. Seit jenem Triumph haben Victoria Carl und sie an jedem Jahrestag die Erinnerungen gemeinsam aufleben lassen. In diesem Jahr allerdings wird das anders sein.
Wegen eines Dopingvergehens ist die 30-Jährige vom SCM Zella-Mehlis suspendiert. Das endgültige Urteil steht aus, die Winterspiele verpasst sie aber auf jeden Fall, und um nicht noch tiefer in der sowieso schon klaffenden Wunde zu bohren, wird Katharina während ihres Aufenthalts in Val di Fiemme keinen Kontakt mit ihrer Goldpartnerin aufnehmen. „Es ist für sie eine sehr harte Zeit, ich wünsche ihr viel Kraft und die richtigen Leute um sich herum. Besonders am 16. Februar werde ich sehr an sie denken“, sagt die Athletin vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal am Donnerstagmittag bei der Team D Einkleidung in der MTC World of Fashion in München. Trotz der Atemschutzmaske, die sie trägt, um drei Wochen vor dem Olympiastart keine Erkrankung mehr zu riskieren, ist ihr die Betroffenheit aus dem Gesicht zu lesen.
2022 hat sie gelernt, was ein freier Kopf bedeutet
Die Erinnerungen an den Tag ihres größten sportlichen Erfolgs vermag die Tragik um ihre Teamkollegin indes nicht zu trüben. Wobei die Goldmedaille in der Rückschau nicht ihr emotionalstes Olympiaerlebnis darstellt. Vier Tage zuvor hatte sie mit der 4x5-km-Staffel Silber gewonnen. „Es war nach vielen vergebenen Anläufen, in denen wir manchmal ganz knapp verpasst hatten, aufs Podest zu kommen, endlich die erhoffte Medaille bei einem Großereignis, deshalb waren die Gefühle dabei noch intensiver als beim Olympiasieg“, sagt sie. Als Schlussläuferin Sofie Krehl (30/SC Oberstdorf) ihre gut zwei Sekunden Vorsprung auf Schwedens Jonna Sundling ins Ziel gerettet hatte, sei eine solche Last abgefallen, „dass ich mich wie befreit gefühlt habe. In den Teamsprint bin ich deshalb so gelöst wie nie in ein olympisches Rennen gegangen. Ich hatte eine Medaille sicher, die konnte mir niemand mehr nehmen. An dem Tag habe ich gelernt, was es bedeutet, wenn der Kopf wirklich frei ist. Wir hatten einfach nur Spaß“, sagt sie.
Dieses Gefühl zu konservieren und in folgende Rennen hinüberzuretten, habe sie zwar versucht, gelungen sei es ihr nicht. „Jede Athletin, jeder Athlet kennt das: Manchmal hat man einen Lauf, dann entwickelt sich ein Selbstverständnis, das einen in einen Flow versetzt. Das funktioniert zumindest bei mir aber nur über Erfolge und die daraus resultierende Sicherheit. Umgekehrt ist es aber so, dass negative Erfahrungen auch dazu führen können, dass gar nichts mehr läuft. Wenn Scheiße, dann Scheiße mit Schwung“, sagt sie. Und Schwung dieser Art hat Katharina, die seit der Hochzeit mit ihrem langjährigen Partner Christian Dotzler an Ostern 2025 ihren Doppelnamen trägt, in den vergangenen zwei Jahren einigen mitgenommen. Zuletzt zog sie sich über den Jahreswechsel aus der Tour de Ski zurück, weil sie sich nicht zu 100 Prozent wettkampfbereit fühlte und mit Blick auf die Olympischen Spiele nichts riskieren wollte.
„Am Ende fragt niemand, wie viele Interviews du gegeben hast“
Doch, ein kleiner Showman sei er schon, sagt Finn Sonnekalb, als er am Freitagnachmittag im Rahmen der Team D Einkleidung in der MTC World of Fashion in München gefragt wird, wie das denn so sei mit der vielen Aufmerksamkeit, die ihm gerade zuteilwird. Den Zusatz „klein“ kann man allein deshalb schon streichen, weil Deutschlands neue Eisschnelllauf-Hoffnung mit 1,93 Metern Körperlänge nicht nur optisch fast alle überragt. Wer ihn beobachtet, wie er wippenden Schritts und in Adiletten in Begleitung mehrerer Teamkollegen seinen Einkaufswagen über die Eventfläche schiebt, an jedem Stand aufs Neue selig wie ein Kind am Heiligen Abend die nächsten Kleidungsstücke anprobiert und dabei alle, die um ihn herumstehen, in Gespräche verwickelt, kann erahnen, wieviel Showtalent in diesem 18-Jährigen steckt, der im Februar in Mailand seine Premiere bei Olympischen Winterspielen erleben wird.
Patrick Beckert dagegen absolviert seine Einkleidung zwar ebenfalls seinem Charakter entsprechend, aber im größtmöglichen Kontrast. Nur in Begleitung seiner Ehefrau Lara Eileen, die er im vergangenen Sommer in London ebenso still geheiratet hat, packt der 35-Jährige die gut 60 Teile umfassende Kollektion in die zwei dafür bereitgestellten Taschen. Die Routine eines Athleten, der zum fünften Mal am größten sportlichen Wettkampf teilnehmen wird, ist ihm aus fast jeder Bewegung, jeder Geste abzulesen. Und trotzdem spürt man, was es ihm bedeutet, ein weiteres Mal - und, da ist er entschieden, das letzte Mal - Teil von Team Deutschland zu sein.
Patrick Beckert gab mit 19 sein Olympiadebüt
Finn Sonnekalb, der auf sehr sympathische Art die Unbekümmertheit eines 18-Jährigen in all seine Aussagen einfließen lässt, zum Schweigen zu bringen, scheint ungefähr so erfolgversprechend, wie Donald Trump die Egozentrik auszutreiben. Aber im Gespräch, zu dem die Team D Medienabteilung ihn und Patrick Beckert gebeten hat, gibt es dann doch einige Momente, in denen der Shootingstar der Eisschnelllaufszene fast andächtig lauscht. 2010, als er in Vancouver sein Debüt unter den fünf Ringen gab, war Patrick 19 Jahre alt und ein ebenso idealistischer Youngster wie Finn. Auf die Frage, was er aus seiner Erfahrung von damals dem nur halb so alten Teamkollegen rate, sagt er: „Ich würde empfehlen, dass er es einfach genießt, denn man weiß nie, ob es noch ein nächstes Mal gibt. Er soll die beste Leistung abrufen, die in ihm steckt, aber sich nicht von den Erwartungen von außen ablenken lassen.“
Das allerdings ist möglicherweise leichter gesagt als getan. Die Bronzemedaille, die Jens Boden 2002 in Salt Lake City gewann, ist das bislang letzte olympische Edelmetall, das ein deutscher Eisschnellläufer holte. Die Sehnsucht nach einem Nachfolger ist riesig, entsprechend groß ist die Hoffnung, seit Finn Sonnekalb beim Weltcup-Auftakt in Salt Lake City (USA) Mitte November über die 1.500 Meter als Dritter nicht nur den ersten deutschen Podiumsplatz auf dieser Strecke seit 24 Jahren sicherte, sondern mit seinen 1:41,33 Minuten auch den bisherigen deutschen Rekord von Hendrik Dombek (1:43,73) pulverisierte und einen neuen Junioren-Weltrekord aufstellte. Auch über die 1.000 Meter schaffte er in 1:06,48 Minuten einen neuen deutschen Rekord und damit die doppelte Olympianorm.
Deutschland im Handballfieber mit Julian Köster
Nach dem historischen Erfolg der deutschen Frauen bei der Handball-Weltmeisterschaft, bei dem die Silbermedaille für enorme Aufmerksamkeit sorgte, richtet sich der Blick nun auf die Handball-Europameisterschaft der Männer, die am 15. Januar 2026 beginnt.
Julian Köster, Rückraumspieler beim VfL Gummersbach und wichtiger Akteur im deutschen Team, gibt im Gespräch spannende Einblicke in die Vorbereitung auf das Turnier und erklärt, warum Handball weit mehr ist als nur ein schneller Mannschaftssport. Wir sprechen über den aktuellen Hype der Sportart, seine persönlichen Anfänge und Rituale sowie darüber, warum es sich lohnt, Handball nicht nur zu verfolgen, sondern auch selbst im lokalen Sportverein aktiv zu werden. Zudem berichtet Köster von seinem Engagement bei Special Olympics Deutschland und seinem Wunsch, mehr Sichtbarkeit und (Sport-)angebote für Menschen mit Behinderungen zu schaffen.
DOSB veröffentlicht ersten Sustainability-Report
Mit der Veröffentlichung seines ersten Nachhaltigkeitsberichts setzt der DOSB ein deutliches Zeichen für verantwortungsvolles Handeln im organisierten Sport. Der 1. DOSB Sustainability Report 2024/2025 dokumentiert erstmals systematisch, wie Nachhaltigkeit in sozialen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen im DOSB verankert ist.
Der Bericht ist Teil der 2024 überarbeiteten Nachhaltigkeitsstrategie des DOSB und orientiert sich an den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Ziel ist es, das eigene Handeln transparent darzustellen, Fortschritte sichtbar zu machen und den nachhaltigen Wandel im Sport aktiv zu gestalten.
Die größte Umkleidekabine Deutschlands
Zwei Wochen, ein klares Ziel und jede Menge Team-Spirit: Mit der offiziellen Einkleidung startet Team Deutschland in die heiße Phase auf dem Weg zu den Olympischen und Paralympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026. Vom 7. bis 20. Januar 2026 wird das MTC world of fashion in München zum Treffpunkt für Athlet*innen, Trainer*innen und Betreuer*innen und zur wohl größten Umkleidekabine des deutschen Sports.
Die Team D Einkleidung: Zahlen, die beeindrucken
- Über 400 Athlet*innen sowie Trainer*innen und Betreuer*innen werden eingekleidet
- 7 olympische Spitzenverbände plus der Deutsche Behindertensportverband (DBS) sind vertreten
- Fast 70 Teile umfasst die offizielle Team-D-Kollektion von Ausrüster adidas
- 3.500 Quadratmeter Eventfläche auf zwei Ebenen
- 2 bis 3 Stunden dauert der komplette Einkleidungs-Durchgang pro Person
- Rund 80 Volunteers sorgen für einen reibungslosen Ablauf
- Rund 70 akkreditierte Journalist*innen berichten von der Einkleidung
Von Jacke bis Schuh: Die Einkleidung im Detail
Herzstück der Einkleidung ist die strukturierte Ausgabe der offiziellen adidas Kollektion. An mehreren Ausgabestationen erhalten Athlet*innen, Trainer*innen und Betreuer*innen ihre komplette Ausstattung für alle Einsatzbereiche der Olympischen und Paralympischen Spiele. Dazu zählen Village-Outfits für den Alltag im Olympischen Dorf, Opening-Outfits für die Eröffnungsfeier sowie die Podium-Bekleidung für den großen Moment der Siegerehrung. Ergänzt wird die Ausstattung durch verschiedene Jacken, Oberteile und Hosen in Damen- und Herrenschnitten, Schuhe, Accessoires sowie Taschen. Das zentrale „Key Piece“ der Kollektion bildet dabei das visuelle Highlight des Team-D-Looks für Mailand Cortina 2026.
Alle Stationen sind in einem klaren Ablauf organisiert, sodass jede Person ihre individuelle Ausstattung effizient anprobieren und zusammenstellen kann. Der komplette Durchgang dauert rund zwei bis drei Stunden. Ergänzt wird die Einkleidung durch Portrait- und Kampagnenshootings, Content-Stationen sowie eine Mixed-Zone für Mediengespräche. Aber auch zu den Themen Olympiabewerbung, Anti Doping und mentale Stärke können sich die Athlet*innen informieren.
Der DOSB - wie funktioniert der eigentlich?
Welches Selbstverständnis wir, der Deutsche Olympische Sportbund, haben, ist auf unserer Homepage zu lesen: „Wir sind die Stimme des Sports in Deutschland. Wir engagieren uns für den Vereinssport und für alle, die unsere Liebe zum Sport teilen. Wir stehen für die Olympische Idee und sind Teil der Olympischen und Paralympischen Bewegung“, steht dort geschrieben. Als Dachverband des organisierten Sports in Deutschland sind wir für 103 Mitgliedsorganisationen, für 29,3 Millionen Mitgliedschaften in rund 86.000 Vereinen verantwortlich. Aber wie funktioniert der DOSB? Welche Gremien und welche Fachressorts gibt es, und wie hängen die einen mit den anderen zusammen? Anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens, das wir am 20. Mai feiern, haben wir im Rahmen unserer Serie „20 Jahre DOSB“ Daniel Marchi gebeten, Aufklärung zu leisten. Der 33-Jährige ist Referent des Vorstandsvorsitzenden und als Projektleiter Mitgliederversammlung ein profunder Kenner der DOSB-Strukturen.
Die beiden Kernaufgaben des DOSB, dessen Rechtsform der eingetragene Verein ist, sieht der frühere Mittelstreckenläufer im Interessenausgleich nach innen und der Interessenvertretung nach außen. „Unser Auftrag besteht darin, eine gemeinsame Stimme des Sports zu schaffen. Dafür müssen wir die verschiedenen Strömungen im organisierten Sport bündeln und unsere Anliegen geschlossen in der Öffentlichkeit vertreten. Hierfür braucht es klare Botschaften, Empathie und Führungsverantwortung“, sagt er. Die Governance des DOSB ist demokratisch aufgebaut und beruht auf drei zentralen Organen: der Mitgliederversammlung, dem ehrenamtlichen Präsidium und dem hauptamtlichen Vorstand. Kurz gesagt legt die Mitgliederversammlung den normativen Rahmen fest, das Präsidium entwickelt hieraus strategische Leitlinien und der Vorstand setzt diese operativ um. Die dahinter liegenden Prozesse sind in der Satzung geregelt und legen fest, wie Entscheidungen getroffen, Verantwortlichkeiten verteilt und Risiken überwacht werden.
Die Souveräne des DOSB sind unsere Mitglieder
Die Souveräne des DOSB sind die Mitglieder, die auf der einmal jährlich stattfindenden Mitgliederversammlung (traditionell am ersten Samstag im Dezember) über alle wegweisenden Themen abstimmen - zuletzt über die DOSB-Ziele 2035 und den Entscheidungsweg zur Auswahl des nationalen Kandidaten für unsere Olympiabewerbung. Die 103 Mitgliedsorganisationen unterteilen sich in sogenannte „Verbändesäulen“ - Spitzenverbände mit 42 olympischen und 28 nichtolympischen Fachverbänden, Landessportbünde (16) und Verbände mit besonderen Aufgaben (17). Delegierte dieser Organisationen üben im „Parlament des deutschen Sports“ ihre Stimmrechte aus und sichern so die Partizipation der einzelnen Anspruchsgruppen. Während der Deutsche Fußball-Bund als mitgliederstärkster Verband im DOSB insgesamt 18 Stimmen dank acht Millionen eigener Mitgliedschaften auf sich vereint, hat das jüngste DOSB-Mitglied, der Deutsche Fallschirmsport Verband, mit gut 11.000 Mitgliedschaften eine Stimme.
Ebenfalls stimmberechtigt sind die Persönlichen Mitglieder; eine Gruppe aus bis zu 15 Personen (aktuell zwölf) aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, die mit ihrer Expertise und Sichtbarkeit als Multiplikator*innen für DOSB-Themen wirken. Hierzu zählen aktuell die Olympiasieger*innen Kristina Vogel und Moritz Fürste, Monoski-Legende Anna Schaffelhuber, Yusra Mardini aus dem ersten olympischen Flüchtlingsteam und die „Wirtschaftsweise“ Prof. Dr. Veronika Grimm. Gemeinsam mit dem Präsidium werden sie für eine vierjährige Legislatur gewählt, das nächste Mal wieder im Dezember dieses Jahres.
Seit der DOSB im Mai 2006 aus der Fusion von Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) hervorgegangen ist, arbeitet das Präsidium komplett ehrenamtlich. Dies wird sich vom kommenden Jahr an ändern, nachdem die MV im Dezember 2025 dafür stimmte, den Präsidenten mit einem Monatssalär von 2.000 Euro und die Vizepräsident*innen mit je 1.000 Euro zu entschädigen. Erster Präsident war Thomas Bach, der im September 2013 an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wechselte und sein Amt deshalb niederlegte. Kommissarisch übernahm Hans-Peter Krämer, bis im Dezember 2013 Alfons Hörmann zum Nachfolger gewählt wurde. Seit Dezember 2021 amtiert unser aktueller Präsident Thomas Weikert, der hauptberuflich als Fachanwalt für Familienrecht in Limburg arbeitet.



